Gemeinwohl-Ökonomie. Ein Vortrag am 23.2.2018

Franz Sedlak (KAB), Ulrich Lang (GWÖ-Regionlagruppe Heilbronn), Anna Deparnay-Grunenberg (Stadträtin in Stuttgart), Uwe Treiber (Sonnendruck GmbH), Jürgen Stauffert, Pfarrer, KDA-Beauftragter). v.l.n.r.

Ökonomie dient dem Gemeinwohl

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen" (Art 14,2 Grundgesetz)
Unser Anliegen als Kirchliche Arbeitnehmerschaft (KAB) ist es, den Dialog der gesellschaftlichen Kräfte zur Entwicklung und zur Verbesserung des Gemeinwohls zu fördern
- angesichts von wachsend 7 Milliarden Menschen
- angesichts von 56 Millionen Flüchtenden
- angesichts von Energiewandel
- angesichts hektischer überhitzten Börsen und
- angesichts des dramatisierenden Klimaumbruchs.

Es ist Zeit, über das Verhältnis von Gemeinwohl und Ökonomie nachzudenken und über zukünftige Formen ihres vernünftigen und für alle erfolgreichen Zusammenwirkens zu reden. Der Ursprung von Ökonomie war die Bildung von Gemeinschaften.

Ökonomie dient dem Gemeinwohl. Heute scheint das Gemeinwohl den Wirtschaftsinteressen nach weniger Steuern, billigen Grundstoffen, unorganisierten Arbeitern und globaler Gewinnverlagerung zu dienen.
Die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) ist eine wirtschaftsphilosophische Bewegung, die nach ökologischen Maximen eine ausgewogene, erfolgreiche Bilanzierung wirtschaftlichen Handels anstrebt. Sie macht konkrete Vorschläge. Die Zahl der Unternehmen, die sich danach orientieren, wächst.

Am Freitag dem 23.2. 2018 fand ein gutbesuchter Vortrag mit Aussprache im Berthold-Bühl-Heim statt, den die KAB zusammen mit den katholischen Kirchengemeinden und der evangelischen Kirchengemeinde organisiert hat.

Drei Referenten der GWÖ führten in Gemeinwohlökonomie ein: Die wirtschaftsphilosophischen Grundlagen beschrieb Ulrich Lang-Heilbronn (GWÖ-Regionalgruppe Heilbronn), aus regionalpolitischer Gestaltungserfahrung in Stuttgart berichtete Anna Deparnay-Grunenbach (Stuttgarter Gemeinderätin) und unternehmerischer Eigenerfahrung brachte Uwe Treiber (Geschäftsführer der gemeinwohlbilanzierten Sonnendruck GmbH aus Wiesloch) engagiert in den Kreis der Zuhörer ein.

In einer angeregten Aussprache wurden unterschiedliche Sichtweisen und Realisierungsfragen zur Gemeinwohl-Bilanzierung diskutiert. GWÖ bezieht sich dabei auf Werte, die uns aus christlicher Sicht sehr vertraut sind: Respekt vor der Schöpfung, Sorge um die Mitmenschen, gutes Leben für alle und ein friedliches Zusammenleben.

(Franz Sedlak)

 

Gemeinwohlökonomie – sinnhaftes Wirtschaften für Mensch & Umwelt

Ulrich Lang, Sprecher der GWÖ-Regionalgruppe Heilbronn ging eingangs in seinem Vortrag auf menschheitsbestimmende Themen, wie Klimawandel, etc. ein. Über die verfassungsmäßige Verankerung von „Gemeinwohl“ führte sein Vortrag zu unserem – von einem Großteil der Bevölkerung – unbeliebten Wirtschaftssystem.

   Als eine mögliche Alternative bietet sich die Gemeinwohl-Ökonomie an. Hier soll der Konkurrenzgedanke durch Kooperation ersetzt werden. Vom Grundsatz her werden die in der Verfassung bzw. im Grundgesetz  verankerten menschlichen Werte in der Wirtschaft umgesetzt. Dies erfolgt über die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz.

  Anna Deparnay-Grunenberg, von der Grünen Gemeinderatsfraktion in Stuttgart ging im Anschluss auf die konsumbedingten Umwelteinflüsse mit ihren weitereichenden Folgen ein. Im weiteren Verlauf erläuterte Sie die Bedeutung von Nachhaltigkeitszielen in der Weltengemeinschaft. Konkret hat sich die UN für das Jahr 2030 die Realisierung von insgesamt 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) gesetzt.

    Direkt berichtete sie dann über Gemeinwohl-Aktivitäten der Stadt Stuttgart, die bei diesem Thema bundesweit „führend“ ist. Hier haben sich im vergangenen Jahr immerhin bereits vier stadteigene Betriebe der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz gestellt. Weitere Städte in Baden Württemberg stehen in den Startlöchern.

    Uwe Treiber, Geschäftsführer der Wieslocher Sonnendruck GmbH und Mitglied der GWÖ-Regionalgruppe Rhein-Neckar berichtete sehr authentisch von seinen Erfahrungen bei der Anwendung der Gemeinwohl-Ökonomie bzw. bei der Erstellung der Gemeinwohl-Bilanz in seinem eigenen Betrieb, einem Unternehmen aus der Druckereibranche. Unter anderem. berichtete er sehr eindrucksvoll über die engagierte Beteiligung seiner Mitarbeiter an diversen betrieblichen Entscheidungsprozessen. Das Unternehmen verfolgt sehr hohe Umweltziele und leistet dadurch einen wertvollen Beitrag für das gesellschaftliche Umfeld.

Nach den Vorträgen folgte eine angeregte Diskussion zwischen Referenten und den Besuchern zum Thema Gemeinwohl-Ökonomie.

(Ulrich Lang, Sprecher der GWÖ-Regionalgruppe Heilbronn)