Schaffet Paradiese und lade Fremde ein. Schweiß ist der Duft der Zukunft. Predigt-Slam zum Reformationstag 2020.

Der Predigt-Slam zum Reformationstag am 31.10.2020.

"Die reichsten zehn Prozent (630 Millionen) der Weltbevölkerung sind für mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich gewesen in der Zeit zwischen 1990 und 2015, berichtete die Entwicklungsorganisation Oxfam. Das reichste Prozent (63 Millionen) allein habe 15 Prozent CO2 verbraucht, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung nur für sieben Prozent verantwortlich gewesen sei."
Diese Meldung in der Tagesschau am 21. September 2020 hat mich zu folgendem Predigt-Slam für den Reformationstag heute bewegt mit dem Thema:

Zu(m) Wort kommen.

Im Anfang war das Wort
Und das Wort war bei Gott
Und Gott war das Wort.
Und er sprach: Es werde
Himmel und Erde
und immer, immer wieder Friede und Gerechtigkeit

Gottes Wort, das Großes, Gutes, Schönes schafft.  

Bestimmen Gottes seelenvolle Worte
auch meine, deine Worte und Gedanken,
die zu Taten werden?
Gottes Worte kommen nicht
im Geschwätz der Welt
zur Welt,
zu mir, zu dir, in uns.

Gott spricht:
Schont die Umwelt,
bewahrt die Erde gut und schön,
die ich für euch geschaffen, gut und schön,
so einzigartig in dem großen Weltenall.

Fahrt fröhlich Fahrrad, soviel euch möglich ist.
Schweiß ist der Duft der Zukunft.  

Entfliehet nicht, wenn’s wieder sorglos möglich ist,
in ferne, letzte Paradiese,
hochglänzig angepriesen, instagram gepostet,
wo ihr euch fühlen dürft
als Herren und auch Damen,
umsorgt von Knechten in den Küchen,
von Mach-mal-Sauber-Zimmermädchen,
auf den Luxus-Schiffen unten eingepfercht.

Schafft Paradiese, wo ihr lebt,
wenn ihr Geld noch übrig habt
und nicht wisst, wohin damit.
Kauft, kauf, kauft
totes, braches Land
und tragt den alten Beton raus.
Lasst darin Blumen blühen.
Lebensräume voller Leben.
für hierzuland
-    durch dich und mich, durch uns -
bedrohte und bedrängte Tiere und auch Pflanzen.
Machet! Schaffet!

Und wenn ihr dann zufrieden sagen könnt:
„Das ist so wunderbar und seelenvoll,
was ich geschaffen!“,
dann baut einen schönen, großen Tisch
in das Paradies hinein
und ladet Leute ein,
mit denen ihr ansonsten
bisher nichts zu tun haben wolltet -
„nicht unsere unsre Schicht, nicht unsre Klasse“  
und bewirtet sie,
als wären sie ganz arg wichtig
und auch reiche Leute,
von denen ihr zu gewinnen hofft
ein gewißlich gut‘s Geschäft.

„Wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid,
was tut ihr da Besonderes?
Tun nicht dasselbe auch die Heiden?“,
fragte, lehrte Jesus einst am Berg in Galiläa,
und heute noch am Wartberg in Heilbronn.
Sucht die Fremden nicht nur im fremden Landen,
5,6,7-Sterne weich gebettet.
Sucht die euch noch fremden Mitgeschöpfe
auch hier im Lande.
Höret ihnen zu und lasst sie sprechen
 
von der Armut und der Scham darüber,
von der Sorge um die Zukunft,
und dem Hass, der sie zermürbt und hässlich macht,
und dem Gefühl, nicht dazu zugehören,
und dem Ärger, dass die einen
viel weniger haben als genug
und in diesen Zeiten noch mehr darben müssen
und die andern viel, viel mehr haben als genug,
nicht immer nur geschafft,
sondern einfach nur ererbt,
und dabei auch noch sagen:
‚Das ist doch nur gerecht! Lasst es gefälligst so!‘.

Erzählt an dem großen Gartentisch,
was euch im Herzen motiviert und treibt,
und bewirtet sie
mit feudalen Köstlichkeiten,
so dass sie sich behaglich fühlen, angenommen,
unvermutet ganz geachtet und geschätzt
von denen, über die sie sagen:
Sie wollen mit uns nichts zu tun
und nichts zu schaffen haben
und denken nur daran,
wie aus Geld
legal, halblegal und illegal,
nur noch mehr Geld entstehen kann,
um sich dann noch besser abzuheben
und Brosamen von ihren Tischen fallen lassen.

Ein vergnügtes Essen in dem Paradies,
so ganz anders, so ganz selten – noch,
wo nicht nur ein kleiner Garten Eden wächst,
sondern auch ein wunderbarer Seelenfriede,
da jedes Wort
ganz tief bewegt und wandelt
Fühlen, Wünschen, Streben, Denken.

Wenn ihr dort dann,
nach dem Espresso aus den feinen Tässchen,
miteinander plaudernd schlendert, wandelt
und jeder Schritt neben - auch ein Schritt zueinander wird,
lasst es heiter und vergnüglich sein,
redet, sprecht, schwätzt
ganz liebevoll und ehrlich,
mit Verstand verständnisvoll
aus dem Herzen und der Seele -
so von Mensch zu Mensch,
und lasset so die Worte Gottes,
in euch und bei euch und durch euch
zur Welt kommen, gut und schön,
auf das Friede und Gerechtigkeit werde und wachse.

Bleiben Sie ein guter Mensch.