Predigt zum Tag der Arbeit - zum Hören und Sehen (bei youtube hiterlegt).

Die Predigt zum Hören.

Lied der Woche: Ein Volkslied von 1845. Ob wir rote, gelbe Kragen Helme oder Hüte tragen ....(Leider finden sich im Ev. Gesangbuch kaum Lieder zum Thema Arbeit. Warum?).

"(Nicht) Arbeiten dürfen, müssen, können".
Predigt zum Tag der Arbeit. Was ist gerecht und gut?

Die einen dürfen in Werkhallen Motoren zusammenschrauben und bekommen Extra-Prämien.
Die anderen würden gerne zum Vergnügen in Konzert- und Theaterhallen singen, tanzen, schauspielern, aber dürfen nicht und knapsen rum oder verschulden sich gar.
Ist das gerecht oder nur Ausdruck von Lobbyarbeit?
Was brauchen die Leute in diesen Zeiten? Was zum Anfassen und Haben oder was Schönes und Heiteres für Seele und Gemüt?
Die einen müssen weiter schuften - die anderen müssen ihre Geschäfte geschlossen halten.
Nach welchen Kriterien wird entschieden?
Nach dem Wohl für den Aktienindex?
Die zu Hause arbeiten, verkümmern hinter Bildschirmen.
Manche verzweifeln und heulen die halbe Nacht im Stillen und machen tags drauf doch wieder weiter, um den Laden am Laufen zu halten - was bleibt ihnen anderes übrig.
Viele sind mit sich selbst und überhaupt ziemlich beschäftigt und sehnen sich nach mal Urlaub machen und weg sein, raus hier.
Die einen werden sich’s gut leisten können, die anderen werden aber darauf verzichten müssen.  
Ist das gerecht?
Der Präsident einer großen Nation will den Mindestlohn um 30 Prozent anheben, damit „Hunderttausende Arbeiter nicht länger Vollzeit arbeiten müssen und trotzdem in Armut leben“. Hierzulande explodieren nur die Mietpreise, Aktienkurse, Ablösesummen für Fußball-Trainer und Kicker - aber der Mindestlohn bei den Geringverdienern steigt nur centweise.  
Ist das gerecht? Wie lange geht das gut? Der Markt regelts nicht von alleine. Proteste verschaffen den Leuten Luft und Gehör. So erfährt man zumindest von der Stimmungslage im Land, ob einem das gefällt oder nicht.
Große Aufgaben für die PolitikerInnen und für alle, die sich fürs Gemeinwohl und Gemeinwesen verantwortlich fühlen. Wem wieviel geben? Wem wieviel nehmen?     
Jedem soviel, dass es genug zum Leben reicht, ob er nun arbeiten kann und muss und darf - oder eben  nicht?
Jesus erzählt eine Geschichte von einer wohltuenden Gleichmacherei.   
»Das Himmelreich gleicht einem Grundbesitzer: Er zog früh am Morgen los, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Lohn von einem Silberstück für den Tag. Dann schickte er sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder los. Da sah er noch andere Männer, die ohne Arbeit waren und auf dem Marktplatz herumstanden.  Er sagte zu ihnen: ‚Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen. Ich werde euch angemessen dafür bezahlen.‘ Die Männer gingen hin.
Später, um die sechste Stunde, und dann auch um die neunte Stunde machte der Mann noch einmal das Gleiche.
Als er auch um die elfte Stunde losging, traf er wieder einige Männer, die dort herumstanden. Er fragte sie: ›Warum steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?‹.
Sie antworteten ihm: ›Weil uns niemand eingestellt hat!‹ Da sagte er zu ihnen: ›Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!‹
Am Abend sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: ›Ruf die Arbeiter zusammen und zahl ihnen den Lohn aus! Fang bei den Letzten an und hör bei den Ersten auf.‹ Also kamen zuerst die Arbeiter, die um die elfte Stunde angefangen hatten. Sie erhielten ein Silberstück. Zuletzt kamen die an die Reihe, die als Erste angefangen hatten. Sie dachten: ›Bestimmt werden wir mehr bekommen!‹ Doch auch sie erhielten jeder ein Silberstück. Als sie ihren Lohn bekommen hatten, schimpften sie über den Grundbesitzer.  Sie sagten: ›Die da, die als Letzte gekommen sind, haben nur eine Stunde gearbeitet. Aber du hast sie genauso behandelt wie uns. Dabei haben wir den ganzen Tag in der Hitze geschuftet!‹
Da sagte der Grundbesitzer zu einem von ihnen: ›Guter Mann, ich tue dir kein Unrecht. Hast du dich nicht mit mir auf ein Silberstück als Lohn geeinigt? Nimm also das, was dir zusteht, und geh! Ich will dem Letzten hier genauso viel geben wie dir. Kann ich mit dem, was mir gehört, etwa nicht das machen, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich so großzügig bin?‹
So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.«

(Mt 20,1-16)
Wer arbeitslos geworden ist, verliert nicht nur Einkommen sondern auch Selbstwertgefühl. In diesen Zeiten verhängt der Staat aus Sorge um die Gesundheit Arbeits- und Auftrittsverbote. Aber darf man ihnen zudem die Sorgen um wirtschaftliche Existenz aufbürden? Es gibt zwar finanzielle Unterstützungen, aber sie genügen oft nicht.
Doch mehr gerechte Gleichmacherei? Doch! Mehr gerechte Gleichmacherei, damit die Letzten nicht die Letzten bleiben und sich nicht abgehängt, sondern geachtet und gleichbehandelt fühlen, auch wenn gutverdienende Leistungsträger schmollen sollten.

Szenenwechsel. Eine Trauerfeier. Ich stehe auf dem Friedhof und erzähle von dem Leben der verstorbenen Person, von ihrem Wirken und Schaffen. Ich bin froh bewegt, wenn die folgenden weisen biblischen Worte auf die Person zutreffen.   
„Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in des Menschen Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes“. (Kohelet 3,10-13)  

Wohl dem, der seinen Beruf und seine Berufung gefunden hat, der im Großen und Ganzen zufrieden war mit seinen Werken, der nicht nur um des Geldes und einer erdachten Karriere willen gearbeitet und gehetzt hat, sondern gerne geschafft hat und gemocht und geschätzt wurde.
Es gibt nichts Besseres als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.   

Szenenwechsel.
„Sie müssen lernen, sich zu verkaufen“, sagten Ausbilder vor 40 Jahren zu uns Azubis in der Banklehre. „Sie müssen lernen, sich zu verkaufen“ – das hörte sich für mich ‚falsch‘ an. „Ich will mich nicht verkaufen. Ich will Jürgen bleiben“, dachte ich mir damals. Ich machte aber eine Zeit lang mit und verkaufte fast meine Seele, aber hörte nach der Lehre wieder damit auf. Ich konnte und wollte nicht mehr. Es war mir eine Lehre fürs Leben.
„Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?“, fragt Jesus. (Matthäusevangelium 16,26)
Welchen Nutzen hat ein Mensch, wenn er - fast freiwillig - Dinge tut, die ihm im Innersten eigentlich zuwider sind und sich falsch und widersinnig anfühlen? Wie viele verkaufen sich zum Schaden ihre Seele und Gesundheit? Was bringt’s wirklich?

Was ist’s wert, am Ende des Lebens sagen zu können: Ich hatte guten Mut beim Schaffen. Hab‘s gern und gewissenhaft gemacht, war und bin ganz zufrieden.
Arbeit – es geht doch um mehr als nur um die Erfüllung einer Kennzahl, einer Stückzahl. Es ist doch auch ein Lebenswerk. Wem kann ich nützen? Wofür mühe ich mich ab? Bin ich damit glücklich und zufrieden und andere auch?
Ich merkte, dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.  

Samstag/Sonntag, 1./2. Mai 2021