"Corona und die Folgen - religiös betrachet" I. Nicht zur Strafe, aber zur Bewährung.

Nicht zur Strafe, aber zur Bewährung. Zum Nachhören.

Corona I (Das Video ist bei youtube hinterlegt.)

 (1.Mose 6,5 und Psalm 90 - die biblischen Texte finden Sie unten, nach der Predigt.)


Die Kirchen hierzulande haben sich zurückgehalten, die Pandemie, das Virus, das die ganze Erde durchzieht, die Naturkatastrophe, als Strafe Gottes zu deuten, um dann den Menschen ihre Bosheit vorzuhalten und zur Umkehr zu mahnen und zu drängen. Gut so, dass sie dieses alte Deutungsmuster nicht einbringen. 
Man wird vielleicht erklären können, wie das Virus zustande kam. Wir wissen wohl, wie sich das Virus ausbreitet. Aber hinter all dem eine göttliche, zornige Absicht zu vermuten? Dieser Versuchung sind die Verantwortlichen in den katholischen und evangelischen Kirchen nicht erlegen.
Gleichwohl aber sehen nicht wenige Leute in der Krise auch einen Fingerzeig, manches unbedacht Gewohnte nun neu zu bedenken. Wir mussten auch mal einen Dämpfer bekommen. Es kann doch nicht immer nur höher, weiter gehen, immer nur aufwärts.  So, oder so ähnlich haben es manche auch gesagt.
Das mag für uns im verhältnismäßig reichen Westen und Norden zutreffen, aber im oft armen Süden, wo Staaten nicht ausreichend genug Krankenhäuser haben, kaum Sozialversicherung und nicht mal kurz hunderte und tausend Milliarden Euro Schulden machen können, gilt diese Deutung auch dort? Ich tue mir schwer damit.  

„Corona zeigt, worauf es wirklich ankommt und wie hilflos der Mensch auf einmal ist“, so hat es eine oder einer gedichtet. Ich hatte ja Menschen gebeten, mir eine Strophe auf das Lied „Oh when the saints go marching“ zu texten, was sie in der Corona-Zeit beschäftigt und was ihnen durch den Kopf geht.
„Corona zeigt, worauf es wirklich ankommt und wie hilflos der Mensch auf einmal ist“.
Die erzwungene Unterbrechung des Alltäglichen - eine Zeit ins Grübeln zu kommen, kommen zu müssen.
Vieles von dem, was vor Corona schon diskutiert wurde, kam und kommt jetzt um so heftiger hoch. Tourismus geht erstmal nicht mehr so recht. Muss man den in alle Welt geflogen sein, mit all den schädlichen Umweltfolgen? Man klagte über Overtourism - von Touristen überfüllte Städte und Landschaften. Nun gehören die Städte wieder den Bewohnern. Auch Natur konnte sich nun erholen, als die Menschen zu Hause bleiben mussten. Viele, die nun zu Fuß oder mit dem Rad in der Gegend unterwegs waren, schwärmten, wie schön es doch hier ist.
Abgase, Feinstauf, Lärm. Plötzlich herrschte wohltuende Ruhe, weil viel weniger Autos und LKWs unterwegs waren.
Gesundheit, genug zu essen und genügend Klopapier waren wichtig geworden, weil nicht mehr selbstverständlich.
Der Innenminister des Landes schrieb mir in einem Brief: „Nach der Krise werden wir große Freude, ja Euphorie uns eine neues Gefühl für all die vielen Vorzüge entwickeln, die alle die Jahre vielleicht zur Selbstverständlichkeit verkommen sind: einander in den Arm nehmen, sich mit Freunden treffen, reisen oder einfach nur gesund sein“.

War Corona nötig, um uns dafür die Augen zu öffnen und alltäglich Schönes wieder zu entdecken und zu schätzen, aber auch, um schädlichen Lebensweisen offensichtlicher zu erkennen?

Es gibt auch die die sagen: ‚Das hatte überhaupt nichts Gutes‘; die ihre Geschäfte schließen mussten, nicht mehr Eltern und Freunde treffen konnten, gestresst Beruf und Erziehung zusammenbringen mussten. 
„Corona zeigt, worauf es wirklich ankommt und wie hilflos der Mensch auf einmal ist“.
Krisenzeiten sind auch Besinnungszeiten: Worauf kommts jetzt an? Was ist wirklich wichtig im Leben – im je eigenen und im gesellschaftlichen Miteinander? Haben wir es gebraucht?
Corona – nicht zur Strafe, aber zur Bewährung.

„Hilf uns oh Gott, das Rechte tun, schenk Weisheit, sende deinen Geist. Hilf uns sehen, was von uns gebraucht wird. Führe du uns guter Gott“ – so hat eine oder einer bei dem Liedprojekt auch gedichtet.
Es geht dabei nicht um die zurückblickende Suche nach Schuld und Schuldigen, nicht um einen Blick ins Gestern und Vorgestern, sondern in das Hier und Jetzt, in das Heute und Morgen und Übermorgen.  Was kann und soll ich jetzt tun? Wie kann und soll ich helfen und meinen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten?
Führe DU, GOTT, uns in diesen ungewissen Zeiten, wo niemand so recht weiß, was richtig und falsch ist, wo aber entschieden werden muss: Grenzen zu, Grenzen auf? Kontaktbeschränkungen - wie rigoros, wie streng? Geschäfte, Kirchen zu oder auf, mit welchen Beschränkungen? Wer braucht wieviel Sofort-Geld zum Überleben? Wer muss unterstützt werden, wer kann sich selbst helfen?

Jetzt können und sollen wir uns bewähren und zeigen, was wir tun können, um gut durch die Krise zu gehen.
 
Politische Führer in unterschiedlichen Ländern haben unterschiedlich reagiert oder nicht reagiert, das Problem erkannt oder weggeredet, verantwortlich gehandelt oder sich der Verantwortung entzogen und mit dümmlichen Nicht-Wahrhaben-Wollen viele Menschen und viel Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt ihrer Ignoranz geopfert.
Die einen haben mehr oder weniger gut sich in der Krise bewährt und versucht, in ihrem Wirkungsfeld das Beste daraus zu machen. Andere haben alles nur besser gewusst, Zwietracht und Misstrauen gesät, verunsichert, aufgehetzt, schlecht geredet.
Noch ist es nicht vorbei. Eine latente Bedrohung durch das Virus ist noch da, Leichtsinnigkeit könnte Schlimmes nach sich ziehen und Einschränkungen müssten nochmals angeordnet werden. Zudem müssen wir mit Schulden und Insolvenzen fertig werden, mit Umstrukturierungen, Arbeitslosigkeit, Umschulungen, Ehekrisen, Bildungsrückständen der Schüler und Studenten, globalen Verwerfungen. Auch in Zukunft gilt es, sich verantwortlich zu bewähren und das Beste daraus zu machen für sich und die Familie und für das Gemeinwohl - in Verantwortung vor Gott und den Menschen. 
Hilf uns oh Gott, das Rechte tun, schenk Weisheit, sende deinen Geist. Hilf uns sehen, was von uns gebraucht wird. Führe du uns guter Gott.
Im Rückblick wird man eher wissen, was gut und schlecht war, was nutzlos war, was Wirkung gezeigt hat.
Es wäre gut, wenn man sagen kann, ich, wir haben uns zumindest redlich bemüht, das Beste daraus zu machen und die anderen nicht aus dem Blick verloren. Möge Gott, seinen Segen auf das wohlwollende Schaffen legen.    
Der Psalm 90 endet mit der Bitte: „Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns. Ja, das Werk unserer Hände wollest du fördern“.

1. Mose 6,5-7 aus der Sinftlut-Erzählung

„Aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er den Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel, denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe“.

Psalm 90

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.
Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Der du die Menschen lässest sterben
und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!
Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom,
sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst und des Abends welkt und verdorrt.
Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen,
und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahin müssen.
Denn unsre Missetaten stellst du vor dich,
unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.
Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn,
wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.
Unser Leben währet siebzig Jahre,
und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre,
und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.
Wer glaubt’s aber, dass du so sehr zürnest,
und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm?
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.
Herr, kehre dich doch endlich wieder zu uns
und sei deinen Knechten gnädig!
Fülle uns frühe mit deiner Gnade,
so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden.
Zeige deinen Knechten deine Werke
und deine Herrlichkeit ihren Kindern.
Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich
und fördere das Werk unsrer Hände bei uns.
Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!