Im Himmel sehen wir uns wieder - Ich lebe und ihr sollt auch leben

 
„Ich lebe und ihr sollt auch leben“, sagt Jesus im Johannesevangelium seinen Jüngern. „Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben“. Und an anderer Stelle sagt Jesus: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ Das Evangelium von Johannes eine Predigt GEGEN den Zweifel und FÜR die hoffende Gewissheit: So wie Jesu Heimat bei Gott ist, so wird es auch eure sein -  und die eurer Kinder; eine Heimat in dem Haus mit den vielen Wohnungen, eine Heimat im Himmel, der ewigen Wohnstätte für die Verstorbenen. Für die verstorbenen Kinder suchen viele von Euch einen Stern im Abendhimmel aus, wo ihr in trauriger Sehnsucht hinauf blicken könnt - hoffend, fragend, bittend: „Geht’s dir gut? Nimm Du, Gott, mein Kind in den Arm. Versorge es mit, mit dem was es braucht – bis zum Wiedersehen“.

Viele trugen oder tragen den Gedanken in sich, auch dorthin zu gelangen, dem Leben und Sein hier auf Erden eine Ende zu machen, um die Reise dorthin anzutreten, um bei dem Kind zu sein, das unendlich fehlt. Die Botschaft aber lautet: „Ich lebe und ihr sollt auch leben. ... Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“.

Menschen erzählen immer wieder von wundersamen und wunderbaren Begegnungen mit Verstorbenen nach dem Tod – sie hören, sehen und spüren noch einmal den, der gegangen ist, wie er nochmal da ist. Für viele ist es eine tröstliche Begegnung mit einem guten, unvergesslichen Segenswort und Segenswunsch für den weiteren Erdenweg; ein Moment, der gewiss macht, dass jenseits des Todes - dort - Leben ist.
In den Begegnungsgeschichten der Jünger mit Jesus nach seinem Tod sind diese besonderen Momente aufbewahrt und weitergegeben. Es sind Begegnung in Furcht und Freude mit Segensworten und Segenswünschen des Auferstandenen: „Fürchtet euch nicht“. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage“. „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen“. „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“.“Ich lebe und ihr sollt auch leben.“
Gut und schön, wenn ihr Ähnliches hören könnt, von denen die euch lieb und wert sind.  

Was bleibt ist Trauer. Ist die Trauer doch der Weg von dir in dieser Welt zu dem geliebten Menschen in die andere Welt. Die Trauer ist die Brücke von der Erde in den Himmel.
Die Trauer ist die Verbindung, die euch näher zueinander bringt. Die Trauer läßt einen spüren, was nicht mehr da ist und was doch auch immer noch da ist.
Die Trauer – wie ein Lichtstrahl von und zu dem Stern am Himmel. Das Licht verbindet was da und doch weit weg ist. Traurigkeit ist wie Sternenlicht.
Läßt einen die Trauer nicht – schmerzhaft - tiefer ins Leben hineinblicken und weit über das Leben hinausschauen und hoffen?!  

So ist es. So soll es sein. Amen

(Predigt im Gottesdienst für verwaiste Eltern am 13. Dezember 2009 in der Ev. Stadtkirche „Im Himmel sehen wir uns wieder“. Pfr. Jürgen Stauffert)