Handwerker-Gottedienst 2019 "Der Handwerker entscheidet selbst - oder bald Robi digital?"

Eindrücke vom Handwerker-Gottesdienst. (Der Film ist auf youtube hinterlegt.)

 

Hier die Predigt und nebenan ein Film mit Eindrücken aus der Werkhalle im Erlenbacher Gewerbegebiet (gespeichert auf youtube).

 

Begrüßung

Gnade sei mit euch und Friede.
Herzlich willkommen zu diesem Gottesdienst hier in der Lackierhalle im Gewerbegebiet in Erlenbach.

Der Handwerker entscheidet selbst oder bald Robi digital?
Wir befinden uns wohl in einer digitalen Revolution. Mit den technologischen Neuerungen machen sich bei nicht wenigen apokalyptische Ängste breit: Werden Roboter und die sogenannte künstliche Intelligenz irgendwann einmal Menschen beherrschen, fernsteuern, ersetzen? Prognosen prophezeien ja immer wieder, welche Berufe, welche Tätigkeiten durch die Digitalisierung überflüssig werden.  Werden Handwerker nicht so leicht zu ersetzen sein, weil ihre Werke und Dienste sich nicht so einfach automatisieren lassen?

Andere wiederum erhoffen sich von der Digitalisierung euphorisch, dass mit der neuen Technologie die großen Menschheitsprobleme in den Griff zu bekommen sind und alles, zumindest vieles, besser wird. Werden Menschen befreit von stupider und lästiger Arbeit, und fast automatisch klüger, stärker, gesünder, langlebiger, optimierter, optimaler? 

Oder gibt’s einen Weg zwischen Angst und Euphorie?  Es sind einfach ‚nur‘ neue Werkzeuge, die WIR so beherrschen müssen, dass sie möglichst zum Nutzen vieler werden. Wer hat nicht Smarthone und reichlich Apps? Wer sucht nicht mit Hilfe von Suchmaschinen nach allerlei und allerhand?

Wir sind mittendrin in der Digitalisierung und sollten uns Gedanken machen - weder düster, ängstlich und verzagt, noch euphorisch, sorglos und berauscht, sondern kritisch, vernünftig und zuversichtlich.

„Gott hat uns nicht gegen einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim 1,7) 

 

Predigt

Der Handwerker entscheidest selbst – oder bald Robi digital?
Handwerker produzieren ihre Werkstücke nicht in Serie tausendfach am Band.
Handwerker müssen bei jedem Auftrag ihre Phantasie und Erfahrung nutzen, mit Kunden zusammen herausfinden, tüfteln und überlegen: Wie machen wir’s am besten? In welcher Farbe sollen die Räume gestrichen werden? Welche Heizung kann bei dir montiert werden? Wie soll das Haus gebaut werden? Wie kriegen wir die Delle wieder aus dem Blech und bauen den Bootsanhänger so um, dass bei der Fahrt nichts wackelt oder bricht?
Warum läuft dieser Motor nicht rund und was muss hier repariert und ausgetauscht werden?

Klar, man kann mit dem Computer die Fehler im Auto herauslesen.
Man kann mit einer VR-Brille angeleitet die fehlerhafte Maschine instand setzen oder lädt sich den Film mit der Reparaturanleitung auf das Tablet. 
Im Internet lassen sich die Farbmischungen aller Fahrzeuge finden und werden dann vor Ort automatisch vor der Maschine gemischt.
Dachdecker nehmen zwar Maß, Computer errechnen aber die Schnitte und Einkerbungen in den Balken und sägen sie vollautomatisch zu.
Ersatzteile kann man sich auf der Homepage des Zulieferers dreidimensional ansehen und mit einem Klick bestellen.
Über die digitalen, sozialen Netzwerke kann der Handwerker Kunden auf sich aufmerksam machen.
Am Bildschirm bewegt man sich virtuell durch die Räume und kann sich ein Bild machen, wie es mal aussehen könnte, das Haus, der Raum, das Licht- und Schattenspiel.
Per Whatsapp bekommt der Mitarbeiter draußen vor Ort vom Chef den Arbeitsauftrag mitgeteilt und macht Bilder von der Baustelle. 
Handbücher, Skizzen, Kataloge, Prospekte – immer seltener in Gebrauch.

Wir haben uns schon eingerichtet in der neuen digitalen Welt, mehr oder weniger, und jeder Handwerker muss für sich und seinen Betrieb entscheiden: Was will ich? Was brauche ich? Lohnt sich die Investition?
Aber wohl schon immer gilt der Spruch: Man muss mit der Zeit gehen.

Ob’s mit der Digitalisierung besser wird? Ob der Raum schön gestrichen, das Haus solide gebaut, die Fenster passend eingesetzt, die Motorhaube einwandfrei lackiert sein wird, hängt immer noch von der sorgfältigen, kundigen Handwerkskunst ab, gefertigt mit allen möglichen Hilfsmitteln und Werkzeugen, seien sie nun analog oder digital.
Wie viel ist der direkte menschliche Kontakt, von Angesicht zu Angesicht, wert? Vielleicht wird der gerade in Zeiten der Automatisierung umso wertvoller, weil umso seltener?

Der Handwerker entschiedet selbst oder bald Robi digital? Wer künftig nicht nur am Computer hinter dem Bildschirm auf der Tastatur herumhacken will, wer künftig mit allen seinen Sinnen arbeiten und schaffen will, der sollte wohl Handwerker werden. Man könnte doch bei den Jugendlichen damit werben:
Willst du hämmern, bohren, sägen,
sehen, hören, spüren, tasten
nicht nur hauen auf die Tasten
von Computer, Handy, Tablet,
dann komm ins Handwerk, sei dabei,
wir brauchen Leute mit Verstand UND Feingefühl
für die Werke für die Menschen.
Aber werden Kinder noch ausreichend geschult im Werkeln, Basteln, Bauen, Tüfteln abseits von Spielkonsolen?

Der Handwerker entscheidet selbst – oder bald Robi digital?
Noch gibt es keinen Roboter, der in den Keller gehen kann und einen Wasserzähler austauscht.
Noch gibt es keinen Roboter, der auf ein Gerüst steigen und Wände anständig verputzen kann und mit dem Kollegen nebenan Witzchen macht und sich manchen Frust von der Seele redet.
Noch gibt es keinen Roboter, der Elektroleitungen durch Schächte und Decken ziehen und in Schaltkästen richtig verdrahten und verschrauben kann und anschließend auch noch den Schutt und Staub zusammenfegt.
Noch gibt es keinen Roboter, der Bäume und Büsche artgerecht schneidet oder pflanzt und angemessen wässert.
Noch gibt es keine Roboter, die die Lackierhalle hier so liebevoll und phantasiereich ausgestalten können.

Alles irgendwann einmal doch durch Roboter machen lassen? Das wird wohl auf lange Zeit hinaus, zumindest im Handwerk, eine Zukunftsphantasie bleiben, oder?

Uns wird mit der künstlichen Intelligenz, dem maschinellen Lernen mit millionenfachen Daten und Rechenoperationen gezeigt, was die Rechner alles können - wirklich beeindruckend! Worte ins Smartphone diktiert und gleich in eine fremde Sprache übersetzt oder unmittelbar in Schrift übertragen; Röntgenbilder werden treffsicherer analysiert als von Ärzten;
Mit Gesichtserkennung weiß man, wer sich im Stadion oder auf einer Demonstration aufhält; Vorlieben und Absichten von Menschen können Algorithmen einschätzen und vorausahnen, auch welche Krankheiten sich demnächst ausbreiten werden, wo ein Stau zu erwarten ist oder sich schon gebildet hat;
Mit einer App lassen sich unterwegs Pflanzen und Insekten bestimmen.

Wir leben mit einer enormen Informationsdichte in Sekundenschnelle. Was Kinder heute schon wissen, die sich auch mit Filmen im Internet informieren – enorm. 

Letztendlich aber werden wir Entscheidungen nicht delegieren können, jede und jeder Einzelne muss überlegen, was er tut, wozu er sich entscheidet - mit all den Hilfsmitteln und Werkzeugen, die einem zur Verfügung stehen, aber auch mit seinen Erfahrungen und seinem Geschick, mit seinem Können und seiner Kraft, mit seiner Weisheit und Moral.

Trotz Digitalisierung leben wir vom Vertrauen, dass der andere, in dessen Hände ich mich begebe, verantwortungsvoll mit mir und meinem Anliegen umgeht, dass ich mich auf Zusagen verlassen kann, dass einer sein Wort hält – im unmittelbaren persönlichen Kontakt oder am Telefon oder im Internet. Letztendlich zählt, was am Ende dabei herauskommt, ob ich zufrieden und erfolgreich bin, mit der Leistung, die ich erbringen konnte und ob ich zufrieden bin mit dem Produkt, das ich erhalten habe.

Gott hat uns nicht gegeben ein Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Wir leben in einer neuen Zeit. Wir haben uns an manches noch wie selbstverständlich gewöhnt: Handy, Computer, Navi, Google.
Manches verstehen wir nicht: Was ist eigentlich künstliche Intelligenz genau, nach welchen Algorithmen und Programmen werden Daten verarbeitet und wofür werden sie benutzt?
Was machen Unternehmen und Staaten mit all den Informationen von Kunden und Bürgern?
Mehr Transparenz ist nötig, dem Misstrauen zu begegnen, um Vertrauen zu schaffen.

Wir wissen noch nicht, wie wir kulturell mit der noch jungen Digitalisierung umgehen sollen. Handwerkskammern und auch Kirchen, Industrieverbände, Universitäten und Juristentage rufen zu Kongressen zusammen, um darüber zu beraten.
Wir werden Fehler machen und auf Abwege geraten - durch Schaden wird man klug. So wächst Weisheit. So entstehen Gesetze, um den Missbrauch und die Gefahren einzudämmen.
Wir können bei der Digitalisierung leider nicht auf Erfahrungen der Generationen vor uns zurückgreifen oder in den alten heiligen Schriften direkte Antworten finden.
Deshalb: Wir müssen reden, wir müssen miteinander reden.
Wir müssen uns Gedanken machen, wir müssen uns miteinander Gedanken machen, was wir wollen, was wir nicht wollen.    
Wir müssen entscheiden, miteinander entscheiden.
Wir müssen miteinander eine Moral der Digitalisierung finden; jeder für sich, jeder bei seiner Arbeit, jeder in seinem Betrieb, in den Verbänden und miteinander in der Politik.
Du hast einen Spielraum. Du hast eine Verantwortung für Dich und andere.   

Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
(Pfr. Jürgen Stauffert)


Predigt-Slam zum Klimawandel

Um es gleich vorweg zu sagen:
Das Gebot der Stunde und der Jahre,
die noch kommen werden, heißt:
Wir werden sorgsam und genügsam leben müssen,
um das Schlimmste zu verhindern.
Sorgsam und genügsam.
Wird der HERR,
der Herr und Schöpfer seiner Welt,
wenn er kommt, uns zu geigen seine Meinung,
wird der HERR dann sagen:
„Komm zu mir, auf diese Seite, hast dich immer wieder überwunden, recht getan, so viel dir möglich war“?
Oder wird er sagen:
„Komm, geh fort, was hast Du
- egoistisch selbstbezogen -
angerichtet, auf meiner doch so schönen Welt!
Ich hab dir doch Verstand gegeben,
zu sehen und zu hören und zu durchforschen
deine Lebensräume.
Und du hast doch auch ein Herz und Mitgefühl,
für die, die jammern, leiden, sterben müssen“.
HERR, ich fürchte, du würdest, müsstest sprechen:
„Du hast mehr geschadet als genützt,
ziemlich gut, verschwenderisch,
gelebt auf Kosten der Natur, des Klimas,
mehr zerstört als auferblühen lassen,
mehr genommen als gerecht und
dir zugedacht“.

Du hast ja recht, mein lieber Gott,
aber was sollt ich machen, so haben ’s viele, alle, doch gemacht in dem reichen, freien Westen.

Aber bedenke bitte auch:
Hab versucht, lieber mit dem Rad als mit dem Auto unterwegs zu sein;
lieber mit dem Auto in der Nähe als mit dem Flieger weit in alle Welt zu reisen.

Aber wir wissen 's schon seit vielen, vielen Jahren,
bräuchten mehrere von deinen Welten,
wollten alle so bequem und komfortabel leben wie ich, wie wir.
Wir, die wir klagen, jammern:
'Ach wie schrecklich, ach wie schlimm !'
und machen doch grad weiter so.
Die Autos werden schwerer, breiter, schneller,
lassen sich ganz gut verkaufen.
Fragt man aber nach dem Sinn dahinter…
Hauptsache die Bilanzen stimmen
und die Aktionäre freuen sich
über ein Rekordjahr nach dem andern.
Jubel. Freude. Extralohn und Arbeitsplätze.
Wer dürfte da noch zweifeln, widersprechen?
Ganz gern auch mal kurz mit dem Flieger tausende von Kilometer
über Meere, Kontinente,
zum Shoppen, zum Relaxen
nach New York, Antalia, Barcelona.
Für ein paar Euro - schön.
Doch mit welchen Folgen? Doch um welchen Preis?
Kann man machen, bringt doch Spaß!
Ist doch aber Sünde, oder?
Macht man `s, weil man `s machen muss?
Weil man dann was zu erzählen und zu zeigen hat?
Jede Branche, alles muss doch weiterwachsen.
Wachsen. Wachsen. Weiterwachsen.
Auch die Meeresspiegel und die Wüsten?
Auch die Zahl der Klimaflüchtlinge?
Die Spekulanten können 's kaum erwarten,
bis die Bodenpreise wachsen, steigen
für das Land, wo Menschen dann noch leben, überleben können.
Die Mauerbauer dürfen hohe Mauern bauen.
Die Grenzenschützer dürfen lange Grenzen schützen,
werden Stacheldraht und Waffen brauchen.
Die Helfer in den Auffanglagern dürfen registrieren,
Zelte, Decken und auch Wasser reichen,
mit den Flüchtlingskindern spielen, einfach so zum Zeitvertreib;
bald ein Beruf, gefragt, mit Perspektive und Karrierechancen.
Auch Folterknechte wird man wieder schätzen,
weil sie schrecken und, auf Geheiß von oben, quälen dürfen,
wenn die Leute, weil sie überleben wollen,
dorthin gehen und fliehen müssen,
wo schon andere ihr Dasein
fristen müssen
oder ungestört genießen können
und verhindern wollen, dass auch andere sich dazugesellen.
Heilsversprecher und Verführer,
in Politik und Religion,
Scharlatane schüren Ängste,
machen sich die Angst zunutze:
‚Liebe Leute, bringet Opfer,
wenn auch nötig Menschenopfer.
Wählet uns,
dann wird wieder alles besser, dann wird ’s wieder,
ach so schön, wie ’s früher einmal war.
Lasst die weisen, weißen Bosse
ihre Deals nur ungehindert weitertreiben.
Der Markt wird 's richten - ganz von alleine.

Macht euch keine Sorgen.
Glaubt an uns und glaubet ihnen.
Haltet still! Kassiert die Extraprämien!
Dann ist‘s gut! Was gibt’s zu meckern?‘
Wachstum. Wachstum. Alles wächst.
Ach wie schön und ach wie schrecklich.
Wir, nicht die armen Schlucker,
die nur mit wenig Geld am Tag ums Überleben kämpfen,
wir, nicht die,
werden lernen müssen,
mit dem Vielen, viel zu Vielen, uns zu begnügen,
werden von nun an lernen, üben müssen,
genügsamer zu leben,
sorgsamer, naturkundiger, naturverbundener.


Denn was man kennt und schätzt und dann bewundert
und vielleicht sogar auch liebt,
macht man nicht leichtfertig kaputt und walzt es nieder.

Ich selbst kenn‘ nur wenig Pflanzen, Bäume, Gräser,
Insekten, Vögelchen und wilde Tiere,
weiß nicht, was sie zum Leben alles brauchen.
Deshalb mehr Natur- und Völkerkunde
in den Schulen und im Fernsehen,
auf den Tablets und den Handys!

Ach, Herr je, was kann und will ich,
ich, einer von 7, 8 Milliarden Menschen, schon bewirken?

Aber
viele Bürger und Politiker
und Wissenschaftler und Unternehmer
sind schon aufgeschreckt, wissen,
dass ein „Weiter so!“ ins Unheil führt.

Bedenkt den Klimawandel und die Folgen,
wenn ihr bauet und montiert,
wenn ihr wählet und politisiert,
wenn ihr plant und konstruiert,
wenn ihr kauft und konsumiert,
wenn ihr singt und musiziert,
wenn ihr predigt, theologisiert,
wenn ihr sprecht und debattiert,
wenn ihr reist und touristisiert,
wenn ihr lehret und doziert.

Selig ihr und kommt auf meine Seite, die ihr nicht sagt:
„Was kann ich allein schon tun,
kann allein die Welt nicht retten, hab auch keine Lust dazu.
Muss nicht Rede stehen und Antwort geben
vor dem Herrn und Weltenschöpfer.
Er ist tot und wird schon nicht kommen zu dem Weltgericht“.

Selig ihr und kommt auf meine Seite,
ihr und du,
der du dich überwindest
in der Welt und auf der Welt,
genügsam und sorgsam unterwegs zu sein.

Es geht doch nicht darum,
das Leben sich und anderen zu verdrießen,
sondern es so zu leben und zu genießen,
dass es nicht übermäßig schadet
und trotzdem Freude macht,
damit nicht wir und all die Zeitgenossen
und auch die, die nach uns kommen werden,
nur mit Hitze, Dürre, Fluten,
nur mit Hunger, Durst und Fremdsein
kämpfen müssen,
sondern sich auch des Lebens freuen dürfen
und wir immer wieder miteinander feiern können
das Leben, das uns gegeben, so vielfältig und so schön.

Gott bewahre.  Amen.