"Heute bricht der Friede aus" - Predigt-Slam zum Christfest 2018

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Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus
und die Waffen schweigen,
werden eingeschmolzen
daraus die Waffenbauer bauen
Hütten, Häuser, Hospitale,
für die,
die bezahlbar wohnen wollen, leiden müssen,
unfreiwillig Haus und Hof daheim verlassen haben.

Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus,
weil die Bürger und die Staatendiener dieser Welt,
den Planteten wirklich schützen und bewahren und erhalten wollen
vor Hitze, Fluten, Artensterben,
liebevoll für sich und für die Kinder dieser Erde,
die noch kommen werden.

Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus.
Banken plündern nicht mehr
dreist und trickreich Staat und Steuerkassen,
sondern nutzen ihren Sachverstand,
um für das Gemeinwohl
Geld und Kapital zu mehren und umher zu schichten.

Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus
weil Entwicklern und Controllern,
Verwaltern und Bestimmern in den Chefetagen,
das Wohlergehen
von Böden, Tieren, Pflanzen, Luft und Meeren,
von Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie
wichtiger und wertvoller ist als nur Bilanzgewinne,
von einem Monat bist zum anderen.

Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus,
weil jeder jedem Freiheit und auch Würde zugesteht,
wirklich jeder jeden achtet und in Frieden lässt
und mit dem Gedanken anderen begegnet,
dass wohl der am meisten Liebe braucht,
der es eigentlich gar nicht verdient.

Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus,
weil Gewissen und Gewissensbisse
unser Denken, Tun und Handeln
bestimmen, lenken, leiten sollen
auch wenn andere uns eines anderen
verführen und verleiten wollen.

Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus,
weil nicht mehr immer nur
die andern schuld sein sollen -
hab‘ selbst geschwiegen,
wo ich hätte reden sollen,
hab‘ selbst mitgemacht,
wider bessrem Wissen.


Heute,
zum Christ- und Friedensfest und Gott zur Ehre,
ja heute bricht der Friede aus,
weil nicht mehr nur noch und
vor allem andern
das Glück, das Wohl, die Lust
des Egos zählt und wichtig ist,
sondern auch die Menschenpflicht,
das Schlimme und Zerstörerische
künftig sein zu lassen, aufzugeben,
dazu man aber sich selbst erst überwinden muss.


Heute,
ja heute bricht der Friede aus,
weil in mitten von Unheil, Tod und Verderben
der eine und andere sich aufmacht
und kämpft, rebelliert:
Um Gottes willen,
so kann ’s nicht mehr bleiben,
so darf ‘s doch nicht weitergehen;
nicht ‚man‘, ‚ich‘ muss was tun!
Nicht Gleiches mit Gleichem vergelten,
sondern versuchen,
das Böse mit Gutem aus der Welt zu verbannen.
 
Heute,
ja heute bricht der Friede aus,
weil irgendwo unter uns
in dieser und jener Ecke der Erde
ein Mensch geboren, zur Welt kommen wird,
den dann später berühren
Tränen und Ängste von anderen als wären ‘s die eignen;
und dann, weil er nicht anders mehr kann,
rüttelt und schüttelt die Stumpfsinnigkeit
und lehrt die empfindsame Mit-Menschlichkeit
und streitet beherzt, energisch und klug für globale Gerechtigkeit
und lebt gefühlvoll gottgewollte Barmherzigkeit
ohne zu wissen,
ob er wird siegen,
ob es was bringt.

Und die Menschen, für die er nun auftritt,
werden singen und jubeln:
Der Himmel hat sich nun endlich,
endlich geöffnet und aufgetan.
Wir sehen nun klarer, wofür wir berufen,
was selig uns macht.
Den Mann, diese Frau, hat der uns gesandt,
der Himmel und Erde so schön schuf und machte.
Er, sie, soll erhalten,
Hosianna!, einen stattlichen Preis,
für couragierte, furchtlose Herzlichkeit. 

Aber wie oft werden
die von Empörung und Mitleid getriebenen,
dann doch
für ihre wahrhaft mutigen Wider- und Gegenworte
gegen die mächtigen Unheilsanrichter
ausgeschlossen und abgelehnt,
weggesperrt und stumm gemacht
und schlimmstenfalls um ihr Leben gebracht.

Maria betet, Lukas hofft:
Gott wird’s richten und dann doch vertreiben,
die rüpelhaft nach vorne trampeln,
die zur Gewalt anstacheln und in Terror investieren,
die dreist und frech die Wahrheit drehen,
die Böses gut und Gutes böse nennen,
die anderen - von Geburt und gottgegeben - Wert und Würde nehmen und mit Füssen treten,
die sich alles leisten und auch Würdenträger kaufen können,
die drohen: ‚Wenn ihr nicht, wie wir es wollen,
dann drehen wir die Lichter aus
und machen Arbeitsplätze platt‘, 
die sich bei jedem Krieg die Hände reiben,
weil ´s dann was zu verdienen gibt,
erst mit Vernichtung, dann mit Auferbau.
Gott wird’s richten und diese dann vertreiben

Maria betet, Lukas hofft:
Er übt Gewalt mit seinem Arm.
Und zerstreut,
die hoffärtig und arrogant
in ihren Herzen sind. 
Er stößt die Gewaltigen vom Thron und Präsidentensessel
und erhebt die Niedrigen
die viel zu sagen hätten aber nicht zu sagen haben.
Die Hungrigen und Habenichtse füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen,
sie werden jammern,
sie werden ’s schon verschmerzen.

Heute,
ja heute bricht der Friede aus,
weil in Dir eine Stimme
vom Himmel heraus und tief in dir drinnen
dir sagt:
Ich bin für dich da.
Ich sehe und höre
dein Leid und den Kummer.
Ich sende dir einen,
der mit dir und zu dir
redet und spricht:
Fürchte dich nicht.

Heute,
ja heute bricht der Friede aus,
wenn jede und jeder
für stille Momente
nach dem ganzen Tumult und Getümmel der vergangenen Tage und Wochen
den ganz eigenen
Herzensraum und Seelensaal
still und vertraut,
entdeckt und betritt,
den ganz eigenen
Herzensraum und Seelensaal
der nur dir allein, ganz alleine nur dir gehört,
in dem nichts und niemand,
kein Programm, kein Algorithmus
heute Zutritt hat
und wo du dann findest das Heilige Kind,
das du einst auch gewesen,
immer noch bist.