Bewahre Frieden. Diktatur oder Demokratie?

Hier die Predigt zum Anhören.

Die Predigt ist bei youtube hinerlegt.

Liebe Zuhörer,

Konfirmanden haben mich in der vergangenen Woche gebeten, was zum Thema Sturm ins Kapitol in Washington zu sagen und zu predigen. Wie kann man erklären und verstehen, warum Menschen, wutentbrannt und bewaffnet in das Parlament eingedrungen sind und es so gut sie konnten, beschädigt hatten. Deren Botschaft: 'Wir brauchen keine Demokratie, wie wollen keine Demokratie. Wir glauben und vertrauen euch Politikern nicht. Wir glauben nur dem einen'.

Ich war noch nie in Amerika, deshalb ist es für mich aus der Ferne schwer, zu verstehen wieso und warum es soweit gekommen ist.  

Der einst gewählte Präsident hat über Jahre hinweg die Politik  schlecht geredet und ihr die Berechtigung abgesprochen, er hat den einen hochgejubelt und wenig später beleidigt, wenn er ihm nicht gepasst und gefallen hat. Fast jeden Tag war er in den Medien und hat getwittert Wahrheiten, Halbwahrheiten, Lügen – egal Hauptsache im Gespräch bleiben. Und er befeuerte den Anspruch, wieder ganz, ganz großartig zu werden, was einem gut gefallen mag.

Was man verachtet, wird wertlos, nutzlos, überflüssig und das kann man dann auch kaputt machen.

Aber bevor wir auf andere zeigen, in Deutschland versuchten auch Leute gewaltsam in das Parlament, den Reichstag einzudringen und haben Politiker belästigt und angepöbelt, dazu eingeladen von gewählten Parlamentariern der AfD. Ihre Wortwahl in den Parlamenten ist oft derb und verletzend. Es wird von den eigenen Anhängern hingenommen und oder gar gut geheißen und bejubelt. Aber hässliche Worte führen zu hässlichen Taten. Das wissen sie.
Und bedenken wir auch: vor 90 Jahren haben sich Menschen hierzulande einem verlogenen Diktator unterworfen und ihn gewählt, der wenige Jahre später Deutschland, Europa und der Welt einen mörderischen Krieg aufgezwungen hat.   
Menschen, die heute in einer Diktatur mit einem Alleinherrscher leben müssen, wollen sich davon befreien, wie in Belarus, wo die Menschen gegen eine wirklich gefälschte Wahl demonstrieren.

Aber anderenorts möchten sich Leute einem starken Mann unterwerfen, der Feindbilder aufbaut und immer wieder, weiderholt gegen Andersdenkende, Andersgläubige, Anderslebende. Wohl kaum etwas bringt Leute zusammen, wie wenn man einen Feind und eine Bedrohung von außen hat, der herbeigeredet wurde.  Angst macht gefügig.
Klar ist aber auch: nirgends, in keinem Land geht es absolut gerecht zu, kein Land in dem alle zufrieden sind. Geld regiert mehr oder weniger die Welt. Wer reich ist, kann auch vieles beeinflussen und setzt eigene Interessen durch und umschmeichelt Entscheidungsträger und versucht, sie für sich zu vereinnahmen, auch hier, überall, zu allen Zeiten, mehr oder weniger. Das ist nicht gut. Ist aber so.   

Manchen Menschen liegt das Gemeinwohl am Herzen, dass möglichst viele im Land gut und zufrieden leben können und es zumindest halbwegs gerecht zugeht.

Manchen liegt vor allem der eigene Gewinn am Herzen, wie’s den anderen geht, ist nicht so wichtig.

Da mag jede und jeder in sich gehen und sich prüfen: Was ist mir im Leben wichtig und heilig?

Die Zeit Jesu war sehr gewaltsam, viel gewaltsamer als heute.  Aber Jesus lehrt, sich trotz allem, Frieden im Herzen zu bewahren und sich nicht aufstacheln zu lassen:
Aus der Bergpredigt (Mt 5, 5-10)  
Glückselig sind die,
die von Herzen freundlich sind,
denn sie werden die Erde als Erbe erhalten.
Glückselig sind die,
die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit,
denn sie werden satt werden.
Glückselig sind die,
die barmherzig sind, denn sie werden barmherzig behandelt werden.
Glückselig sind die, die ein reines Herz haben,
denn sie werden Gott sehen.
Glückselig sind die, die Frieden stiften,
denn sie werden Kinder Gottes heißen.
Glückselig sind die, die verfolgt werden,
weil sie tun, was Gott will, denn ihnen gehört das Himmelreich".

Und als Jesus gefangen genommen wird, will ihn einer seiner Jünger mit dem Schwert verteidigen. Das sagt Jesus zu ihm: „Steck dein Schwert wieder zurück an seinen Platz. Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ (Mt 26, 52). Gewalt führt nur zu Gegengewalt und dann gibt es kein Halten mehr.

Paulus ermuntert die Gemeinde in Rom: „Segnet, die Menschen, die euch verfolgen, segnet sie und verflucht sie nicht. Vergeltet Böses nicht mit Bösem. Habt Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn. Lebt mit allen Menschen im Frieden, soweit das möglich ist und es an euch liegt.  Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute" (Röm 12).
Also: Bewahre Frieden, auch wenn die Stimmung aufgeheizt ist. Daran muss man sich immer wieder erinnern.
 
Aber soll man alles hinnehmen und zu allem nur Ja und Amen sagen?
Natürlich nicht: wenn das Unrecht zu groß wird, weil Mächtige rücksichtslos ihre Stärke ausnutzen, um noch mehr zu bekommen, machen die sogenannte Propheten, Jesaja, Amos, Micha und andere im Namen Gottes ihren Mund auf und kritisieren dann heftig Selbstherrlichkeit und Arroganz der Reichen, Mächtigen und Schönen. Ein biblischer Grundsatz heißt: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ (Sprüche 31,8.9).

Als der Teufel Jesus in Versuchung bringen will und ihm anbietet: Du bekommst Macht über die ganze Welt. Eine Bedingung: Du betest nur mich an! da entgegnet Jesus: "Du sollst den Herrn, deinen Gott anbeten und ihm allein dienen". (Mt 4,10). Man darf nicht seine Seele, seinen Glauben verkaufen, für kein Geld der Welt.

Die Christen nannten Jesus auch den Herrn, den Kyrios, einen Titel den damals Könige und Kaiser für sich beansprucht haben. Jesus ist unser Herr und König, damit haben die Christen bekundet: Wir wollen vor allem auf das hören, was uns Jesus mitgeteilt hat. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5, 29).
Also – eine gewisse kritische Distanz zu Herrschern ist immer angebracht: „Prüfet alles und das Gute behaltet“, (1.Thess 5,15) aber dennoch gilt auch, Regierung und Gesetze zu achten, sonst herrscht Chaos und jeder macht, was er will. Jesus sagt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ (Mk 12,17).
Demokratie im besten Sinn bedeutet: Jede und jeder darf mitsprechen und mitbestimmen. Probleme werden diskutiert und die Argumente, das Für und Wider abgewogen und dann wird entschieden, nach bestem Wissen und Gewissen, wie man sagt. Und dennoch darf und muss jede und jeder kritisch bleiben und hinterfragen: Warum so?
Politiker und Präsidenten sind keine Götter, sondern von der Bevölkerung dazu gewählt, deren Anliegen und Gedanken in die Politik einzubringen. Und weil auch Politiker der Versuchung unterliegen können, sich kaufen zu lassen, braucht es mutige und engagierte Journalisten und Reporter, die berichten und aufspüren, wenn was nicht richtig läuft.

Die, die in die Parlamente in Berlin vor einigen Wochen und noch heftiger und gewalttätiger in Washington vor ein paar Tagen eingedrungen sind, wollen das System zerstören. Und dann? Dann wieder eine Diktatur, wo ein paar über alle anderen einfach so bestimmen, die sich dann fügen und unterwerfen müssen. Willst du das? Willst du das mitmachen?  Ich nicht.

Das Grundgesetz für Deutschland wurde nach der brutalen und menschenverachtenden und gottlosen Nazi-Diktatur diskutiert und dann verabschiedet. Und im Vorwort, der sogenannten Präambel heißt es: "Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk dieses Grundgesetz gegeben“, das ja mit dem Satz beginnt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Jedes Lebewesen ist ein Geschöpf Gottes, das mit Respekt behandelt werden soll und will.

Die goldene Lebensregel, die wir jedem Kind beibringen und die wir auch in den Evangelien finden, lautet: „So wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen“. (Mt 7, 12).

Ich weiß, wir leben in unsicheren Zeiten. Was kommt auf uns noch zu? Wird’s besser? Wird‘s schlimmer? Das bereitet einem Kopfzerbrechen, macht manchmal auch Angst. Deshalb wild um sich schlagen mit Worten und mit Taten?

Einer meiner Lieblingsgedanken: "Sieh hin, hör zu und denke nach, dann wird alles, was du tust sinnvoll sein". Wir müssen im Gespräch bleiben.
Und noch eins: Wenn einem jetzt gewohnte Lebensmöglichkeiten genommen werden, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, beschäftige dich mit dem, was dir gut tut. Da gibt‘s bestimmt noch was! Denn: "Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut" (Augustinus). Eine erfreute Seele bleibt friedlich.          

Bleiben Sie ein guter Mensch.