Es ist, was es ist

Es ist, was es ist.

Warum?
Warum uns?
Wenn er doch bloß nicht..., dann wäre das alles doch nicht geschehen.
Hätte sie besser aufgepasst, dann wäre sie noch am Leben.
Warum kam der betrunkene Autofahrer? Nur ein paar Augenblicke später und es wäre nicht passiert.

Das Schlimmste im Leben möchtet ihr rückgängig, es dann irgendwie anders und am liebsten ungeschehen machen;  
weil alles im Leben eine Ursache, einen Grund haben muss, so auch der Tod des Kindes, lange vor der natürlichen Sterbenszeit.

Was ist der Grund? Den Tod eines Menschen kann man doch nicht guten Herzens wollen, deshalb braucht es einen Schuldigen.
Viele plagen sich mit Schuldvorwürfen gegen sich selbst oder gar gegen den anderen, den Vater, gegen die Mutter des Kindes.  

Kam es aber zu keiner Anklage, zu keiner Verurteilung durch ein staatliches Gericht, dann ist wohl auch keine echte, objektive Schuld da, sondern ‚nur´ das mächtige Schuldgefühl: Womit habe ich, womit haben wir das verdient?

Wie kommt es aber dazu? Niemand ist gut. Vieles im Leben könnten wir bestimmt liebe- und hingebungsvoller machen. Normalerweise  genügt es einem, wenn man so recht und schlecht durchs Leben kommt und sich nicht allzu viel zu Schulden kommen lässt.
Aber der Tod des Kindes macht empfindlicher und verwundbarer.  Das Gewissen kann sich dann leichter bemerkbar machen und leuchtet dann alle Ecken und Enden des Lebens aus. Wessen Keller, wessen seelischer Keller, ist denn so richtig sauber und aufgeräumt?

Manche wurden schon als Kind für vieles verantwortlich gemacht – mussten auf die jüngeren Geschwister aufpassen, durften die Nerven der Mutter nicht strapazieren, waren Schuld, wenn sich ein Missgeschick ereignet hat.
Wem als Kind oft ein schlechtes Gewissen gemacht wurde, der fühlt sich auch als Erwachsener permanent inneren Vorwürfen ausgesetzt. Das Schuldgefühl hat dann leichtes Spiel und hält gefangen.

„Es ist, was es ist" – sollen Gegenworte sein, gegen die oft übermächtige Frage nach der Schuld, denn sie blockiert das Trauern und verhindert den Weg zum Seelenfrieden.

Aber dafür müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, wir könnten unser Leben, das Leben überhaupt, verstehen. Wir können nicht erklären, warum das Leben so oder so verläuft. Wir können nicht eindeutige Ursachen erkennen für Freude oder Trauer, für Glück oder Unglück, bestenfalls Zusammenhänge finden, vielleicht sogar erfinden.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, sagt Paulus vor 2000 Jahren, als es noch keine klaren Glasspiegel gab. Wie in einem kupfernen Spiegel erahne ich mein eigenes Gesicht, es ist fremd und rätselvoll.

Leben und Sterben bleibt letztendlich ein großes Geheimnis, unerklärbar.

Paulus aber trägt eine Hoffnung in sich, doch irgendwann einmal eine Antwort zu bekommen: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht: jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

Eines Tages werden wir dem Schöpfer von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen und werden dann erfahren, wie das Leben gemeint war.
Dann werden die vielen Geschichten im Leben zu einer großen zusammenfügt.  

Aber jetzt und hier - im Endlichen erkennen und entdecken wir zwar Zusammenhänge im Leben, aber wir können letztendlich nie genau sagen, warum und wozu und weswegen etwas - so oder so - geschieht.  

Bedenkt: Das Gute und Schöne nehmen wir hin – fragen wohl nur selten nach dem ‚Warum?´ Warum mir? Warum jetzt? Womit habe ich es verdient? Glück gehabt eben!
Das Böse und Hässliche wehren wir ab und fragen ganz schnell nach dem ‚Weshalb?´.

Hiobs antwortete auf das Unglück, als er vom Sterben seiner Kinder erfahren hat so: Er zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: „Ich bin nackt von meiner Mutter Leib gekommen und nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen. Der Name des Herrn sei gelobt".  
Und er rechtfertigt seine Schicksalsergebenheit, seine Gottergebenheit mit der Frage: „Haben wir nicht Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?"

„Es ist, was es ist". Wer sagt das einem? Die Liebe?
„Es ist, was es ist" stammt ja aus einem Gedicht:
Es ist Unsinn - sagt die Vernunft
Es ist was es ist - sagt die Liebe
Es ist Unglück - sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz - sagt die Angst
Es ist aussichtslos - sagt die Einsicht
Es ist was es ist - sagt die Liebe
Es ist lächerlich - sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig - sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich - sagt die Erfahrung
Es ist was es ist - sagt die Liebe.

Es ist Unsinn – sagt die Vernunft:
‚Welchen Sinn soll denn der Tod gehabt haben? Es ist unsinnig, schmerzhaft, unnötig. Was sollte das denn?´
Ja, so zu denken und so zu reden - leise in sich hinein oder laut mit andern - ist verständlich, ist menschlich.  
Anders zu denken - „Es ist, was es ist" – ist das möglich, ohne dass es gleichgültig klingt? Braucht es dafür Liebe? Nennen wir es Vertrauen und Hoffnung, dass alles im Leben doch irgendwie gut aufgehoben ist beim Schöpfer im Leben.
Amen