Was ist in Gottes Augen Sünde?

Was ist in den Augen Gottes Sünde? - Die Predigt zum Anhören.

Das Lied "Amazing Grace", gepielt von Rainer Siebel.

Das Predigt-Video "Was ist Sünde?" ist bei youtube hinterlegt.

Amazing grace (bei youtube hinterlegt)

"Was ist in Gottes Augen Sünde? Und was sind nur "Sünden", weil wir Menschen sie als solche bezeichnen?"
Gute Fragen, die mir eine junge Frau gestellt hat, aber darauf zu antworten ist nicht leicht.
Aus welcher Perspektive sollen wir das Thema betrachten?
Sie können dazu auch das Lied „Amazing grace“ anhören – gespielt von Rainer Siebel.  
„Erstaunliche, wunderbare Gnade, wie süß der Klang,
Die einen armen Sünder wie mich errettete!
Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden,
War blind, aber nun sehe ich ….“

Die Worte stammen von John Newton (1725-1807). Einige Jahre verfrachtete er auf Schiffen Sklaven von Westafrika. Später wurde der Englänger Diakon und Pfarrer und setzte sich dann für die Abschaffung der Sklaverei ein. Er bereute es, selbst darin verwickelt gewesen zu sein.

„ ….. Es war Gnade, die mein Herz Furcht lehrte,
Und Gnade löste meine Ängste;
Wie kostbar erschien diese Gnade
In der Stunde, als ich erstmals glaubte!“

Was ist in den Augen Gottes Sünde?
Wenn wir Gott gegenüber keinen Respekt aufweisen, und wenn wir nicht nach guten, den Frieden erhaltenden Regeln leben.  
Die wichtigste Regel?  
‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Willen. Und: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‘ Tu das, so wirst du leben. (Lukas 10, 27. 28)
Als Martin Luther die 10 Gebote erklärt hat, dann hat er immer mit den Worten begonnen: „Wir sollen Gott fürchten und lieben.“ Gott fürchten meint, Gott Respekt erweisen, auf seine Worte – von Menschen zur Welt gebracht – hören und uns danach ausrichten. Einerseits klare Ansagen in den Geboten, wie wir uns zu verhalten haben. Gott lieben auf Gottes Entgegenkommen und Erbarmen zu vertrauen, wenn wir ernsthaft um Vergebung bitten. Du kennst die Geschichte vom barmherzigen Vater und dem verlorenen Sohn. Der Sohn hat sich das Erbe auszahlen lassen und hat gelebt in Saus und Braus, sich mit falschen Freunden eingelassen, ist abgestürzt, verarmt und verdreckt. Er sah nur noch einen Ausweg: auf dem Hof seines Vaters als einfacher Arbeiter zurückzukehren, seine einzige Chance zu überleben.  Er kehrt zurück mit den Worten: „Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich sein Sohn heiße.“ (Lukas 15,21).  Aber der Vater hört gar nicht so recht hin, sondern lässt ihn schön einkleiden und veranstaltet ein Freudenfest mit den Worten: „Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden“ (Lukas 15,24).
Du darfst zurückkommen.
Amazing grace.
Eine jüdische Weisheit lehrt: „Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht - die Versuchung ist groß und die Kraft ist klein. Die große Schuld des Menschen ist, dass er jederzeit umkehren kann und es nicht tut“.
Das klingst schön und sagt sich so einfach. Aber der Weg der Umkehr ist schmerzhaft und leidvoll, wenn Du tatsächlich eine große Schuld auf dich geladen und Schaden angerichtet hast, den du eigentlich nicht wieder gut machen kannst -
ob in einer Beziehung, Freundschaft, Ehe oder Familie,     
ob im beruflichen, wo du etwas getan hast, hast tun wollen oder müssen, das aber falsch war und andere ins Verderben gebracht hat,
ob im politischen, dass du Entscheidungen getroffen hast, die nicht dem Wohl des Gemeinwesens gedient haben, sondern dem Eigenwohl und dem Wohl eines Geldgebers.
Warum es so weit gekommen ist? Du wirst es dann schmerzlich erkennen, wenn du die Schuld nicht auf andere schiebst, sondern dich auf den Weg der Erkenntnis und Selbsterkenntnis machst. Schmerzlich und bitter, aber die Wahrheit wird dich frei machen.   
Es gibt ein eindrückliches Gebet, einen Psalm in der Bibel, in dem ein Mensch sich verzweifelt an Gott wendet mit seiner Schuld, die ihn fertig macht.
Was den Menschen so belastet, erfahren wir nicht, aber wie es sich anfühlt, schuldig zu sein:    

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte,
und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
Wasche mich rein von meiner Missetat,
und reinige mich von meiner Sünde;
denn ich erkenne meine Missetat,
und meine Sünde ist immer vor mir.
An dir allein habe ich gesündigt
und übel vor dir getan,
auf dass du recht behaltest in deinen Worten
und rein dastehst, wenn du richtest.
Siehe, dir gefällt Wahrheit, die im Verborgenen liegt,
und im Geheimen tust du mir Weisheit kund.
Lass mich hören Freude und Wonne,
dass die Gebeine fröhlich werden,
die du zerschlagen hast.
Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden,
und tilge alle meine Missetat.
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.
(Psalm 51)

Mist gebaut, großen Schaden angerichtet, andere verletzt, betrogen, ins Verderben geführt, aus Gier, Erfolgshunger, um es sich und anderen zu zeigen, was du alles kannst, fixiert auf ein Ziel und deshalb blind und taub für die Einwände und Zweifel.
Der Weg ins Verderben ist lang, hat sein Geschichte, hat seine Vorgeschichten.

Gott, die letzte Hoffnung. Sei mir gnädig.   
Du möchtest dich verstecken und gehst mit der Schuld ins Bett und stehst damit wieder auf, du kannst ihr nicht ausweichen, sie ist immer vor dir. Es lastet schwer auf dir, steckt dir in den Knochen, macht dich krankt.
Das fühlt sich schon wie Strafe an. Ist aber nur gerecht, weil andere wegen dir auch leiden müssen.
Die anderen habe dich schon mit Recht verdammt, ausgestoßen, weggestoßen.
Möge Gott aber nicht mehr so genau hinsehen, im Gegenteil, möge es Gott irgendwie wieder gut machen. Du hast deine Schuld erkannt und willst so nicht mehr weitermachen.
Aber schaffst du es auch, ein anderer Mensch zu werden, das Schädliche künftig ein für alle Mal wirklich sein zu lassen, nicht mehr rückfällig zu werden? Du bist dir selbst nicht sicher. Deshalb deine Bitte: Hilf mir, einen neuen Weg zu gehen, begleite mich und gib mir einen neuen, zuverlässigen Willen, es künftig gut, zumindest besser, zu machen.

Sei mir gnädig. Amazing grace.

Wer kann so beten? Der sich traut, sich Gott anzuvertrauen mit dem, was daneben ging.  
Wer kann so beten? Der andere Menschen kennt, die Verständnis aufbringen, die gnädige Stellvertreter*innen Gottes auf Erden.  
Immer wieder finden wir Aussagen in der Bibel, die sagen: Schuldig werden gehört zum Menschsein dazu.

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Johannes 8,7)
„Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge und nimmt nicht wahr den Balken in deinem Auge“.  
(Matthäus 7,3)
„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“.
(1. Joh, 1,8).
„Niemand ist gut als Gott allein“.
(Lukas 18,19).   

Schuldig werden gehört zum Menschsein dazu. Das mag für das Selbstbewusstsein kränkend klingen, ist aber wahr und bewahrt einen vor einem unmöglichen Selbstoptimierungswahn ein perfekt guter Mensch sein zu wollen.

‚Der Mensch, ein Sünder‘ wurde aber auch immer wieder von der Kirche dazu benutzt, Menschen künstlich klein zu halten und unnötig seelisch zu drücken, um ihnen dann Erlösung anzubieten, zu manchen Zeiten sogar gegen Geld.
Das war, das ist ein seelischer, geistlicher Machtmissbrauch. Oft hat sich die Kirche in die Sexualmoral eingemischt, wo sie doch eher hätte gegen die Mächtigen die Kriegslust, Ausbeutung von Bauern, Fremden und ganzen Kontinenten als Sünde benennen müssen, um es zu verhindern, um sich so dem Wüten und dem Verderben entgegenzustellen. „Sünde! Lasst das Stehlen und Morden! Das ist nicht Gottes Wille.“        

Aufgabe der Religion und der Kirche darf nicht sein, Menschen generell Schuld und Sünde einzureden, sondern, wenn sich jemand verrannt hat, wieder herauszuhelfen, zurück zu helfen und ihn wieder mit Gott ins Gespräch zu bringen.
Amazing grace.

Sünde ist ein belasteter Begriff, weil er missbraucht wurde.
Und doch sollten wir neu darüber nachdenken. Sünde würde man heute mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit umschreiben. Sünde sind schwere Vergehen, die willentlich darauf abzielen, andere fertig zu machen, gar vernichten zu wollen.      

"Was ist in Gottes Augen Sünde?“
Wenn wir andere Menschen absichtsvoll schlecht reden und herabwürdigen und ihnen so Gewalt antun, erst mit hässlichen Worten, die dann zu hässlichen Taten werden können, wenn du also Hass verbreitest statt Liebe übst.
Es kann doch nicht gut sein, so viel Geld, Intelligenz und Arbeit in militärische Aufrüstung zu stecken, während Menschen erbärmlich hungern, dürsten, leiden.   
"Was ist in Gottes Augen Sünde?“
Wenn wir ein Leben führen, das darauf aufgebaut ist, Menschen, Tiere, Natur und Bodenschätze auszubeuten.
Wir wissen, was wir auf der Erde für einen Schaden anrichten, wir sollten es als Sünde erkennen, um zur Besinnung zu kommen, um davon weg zu kommen, um einen neuen Geist zu erbitten, der Leben und Gottes Mitgeschöpfe in seiner Vielfalt viel lieber erhält statt es zu vernichten.
"Was ist in Gottes Augen Sünde?“
Wenn wir uns nicht immer wieder auch fragen: ‚Was will Gott von mir?‘ „Was würde es dem Menschen helfen, wenn der die ganze Welt gewinnen würde und würde doch Schaden an seiner Seele nehmen?“ (Matthäus 16, 26).
Was nützt Erfolg und Gewinn und Vorwärtskommen, wenn man sich dabei verkauft?
Sünde ist, wenn der Mensch den Bezug zu sich und seiner Seele, dem Göttlichem in sich, vernachlässigt und sich dazu überreden und hinreißen lässt, etwas zu tun, von dem er weiß, dass es Schaden anrichtet und nicht gut tut, nicht sich selbst und auch nicht anderen.   
Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Immer wieder. Bitte.