Grund-Sätze

Grund-Sätze. Die Predigt im Film. (Das Video ist bei youtube hinterlegt.)

Jeder Mensch hat und braucht einen Grund-Satz, auf den man sein Leben aufbaut.

Selten denken wir grundsätzlich über unseren Lebens-Grund-Satz nach.

Wollte ich Sie fragen, wie Ihr Lebensgrundsatz lautet,

Sie würden ihn vermutlich nicht auf Anhieb benennen können.

Er bildet sich im Lauf des Lebens heraus.

Man hört und liest gute Worte und sagt sich: 'das ist es!'

und diese Worte wirken dann in einem weiter.

Oder man bekommt einen Spruch bei der Konfirmation

oder der Trauung mit auf den Weg, der einen nicht mehr losläßt.

Wonach richtest du dein Leben aus?

Was ist für dich erstrebenswert?

Was soll dein Schaffen bestimmen im Alltäglichen, in der Familie, bei der Arbeit, im Freundeskreis?

Wir haben und wir spielen zwar verschiedene Rollen, aber wir sind eine Person mit einer Seele.

Du magst einen Grundsatz haben, den du gerne ausleben willst,

aber da sind auch andere Kräfte in dir am Werk, die dich daran hindern:

das Bedürfnis nach Anerkennung und Erfolg,

das Gehabe und Getue und die Werte im Freundes- und Bekanntenkreis,

zu dem du dazugehören willst,

Erwartungen und Ansprüche der Partnerin, des Partners,

die Prägung und Erziehung von den Eltern,

und natürlich die wirtschaftliche und soziale Lage,

aus der du herauskommst, in der du lebst.

 

Vieles im Leben ist erst einmal so, wie es ist, wie es geworden ist,

ohne dass wir großartig etwas dafür können.

Und dennoch fragen wir uns immer wieder:

Wer bin ich? Was will ich mit meinem Leben anfangen und erreichen?

Jugendliche sind besonders auf der Suche nach Selbstfindung,

suchen und finden Freunde - echte und falsche;

suchen und finden eine Schule und Ausbildung -

mal passt es gut, mal merkt man, dass es das doch nicht war;

suchen und finden verliebt eine andere Person und erkennen im Lauf der Zeit,

ob’s gut miteinander läuft oder eher problematisch ist;

suchen und finden einen Beruf und Kollegen und merken dann:

'Kann ich ganz gut damit leben' oder schleppen sich nur widerwillig hin.

Bis man so seinen Weg gefunden hat, dauert ’s.

Man macht so seine Erfahrungen und hat so seine guten

und schlechten Zeiten.

Aus und in den schlechten Erfahrungen und Zeiten

lernen wir aber am meisten.

Da spüren und wissen wir: 'Das tut mir nicht gut. So nicht.

Das sollte ich lieber sein lassen'.

Wohl dem, der aus Fehlern lernt, der frühzeitig erkennt,

was ihm gut tut und was ihm schlecht bekommt.

Wer über längere Zeit hinweg widerwillig und verkehrt lebt,

wird krank, seelisch und dann auch körperlich.

Widerwillig lebt doch der,

der zwar für sich einen Grundsatz im Leben gefunden hat,

diesen aber nicht leben kann, weil er sich von fremden Gedanken

und Ansprüchen leiten und verleiten lässt, die nicht die seinen sind

und sich dann furchtsam fremdbestimmen lässt.

 

Springen wir jetzt ins Politische, nach Belarus,

wo jetzt ein Volk sich erhebt gegen den Diktator im Land,

der wohl die Wahl gefälscht und verloren hat,

nicht von der politischen Bühne abtreten will

und sich mit Gewalt an die Macht klammert.

Die Leute sagen sich nun: 'Wir wollen nicht mehr

mit Lug und Betrug weiterleben, haben lange es erduldet,

nun reicht’s aber. Es ist genug!'

Sie ertragen ’s nicht mehr und wollen frei sein.

Sie haben zwar Angst davor, eingesperrt und gequält zu werden,

aber sie machen sich frei davon und finden den Mut,

auf die Straßen hinauszugehenund zu protestieren.

Der Leidensdruck und der Freiheitswille ist groß, ist zu groß geworden,

als dass sie sich weiter bevormunden lassen wollen.

Lange haben siedie Fremdherrschaft im eigenen Land ertragen,

es hingenommen, sich irgendwie zurechtgeredet

oder runtergeschluckt mit Wodka. Aber nun soll Schluss damit sein.

Ob’s gelingt? Ob ihre Kraft und der Mut

groß genug sein werden, ihren Grundsatz zu erwirken?

Der Grundsatz: 'Wir wollen über uns selbst bestimmen'?

Ob die fremden und gewaltsamen Mächte vielleicht doch stärker sein werden?

 

Springen wir wieder zurück aus dem Politischen ins Persönliche.

So kann es auch in einem selbst zugehen.

Wenn man ‘s nicht mehr in sich und mit sich erträgt,

wenn man sich zu sehr von seinem Lebensgrundsatz entfernt und verraten hat.

Dann die Rebellion?

Hat man dann aber eher Angst vor Veränderung

oder doch den Mut zur Veränderung?

Der Gart ist schmal.

Wir sind in diese Welt hinein geboren, wir sind zur Welt gekommen -

mit einer Bestimmung, mit einer Aufgabe?

Wollen und sollen wir in besonderer Weise hier auf Erden wirken

und etwas mit unseren je eigenen Begabungen bewirken

oder willst du deine Erdentage möglichst spaßvoll hinter dich bringen?

Ist es unsere Aufgabe,

einen guten, einen heiligen Grundsatz zu suchen,

zu finden und dann auch zu verwirklichen im Laufe des Lebens?

„Ja, dafür bin ich da. Dafür bin ich zur Welt gekommen.

Das hat für mich einen Sinn. Das macht mich wertvoll“.

 

Werden wir vom Schöpfer gefragt:

'Was hast du mit Deinem Leben angefangen?'

Müssen wir uns vor Gott verantworten, eines Tages

oder sogar Tag für Tag?

Wer sich vor Gott verantwortlich weiß, kann nicht belanglos

und schwach sinnig vor sich hinleben,

sondern wird Tiefe suchen wird einen, wird

seinen Grundsatz suchen und zu leben versuchen.

Wer sich vor Gott verantwortlich weiß, lebt befreiter

von den Ansprüchen der anderen.

Die heilige Stimme in sich, die Stimme Gottes,

sie verpflichtet zu Glaube, Liebe, Hoffnung,

zum Mitwirken an Frieden, Gerechtigkeit

und der Bewahrung der Schöpfung.

Im Vaterunser beten wir:

'Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden'

Wir sind wohl verpflichtet, daran mitzuwirken.

'Kümmert euch um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit',

so hören wir Jesus in der Bergpredigt sagen.

Und Paulus mahnt in einem Brief an die Gemeinde in Korinth,

bei aller Verschiedenheit, sich immer wieder

auf Jesus Christus zu besinnen, auf seine Worte zu achten,

auf sein Wirken und Leben zu achten.

Und ein jeder, der sich zur Gemeinde zählt,

ist ein Teil der Kirche, ist ein Teil der Gemeinschaft

und hat die Aufgabe, sich mit seinem guten Grundsatz einzubringen.

Jede und jeder ist ein Tempel Gottes.

Kirche wird nicht gebaut aus kalten Steinen, sondern aus warmen Herzen.

Hören wir auf diesen Briefabschnitt von Paulus an die Korinther:

"Wir sind also Gottes Mitarbeiter.

Aber ihr seid Gottes Ackerland -

oder besser: Gottes Bauwerk.

Weil Gott mich in seiner Gnade dazu befähigt hat,

konnte ich als weiser Bauleiter das Fundament legen.

Jetzt baut ein anderer darauf weiter.

Niemand kann ein anderes Fundament legen

als das, das schon gelegt ist. Und das ist Jesus Christus.

Es spielt keine Rolle, womit auf dem Fundament

weitergebaut wird:

mit Gold, Silber oder Edelsteinen, Holz, Heu oder Stroh. …

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid

und der Geist Gottes in eurer Mitte wohnt?"

(1.Kor 3)