Corona hätte dann einen Sinn, wenn ....

Die Plage hätte dann einen Sinn, wenn ... Die Predigt auf youtube.

Ein Lied zur Predigt: "We are the world", gespielt von Rainer Siebel.

Die Predigt zum Nachhören.

„We are the world“. Ein Lied, das 1985 komponiert wurde, als Menschen in Äthiopien an Hunger und Unterernährung gestorben sind. Ein Lied, das auch in die Zeit heute gehört. Es wurde gesungen:
"Es kommt die Zeit, dass wir einen überzeugenden Aufruf brauchen, wo die Welt zusammenkommen muss. Es sterben Leute. Es ist Zeit, dem Leben die Hand zu reichen, das größte Geschenk von allen. Wir können uns nicht weiter Tag für Tag darin täuschen, dass irgendjemand, irgendwie bald etwas verändern würde. Wir sind alle ein Teil von Gottes großer Familie. Du weißt, die Wahrheit ist, Liebe ist alles, was wir brauchen. Wir sind die Welt, wir sind die Kinder. Wir sind diejenigen, die einen helleren Tag machen, du und ich. We are the world“

Eine Seuche, eine Plage, überzieht die ganze Menschheit – weltweit. Einfach so oder hat das einen Sinn, das frage ich mich oft. Steckt was dahinter?  
„Corona hätte dann einen Sinn, wenn wir was daraus etwas lernen würden“, sagte ein Konfirmand. Aber was sollen wir daraus lernen? Können wir das jetzt schon erkennen, wofür die Pandemie gut sein könnte?
Eine Frau sagte: Erst im Rückblick lässt sich erkennen, wofür im Leben dieses und jenes gut war, das sieht man nicht, wenn man mitten drin steckt“. Warum ist das jetzt so? Aber später, Jahre später, erkennt man dann, dass der Lebensweg durch ‚das Unglück‘ eine heilsame Wendung bekommt hat, und es zwar anders gekommen ist als gewünscht, aber dann doch gut geworden ist. besser als erwartet und erhofft. Schlimme Lebenszeiten stellen sich oft – aber erst im Nachhinein - als wertvoll heraus.
Ein Sprichwort sagt: Der Mensch denkt und Gott lenkt.  Können wir jetzt schon sagen, wofür diese Pandemie gut sein könnte, gut sein wird, wohin uns Gott lenkt?
Man gibt gerade - fast hilflos - Durchhalteparolen heraus: ‚Im Frühjahr, im Sommer, spätestens im Herbst, wenn viele geimpft sein werden, dann kann das Leben wieder halbwegs befreit gelebt werden – wie früher‘. Kann man das wirklich garantieren und vorhersagen?
Die Pandemie, die sich über die ganze Menschheit ausgebreitet hat und alle Staaten trifft und lähmt und drückt und alle Erdenbewohner bedroht, viele erkranken und nicht wenige daran sterben, hätte dann einen Sinn, wenn wir Geld statt für todbringende, zerstörende militärische Aufrüstung nun für Nachhilfe und Pflege und Aufbau ausgeben würden.
Die Pandemie bekäme dann einen Sinn, wenn sich Mächte und Großmächte dieser Welt mit dem gegenseitigen Drohen und Verletzten und Töten zurücknehmen würden, wenn die Weltgemeinschaft sich darauf verständigen würde, 10 Prozent ihrer Ausgaben nicht dafür zu investieren, wie man andere vernichten sondern am Leben erhalten kann.
Schon jetzt sind hierzulande Soldatinnen und Soldaten in Altenheimen und helfen beim Testen. Gut so! Weiter so!
Mein Gedanke: Staaten verpflichten ihre Rüstungsfirmen, 10 Prozent ihrer Mitarbeiter und ihrer Intelligenz dafür einzusetzen, in den Schulen und Universitäten mitzuhelfen, liegengebliebene Bildung in Kleingruppen aufzuholen, in Krankenhäusern und Altenheimen bei der Pflege und Versorgung mitzuhelfen, Dächer und Entlüftungsanlagen zu konstruieren, wo dann sorglos bei frischer Luft wieder Kunst und Musik und Sport betrieben werden kann. Jedes Rüstungsunternehmen bekommt von den Staaten die verpflichtende Aufgabe, 10 Prozent ihrer Talente und Kräfte zur Bekämpfung der Pandemie einzusetzen. Das würde die Staaten nicht mehr kosten, die Aufträge an Rüstungsfirmen müssten nur umgeschrieben werden.
Abrüstung beim Todbringenden und Aufrüstung beim Lebensdienlichen.  
Alles andere wäre in diesen Zeiten unterlassene Hilfeleistung, wäre eine Sünde an der Menschheit in ihrer wirtschaftlichen, kulturellen, medizinischen Not.    
Bin ich verrückt? Ja?
„Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“, so schreibt Johannes in seiner Offenbarung an unterschiedliche Gemeinden, in denen viele Menschen zu leiden hatten unter Kriegs- und Mordlust der Mächtigen, unter Hunger, Pest, den Folgen von Naturkatastrophen und unter der Verfolgung, wenn sie brutale Herrscher in Frage stellten und los haben wollten.  Johannes versucht die Leute vor Verzweiflung zu bewahren, die sich gefragt haben: Wie lange müssen wir das noch erdulden?
Johannes versucht die Gemeinden vor Gleichgültigkeit zu bewahren, in dem er über die gegenwärtig schlimme Zeit hinausblickt: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und er selbst wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe ich mache alles neu“.
(Offenbarung des Johannes 21, 1-5).
Noch eine Weile und der Schrecken wird vorbei sein und es wird gut sein, besser als zuvor.  Ja, so wünscht man sich das - auch jetzt.
Aber diese Hoffnung ist nur dann begründet, wenn man jetzt schon Anzeichen sieht, dass sich jetzt schon wirklich was zu verändern beginnt, im Denken und im Handeln der Weltgemeinschaft und dass die Welt nach der Pandemie nicht nur eine andere, sondern eine gerechtere und friedlichere sein wird.
Das wäre eine Perspektive, für die es sich lohnen würde, noch durchzuhalten.  
Ich habe darüber vor zwei Tagen mit einem Bundestagsabgeordneten gesprochen und ihn gebeten, diese Idee - 10 Prozent weniger für Zerstörendes und 10 Prozent mehr für Lebensdienliches - in die hohe Politik, gar Weltpolitik, einzubringen.
Der Bundestagsabgeordnete hat mir versprochen, dem Außenminister diesen Gedanken weiterzugeben und ihn darauf anzusprechen.
Ich sehe den Außenminister vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Rede halten: „10 Prozent weniger und 10 Prozent mehr. 10 Prozent weniger für Todbringendes und 10 Prozent mehr für Lebensdienliches“. Wer ist dagegen? Wer ist dafür? Der Antrag ist einstimmig angenommen.
In diesem Jahr sind Landtags- und Bundestagswahlen, also eine gute Zeit, die Abgeordneten und VolksvertreterInnen mit diesem Auftrag in die Parlamente zu schicken. „10 Prozent weniger und 10 Prozent mehr.“
Ich habe diesen Gedanken am Freitag auch dem Bischof weitergegeben, mit der Hoffnung, dass sich diese Idee in der ganzen Kirche verbreiten möge. Tags drauf, eine erste Rückmeldung der Referentin des Bischofs: Das ist so anrührend. Danke.“
Und dieses Video schicke ich an alle Kandidaten in meinem Wahlkreis und darüber hinaus.  
Ich weiß: noch vieles andere in der Welt ist beklagenswert. Wäre zwar schön, würde sich alles Schlimme zum Guten wenden - aber das wäre dann doch unrealistisch, zu viel verlangt.  
Aber in diesen Zeiten „10 Prozent Abrüstung von Todbringendem und 10 Prozent Aufrüstung für Lebenserhaltendes“, wäre ein ermutigendes, erlösendes Signal und ein Anfang, der die Menschheit erfreuen und entlasten würde. Es wäre ein Anfang, dann auch andere global bedrängende Probleme miteinander anzupacken und zu lösen.
„Und es werden abgewischt alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein noch Leid, noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Schlimme ist vergangen und die auf den Thronen und Präsidentensesseln sitzen, sagen: Wir machen alles neu. Wir machen‘s anders, besser, friedlicher, gerechter, fürsorglicher“.   
Dann hätte die Plage einen Sinn.

Predigt zum 14. Februar 2021