Glück braucht Mut, das zu tun, was wichtig ist.

Glück braucht Mut. Das Predigtvideo (auf youtube hinterlegt).

Die Predigt - mit Musik von Rainer Siebel - zum Hören.

"Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe gute Mut" (EG 324).

Predigt zum Sonntag, 16. Mai 2021

Glück braucht Mut, das zu tun, was wichtig ist.

Eine gutherzige, fromme Frau machte mich bei einem Besuch auf einen Artikel aufmerksam, der mit eben diesen Worten endete: Glück braucht Mut, das zu tun, was wichtig ist.
Das hat mich nachdenklich gemacht.

Glück nicht ein Lebensgefühl, das man anstrebt und dann versucht festzuhalten, wenn es da ist. Glück kann man auch nicht kaufen.

Man muss tun, machen, sich bewegen. Nicht verharren im ‚Man sollte eigentlich, ich würde schon gerne ….'
Das klingt nach Zwängen, in denen du meinst, gefangen und  gehalten zu sein, die so beherrschend zu sein scheinen, dass du da nicht raus kannst oder womöglich auch gar nicht raus willst?
'Ich würde schon ganz gerne!' Wenn du überlegst, wann und wo du so denkst für dich allein oder in Gesprächen mit anderen, mach dir bewusst, was dich hindert und behindert, das eigentlich Wichtige im Leben zu tun. Fehlt dir Mut? Lieber leiden und sich weiterhin im sicheren Gewohnten bewegen?
‚Aber eigentlich würde ich schon gerne! Das wäre mein eigentlicher Wunsch. Das lebt schon lange in mir!‘

Es sich zu versagen, lässt dich frustriert zurückblicken auf die Momente und Tage und Zeiten, in denen du dir das Verlangen unterdrückt und klein gehalten hast. Du könntest im Rückblick auf dein Leben sagen: 'Ich habe nicht mein Leben gelebt, sondern, das, was andere von mir erwartet haben, was man gewöhnlicherweise und normalerweise so macht und tut, aber im Grunde genommen, nicht meins war.'

Den KonfirmandInnen und Konfirmanden habe ich ein Psalmwort gegeben:
„Erforsche mich Gott und erkenne mein Herz.
Prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine und sieh, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege“ (Psam 139, 23.24)
Die jungen Leute sollen ihre Meinungen dazu niederschreiben und in einen Ordner legen, der dann von Person zu Person weitergegeben und nach und nach angereichert wird mit persönlichen Gedanken – bis zur beabsichtigten Konfirmation im September dieses Jahres.  Auch ich bin immer wieder an der Reihe und schreibe was dazu. Ich werde in dieser Runde diese Predigt hineingeben.
Die jungen Leute hören so in sich hinein und lesen, was andere und in der Gruppe dazu schreiben und meinen.

Ein Gespräch, ein inneres Gespräch, ein Gespräch ins Innere: Was lebt in mir wirklich? Was fühlt sich gut und richtig an? Was fühlt sich schlecht und verkehrt an? Traust du dich so zu fragen, das für dich zu beantworten?

Es birgt die Gefahr, was ändern zu müssen, was wagen zu müssen, sich entscheiden zu müssen.
Sich 'ent-scheiden' bedeutet ja, sich von was zu scheiden und zu trennen, sich von dem zu trennen, was dir nicht gut tut und sich dem zuzuwenden, was dich hoffentlich erfreut und du das Gefühl und die Gewissheit bekommst: ‚Das ist jetzt im Großen und Ganzen gut und richtig so‘.  
Es können große und weitreichende Entscheidungen sein, in denen man das halbe Leben umkrempelt.
Es können auch die kleinen, täglichen Entscheidungen sein, den inneren Schweinehund zu überwinden, der einem säuselt: ‚Ach komm lass es! Mach dir nicht die Mühe, mach‘s dir bequem, sei lieber still, tu‘s dir nicht an. Was werden die Leute dazu sagen.‘ Aber dann doch zu widersprechen: 'Nein. Ich möchte und will und ich muss jetzt aber! Los jetzt, mein Freund'. Ein kleiner Tagessieg. Nur ein kleiner Tagessieg?
Aus vielen kleinen Tagessiegen – oder Tagesniederlagen - entsteht unser Leben: Augenblick um Augenblick, Stunde um Stunde, Tag um Tag.

Glück braucht Mut, das zu tun, was wichtig ist.
Glück - weniger ein Streben nach einem entzückenden Gefühl, sondern das Streben, Wichtiges und Bedeutsames im Leben zu tun, zu unternehmen - was auch immer das für einen selbst, ganz eigen, ganz eigentlich ist.  
Im Tun von Wichtigem, das auch mühselig sein kann, sogar mühselig sein muss .....

– welch schönes Wort „mühselig“: wer sich anstrengt und sich einer wichtigen Sache hingibt und dafür schafft und schwitzt, erlangt vergnügten Seelenfrieden –

.... also: Im Tun von Wichtigem, das auch mühselig sein kann , sogar mühselig sein muss, breitet sich dann das gute Gefühl aus, das Richtige zu tun, unabhängig und befreit davon, was andere, davon halten und dazu meinen.

„Die Seele ernährt sich von dem, woran sie sich freut“ (Augustin, 354 - 430), ein wichtiger, ein schöner Satz, eine göttliche Aufgabe und kluge Weisheit – von ersten bis zum letzten Tag.

Glück braucht Mut, das zu tun, was wichtig ist.