Die Predigt zum Anhören.

Die Predigt zum Hören auf youtube.

"Einsamkeit und Nähe", ein Thema, das mir gegeben wurde, darüber zu predigen.

„Hey Du, ich bin einsam“,
Hey, hey, Hey du, ich brauch jemanden Zum Reden, der mich rausholt aus dem Käfig meiner immer schlimmer werdenden Gedanken“.
„Hey du ich bin einsam. Es fühlt sich schon lange nicht mehr gut an“.

Wäre doch gut, so auf sich aufmerksam zu machen. Der erste Schritt heraus wäre getan.
Traut man sich aber nicht. Warum?
Weil du niemand belästigen willst?
Weil du versagt hast, gut drauf zu sein?
Weil man so nicht mit den Leuten spricht?


Hey du, ich bin einsam.

In diesen Zeit ist vieles anders, muss vieles anders werden -auch der Umgang miteinander. „Hey du, ich bin einsam“. Dieser Satz sollte einfach zum Gesprächsrepertoire gehören, ohne ungehörig und lästig zu klingen.
So wie man klagt über allerhand Wehwechen in den Knochen und Gelenken, so selbstverständlich sollt man auch übe Einsamkeit klagen dürfen. Muss man sich das erst noch angewöhnen in diesen Zeiten?
Muss man sich auch erst noch angewöhnen so zu fragen: „Hey du, bist du einsam?“, um es dem Gegenüber leichter zu machen, darüber zu reden?    
 
In diesen Zeiten, wo man sich zurückziehen soll, nicht einfach mal beim Bierchen mit Freunden, beim Kaffeeklatsch, beim Sporteln im Verein sich ausquatschen und von der Seele reden kann, bleibt man mit seinen Sorgen eher für sich:
Wie geht’s weiter?
Wann sind wir durch?
Homeoffice geht an die Nerven, weiß nicht mehr so recht, wie‘s um die Firma steht.
Eltern sind nicht nur Versorger, sondern den Kleinen auch Hilfslehrer rund um die Uhr.  
Und wenn‘s an die Existenz geht, dreht sich alles im Kopf, am Tag und in der Nacht. Was kann ich unternehmen?
Alte Menschen ohne Internet und Whatsapp sind nicht drin, können keine Bildchen geschickt bekommen, keine Nachrichten: Hallo, Oma, Hallo Opa, wie geht’s?

Und das schon immer da Gewesene kommt dazu:  
Wenn du verlassen wirst, durch den Tod oder eine Scheidung.
In der Firma oder der Schule gemobbt und ausgeschlossen und wehrlos angegriffen wirst,
du fremd bist - in einem anonymen Mehrparteienhaus, einer Stadt, einem Land und kaum jemanden kennst, niemand da ist, auf den du dich verlassen und den du um Rat und Hilfe bitten kannst.  
Wer schuldig geworden ist, warum auch immer, zieht sich zurück, meidet Kontakte.
Einsamkeit auch schon vor Corona.
 
Aber im Inneren ein Flehen, davon erlöst und befreit zu werden.
Alte Gebetsworte der Seele in den Psalmen der Bibel:

Sei mir gnädig, denn ich bin schwach.
Heile mich, denn meine Gebeine sind erschrocken und meine Seele ist erschrocken.
Ach, wie lange noch.  (Psalm 6)

Wie lange willst Du mich so ganz vergessen?
Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich.
Schaue doch und erhöre mich.
(Psalm 13)

Des Tages rufe ich, doch du antwortest nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. (Psalm 22)

Sieh an den Jammer und mein Elend
und vergibt mir alle meine Sünden.
Bewahre meine Seele und errette mich.
 (Psalm 25)

Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.
 (Psalm 31)

Ich bin wie taub und höre nicht,
und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut.
Verlaß mich nicht, sei nicht ferne. (Psalm 38)

Hilf mir.
Ich bin in tiefe Wasser geraten.
Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser
meine Augen sind trübe geworden.
Erhöre mich
(Psalm 69).

Einsamkeit und Angst  - warum auch immer - gehören leider zum Menschsein.

Hey du, ich bin einsam. Bist du auch einsam? Ja, dann könnten wir uns ja zusammentun. Dann wären wir ja gemeinsam einsam und dann gemeinsam weniger einsam.  

Eine Frau aus Erlenbach hatte dazu eine Idee:  Eine Telefonkontaktbörse. Wer mal einen anderen Menschen aus dem Ort kennenlernen mag, gibt mir seine Telefonnummer mit der Bereitschaft, dass ich diese Telefonnummer weitergeben darf an eine andere Person, die gerne auch mal jemanden anderes auf diese Art und Weise kennenlernen mag. Was dann daraus wird, worüber sich die beiden unterhalten und was sich anvertrauen wollen, bestimmen die beiden dann – gemeinsam.

Hey Du.

Bei diesem Thema ist mir bewusst geworden, dass in einem Evangelium ein Programm gegen Einsamkeit verfasst wurde: fast schon einen Pflichtprogramm: „Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.  Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen“.
Die Worte kann man auch im übertragenen Sinne verstehen:
Mich hungert und dürstet nach Kontakten.
Ich brauche was, was mich umhüllt und wärmt und schützt.
Die Seele krankt, fühlt sich einsam und verlassen.
Ich bin in meiner trübsinnigen Gedankenwelt gefangen.

Hey Du, ich bin einsam! Trau dich doch, das zu sagen.
Hey Du, bist Du einsam? Trau dich doch, das zu fragen.