Predigt zum 3. Advent 2020

"Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig" (Jes 40) - mit Donnerwetter und einem Herz voll Erbarmen.

Gnade sei mit euch und Frieden.
Herzlich willkommen zu diesem Gottesdienst am 3.Advent.
„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe der Herr kommt gewaltig“, so der Leitgedanke für den 3. Advent heute.
Der Herr kommt gewaltig?
Gewaltig kommt das Virus daher.
Die Frage aller Fragen, so scheint es: Wie werden wir Weihnachten verbringen? Mit wievielen Personen gleichzeitig? Wie kommen wir mit den Einschränkungen zu recht?
Aber wenn ich mich unterhalte, dann sagen Leute zu mir: Wie müssen runter kommen von dem „Immer mehr“. Corona ist vielleicht gar nicht verkehrt. Leute erzählen mir, wie sie angenervt sind, wenn sie von Bekannten und Freunden ständig Urlaubsbilderchen von hier und da bekommen, in welchen Restaurants sie gerade speisen.
Jetzt erst einmal vorbei. Für die einen eine wohltuende Beruhigung des Lebens, für andere eine übermäßige Einschränkung. „Die wissen einfach nichts mit sich anzufangen“, sagte ein Gesprächspartner.  
Eine Frau sagte mir: Endlich ein Weihnachten ohne die ganze Verwandtschaft. Nur wir in der Familie. Ich bin so froh. Mir fehlt nichts!“ Sich wieder auf das Wesentliche beschränken. Viele sehen auch was Positives in der Zeit.
Jetzt wirklich mal „besinnliche“ Weihnachten?

Hätte die Kirche in der Adventszeit dazu aufgerufen und es gar eingefordert, sich innerlich und geistlich vorzubereiten auf das Christfest und  auf die Botschaft der Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“, man wäre über uns hergefallen: Ihr wollt und die Geschäfte kaputt machen und uns die gute Stimmung nehmen. Spaßverderber.
Nun eine fremde Macht von außen, die zum Handeln, zur Beschränkung, zum Beziehungsfasten zwingt und damit Räume und Zeiten für Besinnung schafft: Wie die Gemütslage. Wie soll’s weitergehen? Wie geht’s mir? Was sagt mir die Seele, wenn ich zur Ruhe komme und in mich höre. Trubel ist abgesagt, in sich gehen ist angesagt.   
Corona als erzwungene Chance?
„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe der Herr kommt gewaltig“.   

„Bereitet Gott den Weg, denn siehe Gott kommt gewaltig“, nicht als netter, harmloser, alter Mann im Rauschebart, wie er manchmal dargestellt wird.

In den Heiligen Schriften erwarten ihn die Profeten als einen, der den Völker Frieden gebietet, der mit einem Donnern vom Berg die Gebote verkündet, der den Leuten ins Gewissen redet, der zürnt über himmelschreiende Ungerechtigkeit, wo sich die einen bereichern auf Kosten der Armen und Richter bestechen und kaufen, den Hals nicht vollkriegen können, stolz ihren Luxus zur Schau stellen, von Verschuldeten noch Wucherzinsen verlangen und die anderen nicht genug haben. Schluß damit.
Auch religiöse Festlichkeiten, die nur noch der Folklore dienen, verabscheut Gott. „Ich bin euren Feiertage gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht reichen: und wenn ihr mir Brandopfer und Speiseopfer opfert, so hab ich keinen Gefallen daran, und mag eure fetten Dankopfer nicht reichen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder, denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören. Es ströme aber das Recht wie Wasser und Gerechtigkeit, wie ein nie versiegender Bach“.

„Bereitet Gott den Weg, denn siehe Gott kommt gewaltig“,
Wenn Gott kommt und spricht, dann rappelt‘s im Karton, dann gebietet er den Völkern und den Leuten ins Gewissen, denen die wissentlich und willentlich Schanden und Unheil anrichten und andere ins Verderben treiben.
Wenn Gott gewaltig kommt, dann mit einem Donnerwetter: Ihr habt nur diesen einen lebendigen Planeten, mein Geschenk an euch, und ihr habt daraus ein Rohstofflager gemacht. Völker streiten um Vorherrschaft und bauen vernichtende Waffen, ums ich zu drohen, um den anderen ihren Willen aufzuzwingen. Seid ihr denn verrückt? Ihr seid doch meine Geschöpfe, ihr seid doch Menschen. Schwerter zu Pflugscharen! Panzer zu Löschfahrzeugen! Kasernen zu Unterkünften für Obdachlose.
 
Wo ist eure Seele? Wo finde ich euren Glauben? Wo ist eure Verantwortung, euch umeinander zu kümmern, die Erde zu bewahren. Redet nicht nur, handelt beherzt!
Ich sollt nicht meinen, dass ich zu allem Treiben Ja und Amen sage.
Ja und Amen zu denen, die sich wirklich kümmern, den Allerwertesten aufreissen, damit's anderen gut geht, in den Krankenhäusern, Altenheimen, Flüchtlingslagern, Schulen, Chefetagen, Betriebsratszimmern, Verwaltungen, Theatern und Konzerthäusern, in Selbsthilfegruppen
Meine Hochachtung und meinen Segen. Selig seid ihr.

Aber ich kann und mag nicht gutheißen, wer nur sich selbst im Sinn hat und dem ’s egal ist, wie’s dem andern dabei geht und dem Planeten, meinem schönen Schöpfungswerk.

Bedenkt, was ihr an Unheil anrichtet. Es sind nicht immer nur Naturkatstrophen, oft genug sind es auch Folgen eurer Gier und Blindheit.  

„Bereitet Gott den Weg, denn siehe Gott kommt gewaltig“,

Der Evangelist Lukas läßt Zacharias, den Vater von Johannes, dem Täufer, den Cousin von Jesus sagen:
Lukasevangelium 1, 67 - 79
67 Da wurde Zacharias, der Vater von Johannes,
mit Heiligem Geist erfüllt.
Er begann wie ein Prophet zu reden:
68 »Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er ist seinem Volk zu Hilfe gekommen
und hat es befreit.
69 Er hat uns einen starken Retter gesandt,
einen Nachkommen seines Dieners David.
70 So hat Gott es von jeher angekündigt
durch den Mund seiner heiligen Propheten –
71 einen Retter, der uns befreit von unseren Feinden
und aus der Gewalt aller, die uns hassen.
72 Damit hat Gott auch unseren Vorfahren seine Barmherzigkeit erwiesen.
Er hat an den heiligen Bund gedacht,
den er mit ihnen geschlossen hat.
73 Ja, er hat an den Eid gedacht,
den er unserem Vater Abraham geschworen hat:
74 uns aus der Hand von Feinden zu retten.
Dann können wir ohne Angst Gottesdienst feiern –
75 heilig und nach seinem Willen,
in seiner Gegenwart,
solange wir leben.
76 Aber auch du, Kind,
wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden.
Du wirst dem Herrn vorangehen
und die Wege für ihn bereit machen.
bereit machen:
77 Du schenkst seinem Volk die Erkenntnis,
dass der Herr es retten will
und ihm die Schuld vergibt.
78 Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen.
Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe.
79 Es leuchtet denen,
die im Dunkel und im Schatten des Todes leben.
Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.«


„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe der Herr kommt gewaltig“.
Gott kommt gewaltig gut, zu trösten.
78 Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen.
Baut die Leute wieder auf, nehmt ihnen die Bedrückungen. Genug gelitten. Johannes und mehr noch Jesus werden mit einer guten Botschaft in die Welt gehen.

„Du schenkst seinem Volk die Erkenntnis,
dass der Herr es retten will
und ihm die Schuld vergibt.
Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen.
Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe.
79 Es leuchtet denen,
die im Dunkel und im Schatten des Todes leben.
Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.“
 
Kritisieren und benennen, was alles schlecht und schief läuft ist das eine, aber die Leute so umzustimmen, so einzustimmen, dass sie den Weg des Friedens gehen, ist das andere.
Ein Bild von einer friedlichen Welt entwerfen, für das es sich zu leben und zu arbeiten und zu streiten lohnt, fordert viele mehr: Umkehr, einen Wandel des Denkens, des Wollens, der Gewohnheiten. Es braucht Vorstellungskraft und Mut, die Welt anders zusehen, als wie man es üblicherweise so tut und auch tun soll.
Das die Welt so ist, wie sie ist, ist auch Ausdruck von Macht und Machtverhältnissen Wer was anderes will, stößt auf Abwehr.  

Die große Aufgabe für uns hier wird und muss sein: bescheidener, sorgsamer und genügsamer zu leben, nicht nur aus Angst und Schrecken vor den Folgen der Klimaerhitzung und dem Artensterben, sondern weil aus Liebe zum Leben.

Ich sehe große Gefahren: Klimaerhitzung, Tiere und Pflanzensterben in ungeheuerlichem Ausmaß. Die Erde und das Leben muss uns wieder heilig werden. Respekt vor allem Leben.  
„Liebet die ganze Schöpfung Gottes! Sowohl den ganzen Erdball, wie auch das kleinste Sandkorn. Jedes Blättchen liebet, und jeden Sonnenstrahl! Liebet alle Dinge! Wenn ihr das tut, so werden sich euch in ihnen die Geheimnisse Gottes offenbaren“ (F.Dostojewski).
Die Erde und das Leben müssen uns wieder heilig werden. Respekt vor allem Leben.
Wie schaffen wir es, die Menschen zu lehren, die Erde zu heiligen, habe ich am Donnerstag die Schulleiterin Doris Simon gefragt. „So“, sagte sie, und zeigte auf die Kinder der Garten-AG. Die Kinder haben Samen aus vertrockneten Ringelblumen herausgekratzt und sie genau betrachtet und untersucht. Sie haben sich angelesen, was die Blume braucht zum Leben und zum Wachsen und wie heilsam sie wirken kann.
Wie schaffen wir es, die Menschen zu lehren, die Erde zu heiligen? „So“.

Die Natur erkunden, untersuchen, beobachten, staunen und auf diese Weise Wert wertschätzen, ehren heiligen. Was man kennt und liebt, macht man nicht leichtfertig kaputt.
Nicht nur, nicht: Das darfst du nicht! Pass auf, lass das! Was bist du für einer? Wehe!
Sondern: Machen wir das Gute.
Naturkundebücher studieren statt Werbeheftchen.
An die denken, die in den Krankenhäusern und Altenheimen wirken, statt sich nur Glitzershows im Fernsehen ansehen.
Die ins Gebet einschließen, die  
im Dunkel und im Schatten des Todes leben,
mit uns und unter uns hier und woanders, von denen uns erzählt wird.

Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen.
Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe.
Es leuchtet denen, die im Dunkel und im Schatten des Todes leben.
Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.