Erkenne mich, mein Gott

Erkenne mich, mein Gott. Die Predigt zum Hören und Sehen (hinterlegt bei youtube).

Die Predigt nur zum Hören.

Das Lied zur Predigt 'Möge die Straße uns zusammenführen', gespielt von Rainer Siebel.

Lied zum Sonntag, 18. April 2021. "Möge die Straße uns zusammenführen ... Habe Kleidung und das täglich Brot. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand, aber nicht zu fest..." (bei youtube hinterlegt).

Predigt für Sonntag 18. April 2021

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege“.


Diese Worte aus Psalm 139 habe ich vor einer Woche zur Taufe einem kleinen Kind und seinen Eltern mit auf den Weg gegeben. Diese Worte beschäftigen mich seitdem selbst.

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege“.

Der Mensch, der so spricht und betet, gibt sein Inneres der Begutachtung Gottes hin, will nichts verbergen, nichts verheimlichen: Mach ich’s gut in deinen Augen, mach ich‘s recht? Habe ich ehrliche Gedanken? Bist DU, mein Schöpfer, zufrieden mit mir, so wie ich unterwegs bin in DEINER Welt?
Wenn nicht, dann hilf mir, was verkehrt und schädlich ist, was nicht gut tut, wieder sein zu lassen.

Es tut mir und anderen gut, mich besonders von DIR, mein Gott leiten zu lassen, bei all den Ansprüchen, die alle möglichen und unmöglichen Leute an einen herantragen.    

Wer ich bin, wer und was mich be-„stimmt“, hängt davon ab, welchen Stimmen ich folge, auf wen ich hören, zu wem du ge-hören will.
Wir hören den lieben langen Tag und unser ganzes Leben lang viele Stimmen: von Mutter und Vater, Tanten und Onkeln, Freundinnen, Lehrern, Reportern, Politikerinnen, Virologen, ÄrztInnen von Influenzerinnen, Bloggern, Vorgesetzen, Mitarbeiterinnen, Ehepartnern, Schriftstellern und Sängerinnen.
Seit es Handys gibt, kannst du immer und überall, mal anklicken und schauen und hören, was der oder die gerade schreibt und sagt und meint.
Aber die wirklich wichtigen Gedanken sind nicht da draußen, die bedeutsamen Gedanken sind dir, wenn du auf das hörst, was und wer in dir spricht.

Einfach nur mal auf der Bank sitzen oder rumliegen oder spazieren gehen und in sich hineinhören, zuhören, was da in dir abgeht, wer da in dir was zu sagen hat, wer was von dir fordert, wer dich tröstet und stärkt, wer dich aufregt, wer dich beruhigt.

Oder wenn du wartest, auf den Zug, im Wartezimmer, im Stau, in einer Schlange. Eine gute Gelegenheit.  
Dann, in diesen scheinbar nutzlosen Momenten wahrnehmen: Was habe ich vor kurzem erlebt? Wo geht’s demnächst hin und was erwartet mich dann? Wie bin ich gerade drauf?  Was ärgert, was freut mich?

Ich denke - wir warten zu wenig. Wir nehmen uns immer weniger Zeit, in der wir einfach so die Gedanken schweifen lassen. Wir sind schon sehr abgelenkt. Wir lassen uns schon ganz schön ablenken und nehmen nicht mehr das so wichtig, was sich in einem selbst regt und lebt.

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege“.

Auf die Stimme Gottes in sich und zu sich hören? Das musst du schon bewusst wollen und den anderen Stimmen gebieten: „Ihr seid jetzt mal ganz still! Ruhe bitte! Pscht.“
 
„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege“.

Wer so fragt, wagt, sich mit Gottes Augen zu betrachten, sich mit Gottes Ohren zu hören, muss, will, möchte die Perspektive Gottes einnehmen.
Du musst „Gott werden“ und „Mensch bleiben“, um ins innere Gespräch zu kommen, um Antworten zu erhalten Weisungen, Mutmachendes, das sich richtig und wahr und stark anfühlt.

Aber was will Gott von mir? Was sagt mir Gott?
Wo und wie bekommen wir etwas von Gott gesagt?
Zunächst in den heiligen Schriften, wo Menschen es gewagt haben zu sagen: „So spricht Gott“, meist empört, um Gerechtigkeit in einer rücksichtslosen Welt einzufordern und um wieder Menschen für die Liebe untereinander zu erwärmen.
Du hast biblische Geschichten im Ohr, die du mal gehört hast, in der Schule, von der Oma, im Konfi.
Oder, du hast zur Konfirmation, zur Hochzeit Worte mit auf den Weg bekommen, die du dir gemerkt hast, die in dir wirken.   
Oder: wie oft haben Komponisten in Liedern, in Melodien nicht nur in Chorälen und Kirchenliedern, sondern auch in viele Popsongs und Schlagern, ihren Glauben zum Ausdruck gebracht. Manche guten Lieder begleiten einen durchs Leben.
Ich denke immer an ein Lied von Hermann von Veen, der vor 40 Jahren gesungen hat:
„Hörst du denn nicht den Trommler, der beharrlich in dir schlägt, der dich bei aller Gegenwehr auch durch Feindeslager trägt. Hör auf ihn, er sagt dir was, wenn er sich nicht mehr regt, ist das ein Zeichen, dass sich gar nichts mehr bewegt“.

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz;
prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin,
und leite mich auf ewigem Wege“.

Solchen Erkenntnisweg kann nur einer wagen, der grenzenloses Vertrauen zu seinem Gegenüber spürt, zu dem Heiligen, in sich und über sich.

Im Psalm 139 da sagt der oder diejenige zuvor:
„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. … Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele“.  

Wie wohltuend, wenn du mal einem anderen von deinem Leben erzählen kannst, von deinen Gedanken, den schönen und die hässlichen, von deinen Wegen, Irrwegen und Umwegen, von den Verletzungen und Erfolgen, von den Ängsten und Hoffnungen in dir.
Wenn du dir alles von Seele reden kannst, was richtig und falsch läuft im Leben.
Jede Personen und jeder Mensch will lieben und will geliebt werden.

Jedes innere, vertrauensvolle Gespräch mit Gott tut gut. Wer sich innerlich aufmacht und hören will, bekommt bekommst letztendlich gesagt: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“.  

Im Segenslied 'Möge die Straße uns zusammenführen' heißt es in einer Strophe: 
"Bis wir uns wiedersehen, hoffe ich, dass Gott, dich nicht verlässt; er halte dich in seinen Händen, doch drücke seine Faust dich nie zu fest. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand."