Gedenken zum Jahreswechel am 31.12.2020 zum Nachhören.

Die Predigt auf youtube.

Gedanken und Gebet am Jahresende, 31.12.2020

Begrüßung
Gnade sie mit euch und Friede. Herzlich willkommen zu diesem letzten Tag im Jahr. Lasst uns jetzt, am Jahreswechsel ein wenig zurückblicken und ausblicken.
Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag, Gott ist bei uns am Abend und Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag, war gerade zu hören.
Das große Thema im vergangenen Jahr: Das Virus und die Folgen und die Maßnahmen. Jede und jeder hat anders, für sich erlebt.
Von guten Mächten wunderbar geborgen - gewesen?
Was hat Gott mit dem Virus zu schaffen?
Wie sollen wir ‚das Geschehen‘ deuten, das uns gezwungen hat, ungewöhnlich zu handeln zu in den Krankenhäusern, den Altenheimen, den Geschäften, den Kindergärten, Schulen, Universitäten, den Konzerthallen, in der Politik, auf den Straßen, in den Vereinen und Kirchen.
Angesteckt, künstlich beatmet, runtergefahren, abgesagt, nicht mehr möglich, digital statt präsent, getestet: negativ? Positiv? verängstigt, vorsichtig, mal ganz entspannt, dankbar.  Was gilt? Gesundheit vor Freiheit?
 
Tagtäglich wurden und werden Zahlen veröffentlicht: Inzidenzwerte, Infizierte, Genesene, verstorben an und mit Corona.
Aber man kann nicht messen,
wie schön der himmelblaue Himmel ist ohne Kondensstreifen.
wie langweilig es den Kindern zu Hause war,
wie genervt die Leute sind, nicht mehr in die Ferne schweifen zu können,
was viele in der Heimat neu entdecken,
um wieviel gewalttätiger es in Familien zuging,
wie sehr manche Familien zusammen gewachsen sind.

Die einen hatten gute bezahlte Kurzarbeit, anderen ist das Einkommen weggeblieben. Immer wieder neue Regeln und Vorgaben von oben.
Was gilt‘s heute zu beachten?  
Staaten machen haufenweise Schulden. Wohlhabendere Menschen haben gelernt, mit weniger auszukommen, andere haben Selbstwert verloren, weil sie nur noch ein Grundeinkommen am Rand des Existenzminimums erhalten.
Ein ignoranter Präsident wurde abgewählt.
Weihnachten war wirklich mal ruhig und besinnlich. Heute Nacht können die Tiere ruhig schlafen und werden nicht vom Knallen aufgeschreckt, weil alle pünktlich um Acht zu Hause sein müssen.

Jeder kann noch Aspekte hinzufügen.

Hat das alles seinen Sinn?
Schicksal?
Ist irgendwie die Menschheit selbst schuld? Aber warum müssen dann die Erkrankten dafür leiden und büßen?
Was hat Gott damit zu schaffen, von dem wir sagen: Gott hört und sieht, ist zornig, barmherzig, gebietet, straft, tröstet, heilt, schafft, verbirgt sich, zeigt sich.
Was denkt, fühlt, macht Gott in dieser Zeit?
Muss das sein?
Fragen, die mir nun hochkommen, wenn ich mich und Gott nach dem Sinn frage und danach:
Wie sollen wir damit leben? Im kommenden Jahr.

„Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte“, ist der Leitgedanke für den Tag heute und die Losung für das kommende Jahr lautet: „Seid barherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist“.

„Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ Mit diesen Worten bat im April diesen Jahres ein Minister um Verständnis für schwierige, politische Entscheidungen in der Corona-Krise. Während einer Regierungsbefragung im Bundestag in Berlin erklärte der Politiker, man habe in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie „mit so vielen Unwägbarkeiten, die da sind, so tief gehende Entscheidungen treffen müssen“.

„Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen“.
„Seid barherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist“.

“Barmherzigkeit - eine gute Seelenhaltung am Ende des einen und am Beginn des anderen Jahres.  
 
Gebet
Gott, wir gehen aus diesem Jahr in ein neues Jahr, von dem wir nicht wissen, wie es wird. Wir müssen uns alle wieder und weiterhin anstrengen, halbwegs gut durch zu kommen.
Wir wollen hoffen, dass DU mit auf dem Weg bist.
DU wirst uns irgendwie hindurch lenken und leiten, wenn wir dich im Stillen um Rat fragen und um Wegweisung bitten: Jede und jeder für sich, denn wir alle müssen uns irgendwie verhalten, im Privaten und im Beruflichen. Wir müssen uns auch im kommenden Jahr wohl überlegt, sorgsam, verantwortungsvoll verhalten.
Wenn ich DICH suche, antwortest DU.
DU bist nahen denen, die zerbrochenen Herzens sind
und hilfst denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Erfreue mich mit DEINER Hilfe und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Vor dir bedenken wir das vergangene Jahr und vertrauen Dir unserer Gedanken und Hoffnungen für das kommende Jahr an. Sprich du in und zu uns, wenn wir zu dir beten in der Stille, miteinander und füreinander.


Predigt

2. Mose 13:
17 Als nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte sie Gott nicht den Weg durch das Land der Philister, der am nächsten war; denn Gott dachte, es könnte das Volk gereuen, wenn sie Kämpfe vor sich sähen, und sie könnten wieder nach Ägypten umkehren.
18 Darum ließ er das Volk einen Umweg machen, den Weg durch die Wüste zum Schilfmeer. Und die Israeliten zogen wohlgeordnet aus Ägyptenland.
20 So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.
21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Eine hoch auftürmende Wolke am Tag und ein Feuerwand in der Nacht, so führt Gott in der Geschichte die Israeliten aus der Bedrückung in Ägypten durch das Schilfmeer und durch die Wüste.
Ein für alle sichtbares Zeichen und Wegzeiger am Himmel.
Wo ist Gott auf dem Weg? Seht, da ist Gott bei Tag und in der Nacht.
Gott ist bei uns am Morgen und am Abend und ganz gewiss an jedem neuen Tag.  

Wo ist Gott heute?
Können wir ein sichtbares Zeichen erkennen, dass Gott da ist?
Seht, dass der Impfstoff da ist – ist das nicht ein Zeichen?
Seht, dass der Staat doch Schulden aufnimmt, um in der Krise vor ganz schlimmen Abstürzen zu bewahren – ist das nicht ein Zeichen?
Seht, dass sich mancherorts die Natur erholt – ist das nicht ein Zeichen?
Wohl kaum überzeugend und einleuchtend.
Das Bedürfnis ist da, den rechten und richtigen Weg gezeigt zu bekommen, einen Wegweiser zu sehen in dieser Zeit. Wo soll‘s lang gehen? Da geht’s lang!
Aber man tappt herum und versucht, mal dieses und mal jenes, mal wird’s besser, dann wieder schlimmer. Wie reagieren: Mit harten Einschränkungen, gemäßigt, oder gar nicht reagieren? - und immer wieder murrt das Volk.
Wo geht’s lang?

Und dann ist da auch die Frage: Hat das alles einen Sinn? Was soll uns das alles bedeuten?
Gute Zeiten sind zum Ruhen da, schlechte Zeiten sind zum Wachsen da – lautet eine Weisheit. Wachsen wir gerade? Wie werden wir erwachsener? Was sollen wir daraus lernen?    
Wieder mehr auf die Natur achten?
Regionaler denken, leben, reisen, kaufen?
Eine neue Kulturstufe erklimmen und nach dem Buchdruck, dem Radio und Fernsehen, uns nun in der Digitalisierung weiterbilden?
Sich wieder mehr auf sich selbst besinnnen, ohne soviel Reize und Verlockungen - hier hin, dorthin, ständig auf Achse, ständig auf Events und Festen unterwegs, schön abgelenkt und immer heiter du fröhlich? Nun mehr hören auf die Seele: Was brauche ich? Was will ich wirklich? Zeit, Muße und Not ins Gebet zu gehen: wieder mehr Gott zu suchen, in sich, im Miteinander, in der Schöpfung?

Hat die Natur, das Ökosystem, die Schöpfung, Mutter Erde eine Seele, die Böden, das Wasser, die Luft, all die Lebewesen, die miteinander und füreinander und voneinander leben? Wehrt sich gerade die lange und derb verletzte Natur-Seele?

Werden wir gerade aus dem Dünkel und der Arroganz gerissen, wir könnten das Leben auf der Erde ganz und gar bestimmen und gestalten und uns alles untertan machen. Wir beherrschen doch nicht alles. Aber vielleicht ja bald wieder und der „Krieg gegen das Virus“, wie manche ihre Strategie benennen, wird gewonnen und wir dürfen uns dann doch wieder darin wähnen, alles zu schaffen, wenn wir nur wollen.  

Deckt das Virus und wie wir damit umgehen, auf, was einerseits im Argen liegt und was andererseits selbstverständlich, zu selbstverständlich, gut gelingt? Gehen wir durch eine Zeit der Aufklärung?

Wir sehen systemrelevant sind nicht unbedingt die hochbezahlten Herren in feinem Zwirn, Schlips und Kragen, die sich gerne wichtig in Szene setzen, sondern die erschöpften und ermatteten und in Schutzanzügen verschwitzten PflegerInnen. Wenn sie für eine bessere Bezahlung und patientengerechtere Behandlung auf die Straßen gehen und dann müssen aber alle mit!
 
Für die Kirche denke ich, ist es gerade eine Zeit der Reformation, ohne dass einer um sein Leben fürchten muss, weil er neue Ideen einbringt: Die Kirchenleitung sagt: Macht! Seid kreativ! Reagiert irgendwie!

Oder ist das Ganze einfach nur dumm und blöd, ohne Sinn und Zweck? Möglichst schnell wieder zurück zur Normalität?

Was ist der Sinn von alle dem?

Wir können das Geschehen nicht klar und eindeutig deuten. Wir suchen nach einer Wolken- und Feuersäule, wo wir dann sagen können: Seht, da geht’s lang! Das ist der Weg!  

Eine Wolke ist nicht einfach da, sondern formiert sich nach und nach. Entsteht da schon eine Wolkensäule? Zeichnet sich schon eine Deutung, eine Wegweisung ab?
Ich meine schon etwas entdecken zu können, vielleicht auch nur entdecken zu wollen, wenn ich die Briefe der Kleinen und Großen in der Kirche wahrnehme und die vielen persönlichen Gespräche und öffentlichen Diskussionen:
Achtet auf den Planeten Erde und die Schöpfung. Kommt zur Besinnung.
Lasst euch nicht alles möglich einreden und unterjubeln. Nehmt eure eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahr und ernst.
Fangt wieder an, nach dem wahren Leben zu suchen.
Gesundheit, Freiheit, Vertrauen, Verantwortung, Wissenschaft werden gerade sehr bedeutsam.  
Wir müssen unser Leben miteinander gestalten und nicht den Kräften des Marktes überlassen.

Kaum einer, der nicht ins Nachdenken und Grübeln gekommen ist.
Aber, es ist noch nicht die Zeit reif für gültige und glaubhafte Antworten,
es ist Zeit zum Suchen,
es ist Zeit zum Spüren und Erkunden: Was fehlt? Was tut gut und ist notwendig?

Eine alte Frau sagte zu sich, zu ihren Kindern und Enkelkindern in den schlimmen, bedrohlichen Zeiten, wenn‘s schwer geworden ist, wenn das „Warum“ unbeantwortet geblieben ist, wenn sie mit ihrem Herrgott geschimpft hat, sich dann aber ergeben hat: „Er wird’s schon recht machen; er wird‘s schon wissen, warum“.
Das beruhig die Seele in Zeiten von Angst und Not. Das lässt zuversichtlich hinüber und hinausblicken über den augenblicklichen widerwärtigen Zustand, in dem auch Gutes und Heilsames verborgen liegt und aufzuleben beginnen mag.
Es wird schon für was gut sein. Gedanken, die wir auch heute in diesen Zeiten brauchen können. Es wird schon für was gut sein. „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet“.
„Er wird’s schon recht machen; er wird‘s schon wissen, warum“.

Ein anderer, Jochen Klepper, sagte unter wirklich ganz widrigen Umständen in der Nazi-Diktatur: „Manchmal denkt man, Gott müsste einem in allen Widerständen des Lebens ein sichtbares Zeichen geben, das einem hilft: Aber dies ist eben sein Zeichen: dass er einen durchhalten und es wagen und dulden lässt“.  
‚Nur‘ eine innere Wolken- und Feuersäule, eine Geisteshaltung, eine Glaubenshaltung. Nur?
In ein paar Jahren werden wir dann eher erkennen, warum das alles und wir werden im Rückblick sehen,  wie barmherzig und besonnen, wir durch diese Zeiten gegangen sind, jede und jeder einzelne für sich, wir als Gemeinde, als Kommune, die Bevölkerung Deutschlands und Europas und der Welt,
wie wird hindurchgegangen, hindurchgeleitet und geführt wurden.

Aber jetzt gilt noch:  

"Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag".
"Manchmal denkt man, Gott müsste einem in allen Widerständen des Lebens ein sichtbares Zeichen geben, das einem hilft: Aber dies ist eben sein Zeichen: dass er einen durchhalten und es wagen und dulden lässt“.  
 „Er wird’s schon recht machen; er wird‘s schon wissen, warum“.