Religionen dienen dem Frieden.Ein Traum?

Das Lied zum Sonntag: Wir wünschen Frieden aller Welt.

Die Predigt zum Mithören (auf youtube hinterlegt).

Die Predigt zum Nachhören.

Vierte Predigt zur Enzyklika des Papstes

"Fratelli tutti - über die Geschwisterlichekeit undide sozilae Freundschaft.

DIE RELIGIONEN IM DIENST AN DER GESCHWISTERLICHKEIT IN DER WELT

für Sonntag, 14.3.2021


Stell dir vor, es gäbe keine Länder,
es gäbe nichts, wofür man töten oder sterben müsste,
und auch keine Religion.
Stell dir vor, alle Leute lebten ihr Leben in Frieden.

Du kannst sagen, ich wäre ein Träumer,
aber ich bin nicht der einzige.
Ich hoffe, eines Tages wirst du dich uns anschließen,
und dann wird die Welt eins sein.

Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz mehr.
Kannst du das? - versuche es doch mal!
Kein Grund mehr für Gier oder Hunger -
eine Menschheit in Brüderlichkeit.

Stell dir vor, alle Menschen teilten sich diese Welt.

Stell‘s dir doch mal vor. Imagine, so sang einst John Lennon.

Länder, Grenzen, Religionen, Besitz sein lassen, damit nichts mehr da, was Menschen trennt und entzweit.

Was leisten Religionen für ein friedliches, weltweites Miteinander? In meiner nunmehr 4. Predigt über das Lehrschreiben von Papst Franziskus „Fratelli tutti – Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ geht es jetzt um das Kapitel:

Die Religionen im Dienst an der Geschwisterlichkeit in der Welt.

Wie John hat auch Franziskus einen Traum und verkündet:
„Zwischen den Religionen ist ein Weg des Friedens möglich. Der Ausgangspunkt muss der Blick Gottes sein. Denn Gott schaut nicht mit den Augen, Gott schaut mit dem Herzen. Und Gottes Liebe ist für jeden Menschen gleich, unabhängig von seiner Religion. Und wenn er Atheist ist, ist es die gleiche Liebe. Wenn der jüngste Tag kommt und es genug Licht auf der Erde gibt, um die Dinge so zu sehen, wie sie sind, werden wir viele Überraschungen erleben!“ [278].

Und als der Papst vor zwei Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit einem bedeutsamen, anerkannten Gelehrten des sunnitischen Islam, mit Großimam Ahmad Al-Tayyeb, zusammen kam, sagten beide: "Der Glaube lässt den Gläubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterstützt und liebt. Aus dem Glauben an Gott, der das Universum, die Geschöpfe und alle Menschen – aufgrund  seines Erbarmens – mit gleicher Würde erschaffen hat, ist der Gläubige gerufen, diese menschliche Brüderlichkeit zum Ausdruck zu bringen, indem er die Schöpfung und das ganze Universum bewahrt und jeden Menschen unterstützt, besonders die am meisten Bedürftigen und die Ärmsten ….Wir – die wir an Gott und an die endgültige Begegnung mit ihm und an sein Gericht glauben – verlangen ausgehend von unserer religiösen und moralischen Verantwortung von uns selbst und den leitenden Persönlichkeiten in der Welt, von den Architekten der internationalen Politik und der globalen Wirtschaft, ein ernsthaftes Engagement zur Verbreitung einer Kultur der Toleranz, des Zusammenlebens und des Friedens; ein schnellstmögliches Eingreifen, um das Vergießen von unschuldigem Blut zu stoppen und Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung und dem kulturellen und moralischen Niedergang, den die Welt derzeit erlebt, ein Ende zu setzen.

Wir rufen die Intellektuellen, die Philosophen, die Vertreter der Religionen, die Künstler, die Medienleute und die Kulturschaffenden in der ganzen Welt auf, die Werte des Friedens, der Gerechtigkeit, des Guten, der Schönheit, der menschlichen Brüderlichkeit und des gemeinsamen Zusammenlebens wiederzuentdecken, um die Bedeutung dieser Werte als Rettungsanker für alle deutlich zu machen und sie möglichst überall zu verbreiten“.

Religionen im Dienst an der Geschwisterlichkeit in der Welt. Schön.  

Aber Religionen haben nicht nur Friedenspotential, sondern auch Gewaltpotential. Der Hang zu Rechtgläubigkeit und Überheblichkeit  steckt in den Religionen drin, auch weil sie meinen, dass ihre Lehren von Gott gegeben absolut seien, ein für alle mal festgehalten in den Heiligen Schriften, die für unantastbar gelten, die Woche für Woche rezitiert werden.
Religionen und Konfessionen haben sich im Lauf der Geschichte voneinander geschieden, oft gewaltsam, haben sich verletzt, beleidigt. Wenn sie groß geworden sind, wurden sie Teil des Herrschaftswesens, wurden gebraucht, um Könige und Herrscher von Gottes Gnaden zu legitimieren, wurden benutzt, um gegen andere, Andersgläubige, Falschgläubige in Kriege ziehen zu können, haben es gewähren lassen oder gar mitgemacht, Vorteile daraus gezogen, zu wenig widersprochen. „Gott mit uns“ gehörte oft auch zum Schlachtruf bei Kriegs- und Eroberungszügen.  

Obwohl es doch zum Beispiel in der Bergpredigt heißt: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“. (Matthäusevangelium 5)
Und Paulus mahnt: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist‘s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen, dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. (Brief an die Römer 12).

Und Gottessprecher, Propheten, verkündeten und mahnten und forderten: „Und Gott wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“. (Jesaja 2,4)
Aber Herrscher, Nationen, Völker haben Waffentechnik andauernd weiterentwickelt - immer grausamer und durchschlagskräftiger - bis heute und sie werden es wohl auch in Zukunft tun. Sünde.
Warum, wie sehr lassen Religionen und die geistlichen Führer dies geschehen - und werden mitschuldig? Und werden mitschuldig!
Es bräuchte mehr Mut. Ich bräuchte mehr Mut zum Widerspruch.

Der Papst war ja vor ein paar Tagen im geschundenen Irak, in dem die Männer des „Islamischen Staates“ gewütet, zerstört, versklavt, vertrieben und gemordet haben, dort hat sich der Papst auch mit einem hohen islamisch-schiitischen Geistlichen getroffen, Ayatollah Sistani, über den im Vatikan gesagt wird, er habe großen Respekt vor Glaubenden anderer Religionen. Beiden, Papst Franziskus und Ayatollah Sitani, gehe es um die gesamte Menschheit und darum, dass jeder Mensch als solcher respektiert und geliebt werden sollte. In seinen Büchern lade der Ayatollah alle dazu ein, einander Geschwister zu sein. Sich selbst nennt er einen Knecht der Schiiten, der Sunniten, der Kurden und der Christen.

Man merkt, der Papst will mit seinen Kontakten Brücken bauen, verbinden, religiös motivierte Gewalt eindämmen; und in der Tat, seine Treffen und seine Worte wirken inspirierend.
 
In seinem Lehrschreiben von der Geschwisterlichkeit und der sozialen Freundschaft  bezieht sich der Papst auf das schon erwähnte  „brüderliches Treffen mit dem Großimam Ahmad Al-Tayyib, in dem die beiden mit „Festigkeit erklärten, dass die Religionen niemals zum Krieg aufwiegeln und keine Gefühle des Hasses, der Feindseligkeit, des Extremismus wecken und auch nicht zur Gewalt oder zum Blutvergießen auffordern. Diese Verhängnisse sind Frucht der Abweichung von den religiösen Lehren, der politischen Nutzung der Religionen und auch der Interpretationen von Gruppen von religiösen Verantwortungsträgern, die in gewissen Geschichtsepochen den Einfluss des religiösen Empfindens auf die Herzen der Menschen missbraucht haben […]. Denn Gott, der Allmächtige, hat es nicht nötig, von jemandem verteidigt zu werden; und er will auch nicht, dass sein Name benutzt wird, um die Menschen zu terrorisieren«.

Wer aber kann genau sagen, wann Religionen missbraucht wurden und wann Religionen und geistliche Führer, es sind ja fast immer Männer, Missbrauch getrieben haben?

„Als Gläubige sind wir herausgefordert, zu unseren Quellen zurückzukehren, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Anbetung Gottes und die Nächstenliebe, damit nicht einige Aspekte unserer Lehren, aus dem Zusammenhang gerissen, am Ende Formen der Verachtung, des Hasses, der Fremdenfeindlichkeit und der Ablehnung des anderen fördern“. 282.

Ja, so soll, so sollte es sein.

Ich denke aber, um zu einem tieferen Vertrauen zu kommen, gilt es nicht nur, sich eine friedlichere, geschwisterliche Zukunft zu erhoffen und zu erträumen und anzustreben, sondern sich auch schmerzlich der eigenen Gewaltgeschichten zu stellen, sich das eigene Gewaltpotential immer wieder bewusst zu machen, zu erkennen und zu benennen, wo und wie Religionsführer tatsächlich versagt haben, Gewalt nicht nur hingenommen, sondern auch legitimiert oder gar mit bösartigen Worten ausgeübt und angefacht haben, die zu bösartigen Taten angewachsen sind.

Um zu mehr Geschwisterlichkeit zu kommen, müsste man auch auf den anderen zugehen und fragen: ‚Wann, wo, wie habe ich, haben wir dich, verletzt und euch Gewalt angetan?‘ Und dann: aufmerksam zuhören, mitleiden, an sich selbst zweifeln.
In der Bergpredigt sagt Jesus: »Ihr sollt andere nicht verurteilen, damit Gott euch nicht verurteilt. Denn das Urteil, das ihr fällt, wird euch treffen.
Und der Maßstab, den ihr an andere anlegt, wird auch für euch gelten. Du siehst den Splitter im Auge deines Gegenübers. Bemerkst du nicht den Balken in deinem eigenen Auge? Wie kannst du zu deinem Gegenüber sagen: ›Komm her! Ich zieh dir den Splitter aus deinem Auge.‹ Sieh doch: In deinem Auge ist ein Balken! Du Scheinheiliger! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge! Dann hast du den Blick frei, um den Splitter aus dem Auge deines Gegenübers zu ziehen“
(Matthäus 7, 1-5)
Was suchst Du Schuld vor allem, immer nur, beim anderen, stelle dich deiner Schuld - auch das notwendige, schmerzhafte Schritte zu mehr Geschwisterlichkeit in der Welt.
Ob wir aber dazu bereit und fähig sind?