Ein Protest vor der Josef-Schwarz-Schule (JSS) von Bernd Gailing und Jürgen Stauffert zur Einweihung am 23. Oktober 2013. Ja, warum das denn?


Unsere Befürchtung: Die Schule, die in einem "pädagogischen Assessment entscheidet, ob das Kind dem bilingualen Konzept folgen kann und die sozialen und kognitiven Fähigkeiten hinreichend sind" (Carsten Breyde, Vorstand der Phorms Management AG, Betreiber der JSS), könnte zur Spaltung der Bildung und der Gesellschaft beitragen. Die guten kommen in die Privatschule, die anderen bleiben auf der öffentlichen Schule. Die einen werden später die besseren Jobs haben, die andern haben’s schwerer. Deshalb auch die Forderung: Gute Bildung für alle unsere Kinder. Es ist auch eine Kritik an das öffentliche Schulsystem, Schule und Bildung stärker zu gestalten, statt  nur zu verwalten.

Gilt nicht der Satz: ‚Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing'? Kann in der Josef-Schwarz-Schule ein freier, kritischer Geist herrschen, oder nur ein Geist im Rahmen dessen, was der verborgene Gönner noch für tolerabel hält? Wir haben die Sorge, dass durch den Einfluss der Firma die Freiheit der Lehre auf dem Spiel steht.

Auf die Transparente schrieben wir dehalb: Ohne Mauern, ohne Zäune. Bildung zur Freiheit des Geistes und des Verstandes. Und: Dient Bildung dem Wachstum der Kinder oder dem Wachstum der Wirtschaft?.

Unternehmen wollen und müssen wirtschaften, aber es besteht die Gefahr, dass dieses gewinn- und renditeorientierte Denken auf die Schule übertragen wird. Carsten Breyde sagt: „Denn ich muss auch den Eigentümern des Unternehmens, denjenigen, die in die Idee von Phorms investiert haben, immer wieder zeigen, dass es das richtige Investment ist. Und zwar auch im Rahmen einer Sozialrendite, die ebenfalls unter ökonomischen Aspekten zu rechtfertigen ist". Auf den Plakaten stand: Wahre Bildung darf nicht zur Ware werden und Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen (I. Kant) - oder zum Erfolg getrieben?

Wir sehen die Gefahr, Kinder und Bildung als Investitionsobjekte zu betrachten, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Dies wäre eine verkürzte und verengte Sicht auf den Menschen.

Schon lange vor dem öffentlichen Protest hörten wir von vielen, die ähnliche Bedenken wie wir hatten; an dem Tag selbst stimmten uns einige zu, andere ignorierten uns, manche widersprachen uns. Gut, denn wir wollten mit unseren Gedanken zum Nachdenken anregen.  

Bernd Gailing und Jürgen Stauffert

 

Hier Auszüge aus der Predigt am 13. September 2013 in der St.Martinuskirche zur Einschulung an der Kaybergschule Erlenbach:

.... Aber auch die Mamas und Papas machen sich so ihre Gedanken: Werdet ihr gut lernen? Aufmerksam sein? Was wird aus euch werden?
Ihr, liebe Eltern, wollt das Allerbeste für Eure Kinder. „Bildung", „Bildung" „Bildung" ist immer ein Thema. Bildung soll Einkommen und Fortkommen sichern. 
Bildung ist zu einem Bildungsmarkt geworden, verstärkt auch durch die Konkurrenz privater Bildungsanbieter. Welches Bildungsziel, welches Bildungsideal haben sie?

Hier sitzen nicht zuallererst angehende Angestellte oder Arbeiter, Manager oder Unternehmer, Sportler oder Künstler, Forscher oder Entdecker, Lehrer oder Pfarrer, Pfleger oder Handwerker, sondern Geschöpfe und Gotteskinder mit gutem Herzen, schöner Seele und vielen, vielen Gaben und Begabungen, die wir nach und nach staunend entdecken werden.
In jeder guten Begegnung lernen wir miteinander und voneinander.
Ein Mensch, der lernt und übt, frei seinen Verstand zu gebrauchen.
Ein Mensch, der lernt  zu lieben, lernt und übt, für einen anderen da zu sein und ein zufriedener und starker Mensch zu sein.
In einer Klasse, in der man aufeinander hört und einander achtet, ist es gut sein, dort wird es lustig zugehen, da wird viel gelernt.
In einer Schule, wo die Lehrer auf die Sorgen der Kinder und Eltern hören und wo die Eltern Anerkennung für die Gaben und Verständnis für die Grenzen der Lehrer aufbringen, wächst Vertrauen.
Eine Gesellschaft, in der Starke ihre Ellenbogen hängen lassen und viele einander wohlwollend Hände reichen, ist eine wahrhaft gebildete Gesellschaft.    
Das lohnt es auch zu lehren und zu lernen. ... (Pfr. J.Stauffert)

 

Bernd Gailing am 23. Januar 2015:

Freie Bildung für alle!!!
Nein, meine Meinung hat sich nicht geändert.
Ich halte es immer noch für sehr gefährlich, dass Unternehmen und Stiftungen sich Bildungskonzepte kaufen und auf dem Bildungssektor mitmischen. Wo bleibt die Kontrolle? Damit meine ich nicht Leistungsvergleiche und Pisa-Studien. Ich meine: Wer überprüft moralische und ethische Lehrinhalte? Wie befangen sind die Lehrkörper, wenn es um Fragen geht, die sich gegen das Unternehmen oder die Stiftung richten? Ich denke auch, dass es keine Gutmenschen gibt, die aus lauter Güte und Fürsorge für unsere Kinder und als Investition für die Zukunft, eine Schule bauen. Und wenn dem so wäre, warum muss es dann eine Schule mit Zäunen sein. Wäre der Lehrinhalt so perfekt, warum dann nicht für alle und kostenlos? Hätte man mit dem Geld staatliche Schulen unterstützt, hätten alle etwas vom Kuchen.
Ja, ich halte unser Schulsystem auch für verbesserungswürdig, aber wir haben ein tolles Bildungssystem. Es ermöglicht unseren Kindern gute Chancen und sie werden gut aufs Leben vorbereitet. Vom Hauptschüler zum Fachabitur, wo ist das sonst möglich?
Privatschulen für die Reichen und Gutverdienenden und um den Rest soll sich der Staat kümmern!!??
In unseren öffentlichen Schulen haben unsere Kinder jeden Tag die Möglichkeit, auf unterschiedliche gesellschaftliche Schichten zu treffen. Welchen Schatz nehmen wir unseren Kindern, um welche Erfahrung berauben wir sie, wenn wir sie diesem Einheitsbrei einer Privatschule opfern. Wo sonst, wenn nicht in der Schule, trifft Arm auf Reich, bildungsfern auf hochbegabt, soziale Unterschicht auf Mittelschicht? Wo sonst ist das Leben so bunt, wie in einer Schule? Kinder lernen auch voneinander und jeder hat in unserer Gesellschaft (s)einen Wert. Jeder kann etwas, was andere nicht können und so entwickeln sich auch Synergieeffekte, die uns stark für das Leben machen. Klar ist auch, dass ich mir für mein Kind nur das Beste wünsche, eine tollen Job und das nötige Auskommen. Aber vor allem, dass es sich frei entscheiden darf, welchen Weg es auch geht. Und dazu gehört auch, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Schichten kennen zu lernen.