Beste Politik - die Predigt zum Anhören (hinterlegt bei youtube).

Die Predigt zum Nachhören.

Musik I im Video von Rainer Siebel gespielt.

Musik II im Video von Rainer Siebel gespielt.

Zweite Predigt zur Enzyklika „Fratelli tutti - Über die Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft“ von Papst Franziskus  (28.Februar 2021)

„Beste Politik“ (Kapitel 5)

„Wenn wir nach einigen Jahren über die eigene Vergangenheit nachdenken, wird die Frage nicht lauten: ‚Wie viele haben mir zugestimmt, wie viele haben mich gewählt, wie viele hatten ein positives Bild von mir?“ Die vielleicht schmerzlichen Fragen werden sein: „Wie viel Liebe habe ich in meine Arbeit gelegt? Wo habe ich das Volk vorangebracht? Welche Spur habe ich im Leben der Gesellschaft hinterlassen? Welche realen Bindungen habe ich aufgebaut? Welche positiven Kräfte habe ich freigesetzt? Wie viel sozialen Frieden habe ich gesät? Was habe ich an dem Platz, der mir anvertraut wurde, bewirkt?“ (197)
So Papst Franziskus in seinem Lehrschreiben – „Von der Geschwisterlichkeit und der sozialen Freundschaft“  Mit der vom barmherzigen Samariter, der auf seinem Weg einem Ausgeraubten und Verletzen hilft, will er Mitleid hat, während andere ihm vorbeigehen, betrachtet der Papst das Weltgeschehen, Wirtschaft, Medien, Globalisierung, das Verhältnis der Religionen. In der Passionszeit werde ich mich mit Gedanken diesem wertvollem Lehrschreiben beschäftigen. Heute geht es um die „beste Politik“.  

Politik muss dem Gemeinwohl dienen muss dem Wohl aller dienen und immer die Interessen aller im Blick haben, und vor allem die der Schwachen und der oft  schweigsamen Armen.
Demokratie heißt Herrschaft des Volkes. Deshalb macht sich der Papst Gedanken über den Begriff „Volk“. Er möchte nicht auf diesen Begriff verzichten, weil er Gemeinschaft ausdrückt, eine Gemeinschaft, die nicht darauf aus ist, irgendwelche Leute auszuschließen, sondern alle einzubinden, in ihrer ganzen Vielfalt und sie miteinander auszurichten auf ein gemeinsames Ziel, an dem alle im Volk dann hinwirken. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung?
Ein Volk braucht ein gemeinsames Ziel. Einigkeit und Recht und Freiheit, danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand. Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand, wie es in der deutschen Nationalhymne heißt.
Nur gemeinsam lassen sich auch große Ziele und große Projekt anstreben und verwirklichen. Ein Volk ist mehr als nur die Summe von Individuen, mehr als nur die Summe von Einzelinteressen.
Papst Franziskus: „Teil des Volkes zu sein heißt, Teil einer gemeinsamen Identität aus sozialen und kulturellen Bindungen zu sein. Und das geschieht nicht automatisch, im Gegenteil: es ist ein langsamer, schwieriger Prozess … auf ein gemeinsames Projekt zu“. (158)
Und weiter:
„Die geschlossenen populistischen Gruppen verzerren das Wort ‚Volk‘. Wovon sie reden, ist nämlich in Wirklichkeit kein echtes Volk. In der Tat ist die Kategorie ‚Volk‘ offen. Ein lebendiges, dynamisches Volk mit Zukunft ist jenes, das beständig offen für neue Synthesen bleibt, indem es in sich das aufnimmt, was verschieden ist. Dazu muss es sich nicht selbst verleugnen, sondern bereit sein, in Bewegung gesetzt zu werden und sich der Diskussion zu stellen, erweitert zu werden, von anderen bereichert. Auf diese Weise kann es sich weiterentwickeln (160).“
Von bester Politik, von Politikern, erwartet der Papst, alle Bürger im Blick zu haben und für das Gemeinwohl zu wirken, und sich nicht allzu sehr von Umfragewerten beeinflussen zu lassen oder gar „niedrigste, egoistische Neigungen einiger Gruppierungen“ zu schüren.   
Nur wer alle im Blick hat, behält auch Gerechtigkeit im Blick.

Gemeinwohl stellt sich nicht von allein ein, wenn es den Kräften des Marktes überlässt. Der Markt wird’s eben nicht von allein richten. Schlimmer noch: „Eine Finanzspekulation mit billigem Gewinn als grundlegendem Ziel richtet weiter Unheil an“.
Die Politik muss Ziele vorgeben, „die nicht etwa bedeuten, die Kreativität des Menschen und seinen Sinn für Fortschritt zu bremsen, sondern diese Energie auf neue Anliegen hin auszurichten“ (179).
Ein Volk, Völker und die Völkergemeinschaft müssen sinnvolle Ziele suchen und finden, für sie es sich zu arbeiten und wirtschaften lohnt. Jedem solle dabei die Möglichkeit gegeben werden, mit seiner eigenen Hände Arbeit für sich und seine Familie sorgen zu können.

„Den Armen mit Geld zu helfen muss in diesem Sinn immer eine provisorische Lösung sein, um den Dringlichkeiten abzuhelfen. Das große Ziel muss immer sein, ihnen mittels Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen“. (166).

Papst Franziskus deutet auch die Beste Politik mit Hilfe des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariters aber will diese Geschichte nicht nur individualistisch verstehen, sondern auch politisch, deshalb spricht er von „politischer Liebe“. Was meint er damit?

„Während jemand einem älteren Menschen hilft, einen Fluss zu überqueren – und das ist wahre Liebe –, so erbaut der Politiker ihm eine Brücke, und auch dies ist Liebe. Während jemand einem anderen hilft, indem er ihm zu essen gibt, so schafft der Politiker für ihn einen Arbeitsplatz und übt eine sehr hochstehende Form der Liebe, die sein politisches Handeln veredelt“ (186).

Politische Liebe, „das sind jene Akte der Liebe, die dazu anspornen, bessere Institutionen zu schaffen, gerechtere Ordnungen, solidarischere Strukturen, so dass der Nächste nicht im Elend leben muss“.

„Jeder ist dann wirklich eine Person, wenn er zu einem Volk gehört, und gleichzeitig gibt es kein wahres Volk ohne Respekt vor dem Angesicht jeder Person. Volk und Person sind korrelative Begriffe. Heute jedoch maßt man sich an, Personen auf Individuen zu reduzieren, die leicht von Mächten beherrscht werden, die auf unrechtmäßige Interessen abzielen. Eine gute Politik sucht nach Wegen zum Aufbau von Gemeinschaften auf verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens, um so die Globalisierung wieder auszugleichen“. (182)
Es braucht nicht mehr nur eine Globalisierung der Wirtschaft und des Handels, sondern auch eine Globalisierung der Menschenrechte, internationale Organisationen mit verbindlichen Verträgen, ohne dass einer dem anderen was aufzwingt - auch das ist politische Nächstenliebe.  
Ganz konkret: Im Lieferkettengesetz müssen Unternehmen ab 2023 darauf achten, dass ihre Waren im Ausland weder ausbeuterisch und die Menschenrechte missachtend noch umweltzerstörend hergestellt werden.
Ein aktuelles Beispiel für politische Nächstenliebe auf Drängen von vielen Initiativen im Volk, in den Völkern, auch der Kirchen.  
Der Papst nennt diese unbequemen Initiativen von unten Volksbewegungen. Sie sind für ihn „Sämänner der Veränderung, Förderer eines Prozesses, in den Millionen großer und kleiner Aktionen einfließen, die kreativ miteinander verbunden sind, wie in einem Gedicht.“ In diesem Sinn sind sie ‚soziale Poeten‘, die auf ihre Weise arbeiten, vorschlagen, fördern und befreien“ (169).
Auch das politische Geschäft, auch jeder gutmeinende Politiker braucht eine Spiritualität, eine gute innere Kraft und Leidenschaft. Liebe im politischen Geschäft? Politiker und Politikerinnen, „für die Politik mehr ist als ein reines Streben nach Macht haben die Sicherheit, dass keine der Arbeiten, die man mit Liebe verrichtet hat, verloren geht, dass keine der ehrlichen Sorgen um den Nächsten, keine Tat der Liebe zu Gott, keine großherzige Mühe, keine leidvolle Geduld verloren ist. All das kreist um die Welt als eine lebendige Kraft“ (195)
Wir wählen in den kommenden Wochen und Monaten unsere Vertreter und Abgeordnete in unsere Parlamente, in den Landtag und den Bundestag, damit sie stellvertretend für uns beraten, streiten und entscheiden, was alle angeht und betrifft.
Ich denke, Politikerinnen und Politiker brauchen deshalb zwar die kritische, aber auch wohlwollende Begleitung der BürgerInnen und Bürger, damit sie ihre Aufgaben gut und auch liebevoll, in Hören aufeinander, angehen können.
Politikerinnen und Politikern pauschal immer nur das Schlimmste zu unterstellen, zermürbt sie, macht sie zynisch und entfremdet sie von den Bürgerinnen und Bürgern.
Wie viele gehen auch aus Sorge um das Gemeinwohl in die Politik und tun sich das alles an? Zwischendurch auch mal ein „Danke“ kann ungemein motivieren.
„Wenn wir nach einigen Jahren über die eigene Vergangenheit nachdenken, wird die Frage nicht lauten: ‚Wie viele haben mir zugestimmt, wie viele haben mich gewählt, wie viele hatten ein positives Bild von mir?“ Die vielleicht schmerzlichen Fragen werden sein: „Wie viel Liebe habe ich in meine Arbeit gelegt? Wo habe ich das Volk vorangebracht? Welche Spur habe ich im Leben der Gesellschaft hinterlassen? Welche realen Bindungen habe ich aufgebaut? Welche positiven Kräfte habe ich freigesetzt? Wie viel sozialen Frieden habe ich gesät? Was habe ich an dem Platz, der mir anvertraut wurde, bewirkt?“