Paddeln mit Muslimen Oktober 2014

As-Salamu-Alaykum – Friede sei mit Euch


Samstag, 11. Oktober. Oliver ist gekommen mit seinem Sohn Joshua, Manuel und ich. Andere aus Erlenbach waren beschäftigt oder weg.
Um 11 Uhr kamen die Muslime an die Christuskirche; sieben junge Männer und der Scheich: Jamal, Mohamed, Suleiman, Karim, Bogachan, Wali, Zouher, Neil, aus Afghanistan, Marokko, Kurdistan, Eritrea, Saudi-Arabien. Männer teils mit Bärten und gut gelaunt. „Darf ich euch die Kirche zeigen?“ „Gerne.“ Ich erklärte den Kirchraum, führte kurz durch die Liturgie eines Gottesdienstes, reichte das Gesangbuch, habe Psalm 1 gelesen und Psalm 150. „Was trägt der evangelische Pfarrer und der katholische Pfarrer im Gottesdienst?“
Dann aber endgültig mit allen zur Jagst. Wer paddelt mit wem? Gemischte Boote. Die Einweisung. „Wie lange dauert es bis zur ersten Pause?“ „Eine Stunde.“ „Gut, dann reicht es bis zum Gebet.“ Ich sitze mit dem Scheich in einem Boot. Wir reden über die Landschaft und die Ehefrauen. Am Wehr angekommen, wird erst einmal kräftig gegessen. Dann wird die Richtung nach Mekka mit dem Handy gesucht. Die rituelle Waschung mit Wasser aus der Plastikflasche. Gebetsteppiche werden aus der Tonne geholt und ausgebreitet. Sie versammeln sich zum Gebet – mit Schwimmweste. Ich denke an das Seniorenpaddeln. Wir haben damals auf den Booten gesungen: „Lobe den Herrn, meine Seele“ und „Geh aus mein Herz und suche Freud“.  
Weiter geht’s auf der 2. Etappe: Sie genießen die Natur, den Fluss, die Stromschnellen. Heil Angekommen. Ausgestiegen. Die Autos müssen vom Einstiegsort geholt werden. Zeit zum Reden, auch über Hochzeitsrituale und Eheverträge in Afghanistan. „Glauben Sie an die Hölle? Es wird doch gesagt: Jesus ist für die Sünden der Menschen gestorben - dann kann doch jeder machen was er will?“ Die Jungs klagen über die Vorurteile Muslimen gegenüber.
Wir laden die Boote auf. Einer will was wissen: „Jetzt, wo Sie da sind, - warum braucht die Kirche einen Islambeauftragten?“ Der Scheich ruft wieder zum Gebet.
Oliver und ich unterhalten uns währenddessen: „So oft beten? Na ja. Aber wie war es früher im Christentum: Morgengebet, Mittagsgebet, Abendgebet. Müsste die Kirche nicht mehr fordern von ihren Gläubigen, um sie den Forderungen der Welt nach unbegrenzter Verfügbarkeit zu entziehen, um dem Einfluss der Medien und Werbung etwas entgegenzuhalten: Besinn dich mehr auf Gott auch im Alltag! Lass dich unterbrechen!“
Die Abschlussrunde aller: „War eine gute Begegnung; so etwas müsste es öfters geben. Wir könnten miteinander auch mal über Gottes Schöpfung reden.“ Es war sehr lustig für den, der dabei war. Für Außenstehende wäre es bestimmt ein wenig seltsam anzusehen gewesen. Es war fremd und doch vertraut. „Wir bleiben in Kontakt. Lasst uns wieder etwas zusammen machen. Vielen Dank für die Tour.“

 Pfr. Jürgen Stauffert

 

Pfarrer schließt Moslem in der Kirche ein…

…so könnte die Überschrift in einer Zeitung aussehen. Sie vermittelt eine Tatsache, hört sich negativ an, stimmte aber den besagten Tag (11.10.2014) fröhlich ein, nachdem ein Mann unserer Moschee von seiner Gruppe in der Kirche vergessen wurde. Es hat den Pfarrer so richtig zum Lachen gebracht.

Auf dem Ausflug konnte man die Gemeinsamkeiten beider Gemeinden erkennen, die weitaus mehr als ihre Unterschiede sind. Und diese Unterschiede waren kein Hindernis, gemeinsam Spaß zu haben.

Ich möchte mich noch einmal herzlich für den Ausflug bedanken, wodurch gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden konnte. Vertrauen ist nämlich wichtiger als das, was man über den einen oder anderen hört oder sogar von ihm gesehen hat. So heißt es in einer Überlieferung in unseren authentischsten Büchern (Buchari, Muslim), dass der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Heil auf ihm und allen anderen Propheten Gottes, Folgendes gesagt hat:

„Jesus, der Sohn der Maria, sah einmal einen Mann etwas stehlen. Da sprach er zu ihm: ‚Hast du gestohlen?‘ Der Mann erwiderte: ‚Bei Allah, außer dem es keinen anderen Gott gibt, auf keinen Fall!‘ Da sagte Jesus: „Ich glaube an Aḷḷāh und leugne das, was mein Auge gesehen hat.“

Obwohl er ihn selbst gesehen hat, vergewisserte er sich zunächst und glaubte ihm dann mehr als seinen Augen. Dies war nur durch sein Vertrauen in den Gläubigen möglich und durch ihrer beider gemeinsamer Glaube an Gott. Mit der Jesus-Geschichte möchte ich zum einen zum Ausdruck bringen, dass wir Muslime und Christen mehr gemeinsam haben als viele denken, d. h. der Glaube an diese gewaltige Persönlichkeit. Gerade in der heutigen Zeit hört man viel über Islam, Islamismus, Salafismus usw., aber selbst wenn ein Muslim über seinen Glauben berichtet, wie er von ihm überzeugt ist, haben wir öfter erleben dürfen, dass ihm kein Glaube geschenkt wird, sondern eher den Medien und dem Verfassungsschutz

Neil Radhan

Imam der Bilal-Moschee, Heilbronn