Ein ganz andere Lebensweise (11. Oktober 2019)

LA VIDA PERUANA

 

… Wenn überall, Tag und Nacht, Latino Musik aus den Autos, aus den Schaufensterlautsprechern und den Clubs dröhnt, Hühner im Bus und auf der Pickup Pritsche deine Sitznachbarn sind und dir die Höhenluft jeden Tag aufs Neue den Atem raubt, dann weißt du, dass du in den Anden Perus gelandet bist. Denn hier ist die Lebensweise wirklich eine Andere. Seit nun zwei Monaten lebe ich in Cusco, der drittgrößten Stadt Perus und habe mich wirklich super in diese chaotische, aber auch wunderschöne Welt eingelebt. Und es sind wirklich total viele Dinge anders als in Deutschland. Ehrlich gesagt fällt es mir ziemlich schwer, einen Anfang zu finden…

 

Auf jeden Fall ist die Mentalität der Peruaner eine ganz andere. Vor allem in Sachen Pünktlichkeit liegen hier zwei Welten vor. Ist es uns deutschen schon peinlich, fünfzehn Minuten später zu kommen, ist die peruanische Pünktlichkeit eine Stunde später- wenn man sich also mit Peruanern verabredet, kann man locker eine Stunde später kommen, und ist immer noch viel zu früh. Schon lange habe ich in Büchern von der Unpünktlichkeit der Südländer gehört, doch nun erlebe ich das wirklich live mit und stelle fest, dass dies kein Stereotyp ist, sondern die pure Realität. So waren wir beispielsweise vor kurzem auf dem Geburtstag einer schweizerischen Mitfreiwilligen eingeladen. Die einzigen, die pünktlich waren, waren natürlich wir Deutschen, die Schweizerin und eine Dänin, welche ebenfalls Freiwillige ist- die Peruaner trudelten dann irgendwann nach einer bis drei Stunden später ein… Doch wenn die Peruaner dann mal ankommen, herrscht immer sofort perfekte Stimmung. Allgemein gilt in Peru, dass jeder Anlass gefeiert werden muss. Fällt ein Geburtstag auf einen Mittwoch? Kein Problem! Den Peruanern ist es hierbei total egal, ob die gesamte Familie und die Freunde am nächsten Tag arbeiten müssen, sie können trotzdem bis drei Uhr morgens feiern. Und wer feiern kann, der kann auch aufstehen. Zudem finden gefühlt jeden Tag Paraden und Umzüge auf den Straßen Cuscos statt. Diese Paraden erinnern an süddeutsche Faschingsumzüge- es wird fleißig getanzt und musiziert und überall wird gute Laune verbreitet.

 

Doch diese lockere Atmosphäre bezieht sich nicht nur aufs Feiern, sondern durchzieht sich durch so ziemlich alle Bereiche. So ist es in Peru beispielsweise überhaupt kein Problem, zu acht in einem stinknormalen Taxi zu fahren. So verbrachten wir schon unzählige Fahrten zu sechst, siebt oder eben auch zu acht in Taxis, die um einiges kleiner als in Deutschland sind. Doch irgendwie geht hier einfach alles lockerer zu und diese Lockerheit steckt auch einfach an. Auch die Benutzung anderer öffentlicher Verkehrsmittel stellt sich jedes Mal als Abenteuer heraus. So gibt es in Cusco zwar unzählige Linienbusse, doch diese haben natürlich keinen Fahrplan und niemand (außer den Cusqueños) versteht, welcher Bus wohin fährt. So entpuppt sich jede Busfahrt als Ratespiel, beziehungsweise Straßenumfrage, bis man schließlich den richtigen Bus gefunden hat. Doch im Bus sind Stoppknöpfe und Stopps zum Aussteigen Fehlanzeige. Wer aussteigen möchte, brüllt so laut es geht (man muss natürlich die im Bus laufende Latino Musik übertrumpfen) „bajaaaa“- das heißt so viel wie „aussteigen“. Daraufhin wird der Bus langsamer und man springt teilweise wirklich noch aus dem fahrenden Bus heraus auf die Straße… Hin und wieder kommt der versprochene Bus auch einfach überhaupt nicht oder es gibt überhaupt keine Strecke. Doch dort, wo kein Bus fährt, gibt es immer noch Tuk-Tuks oder Pickup Pritschen. Egal, ob man auf der Pickup Pritsche sitzt oder im Bus- es gibt häufig auch Küken oder Hühner als Sitznachbarn, die passend zu der Latino Musik mitquieken. Wie gesagt, jede Fahrt ist ein Abenteuer für sich und der Verkehr auf den Straßen Perus ist wirklich Chaos pur… Doch gerade die Pickups und Tuk Tuks werden hin und wieder der Retter in der Not. So kamen wir letztes Wochenende auf die geniale Idee, von Cusco aus in eine andere Stadt namens Pisac zu laufen. Doch ohne ausgezeichnete Wanderwege oder gut markierte Wanderwege kann man sich im Hochgebirge der Anden natürlich schnell mal verlaufen- so kam es dazu, dass wir irgenwo im Nirgendwo in einem Andendorf gestrandet sind. Wie gut, dass wir dann ein Tuk-Tuk gefunden haben, welches uns gemeinsam mit vielen Küken auf der Pritsche zwei Stunden lang durch die wunderschöne Andenlandschaft, vorbei an wilden Alpakas und Lamas bis in das nächste Dorf gefahren hat.

 

Doch nicht nur im Bereich der der Fortbewegung, sondern auch in Sachen Ernährung gibt es in Peru viele Unterschiede. Das beginnt schon bei der Beschaffung der Lebensmittel: Während in Europa jeder im Supermarkt seine Lebensmittel kauft, wird hier in Peru noch traditionell auf dem Markt eingekauft, was mit persönlich wirklich enorm gut gefällt. Die Märkte sind so viel schöner als die sterilen Supermärkte und zudem kann man mit etwas Verhandlungstalent wirklich günstige Preise erzielen. Außerdem kann man nicht nur Lebensmittel, sondern auch die leckersten Säfte und die besten Gerichte total günstig und super lecker kaufen.  Und in Peru gibt es wirklich so ziemlich jede exotische Frucht und allgemein so ziemlich jedes Obst und Gemüse- denn in Peru gibt es Dschungel, Küste und Berge. Durch diese Diversität gibt es hier für jeden das richtige Obst und das richtige Gemüse. Dennoch wird in Peru wirklich jeden Tag Reis gegessen. Dadurch, dass ich jeden Tag in meinem Projekt esse und auch in der Küche helfe, habe ich einen sehr guten Einblick in die kulinarische Vielfalt der peruanischen Küche. Am liebsten wird hier in Peru Reis und Hühnchen konsumiert. So ziemlich jeden Tag gibt es eine abgewandelte Variante von Reis mit Hühnchen. Und ganz wichtig- die Kartoffeln. Davon gibt es hier nämlich unzählig viele verschiedene Sorten und zusätzlich zum Reis ist die Kartoffel die zweite Leibspeise der Peruaner. Dies führt dazu, dass sich die Gerichte in Peru eigentlich immer sehr kohlenhydratreich gestalten. Es gab schon Tage, an denen es Reis mit Kartoffelsauce gab- und zusätzlich noch Süßkartoffeln. Doch irgendwie gewöhnt man sich an alles und es ist ja auch gut, dass die Essgewohnheiten und die Lebensweise nicht auf der ganzen Welt die Gleiche ist. J

 

So freue ich mich auf die nächsten zehn Monate mit der peruanischen Lebensweise und hoffe, dass ich euch „la vida peruana“ (das peruanische Leben) ein Bisschen näherbringen konnte!

 

Bis bald, eure Lara