Der Mensch lebt nicht von Pizza allein

Wie jeden Abend lieferte ich Pizza aus. Heute aber wollte ich etwas anders machen. Ich wollte bei jedem Haus an dem ich klingelte einen Spruch aus der Bibel sagen, der mich schon mein ganzes Leben begleitet. Vielleicht antworten sie etwas darauf. Warum ich das machte? Um den Menschen zu zeigen, dass der Glaube an Gott auch noch existiert und um zu schauen,  wie viele Menschen überhaupt noch an Gott glauben und mit einer passenden Bibelstelle antworten.

Mein erster Auftrag brachte mich in eine abgelegene Wohngegend. In einem heruntergekommenen Haus öffnete mir eine ältere Frau die Tür. `Bei ihr habe ich vielleicht Glück und sie antwortet mir etwas`, dachte ich. Ich überreichte ihr die Pizza und sagte: „Denn er wird seinen Engeln befehlen, dich zu beschützen, wohin du auch gehst.“  Die Frau sah mich etwas verdattert an, nahm mir dann aber die Pizza aus der Hand und antwortete: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Ich nickte und lächelte sie an. Sie gab mir das Geld und schloss die Tür.  Ich ging zum Auto und fuhr zu der nächsten Adresse.

Beim nächsten Haus öffnete mir ein Mann die Tür. Hinter ihm hörte ich Kinderlachen. Von ihm erwartete ich keine Antwort, denn ich ging davon aus, dass er schnell zurück zu seinen Kindern möchte. Trotzdem übergab ich ihm die Pizza mit den Worten: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute.“ Kurz hielt er inne, sah mich verwundert an, lächelte und antwortete: „Denn Gott hat uns keinen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Auch ich lächelte. Er gab mir das Geld und ging wieder zu seinen Kindern. Ich hatte nicht wirklich erwartet, dass er mir auch mit einem Spruch aus der Bibel antwortete, aber so merkte ich, dass auch heute noch viele an Gott glauben.

Die dritte Pizza an diesem Abend führte mich an den Stadtrand. Die Straßenränder waren übersät mit Müll. Ich hielt vor einem Mehrfamilienhaus. Die Spielgeräte auf dem Spielplatz vor dem Haus waren schon alt und brüchig, Nieselregen ließ mich frösteln. Schnell ging ich in den zweiten Stock. Vor der angegebenen Wohnung hörte ich lautes Geschrei. Es hörte sich an, als ob sich zwei Leute streiten würden. Vorsichtig klingelte ich. Der lautstarke Streit hörte aprubt auf und eine Frau mit roten, verweinten Augen öffnete mir die Tür. „Genauso wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen.“ Die Frau schaute mich mit großen Augen an, nahm die Pizza und gab mir das Geld. Ich bedankte mich und als ich schon an der Treppe war sagte sie leise aber dennoch mit fester Stimme: „Glücklich ist wer sich um die Hilflosen kümmert. Wenn er eines Tages selbst ins Unglück stürzt, wird ihn der Herr gewiss retten.“

Danach musste ich in ein Villenviertel am anderen Ende der Stadt. Das Haus an dem ich hielt, war eines der prunkvollsten in der ganzen Straße. Hinter einem großen Tor sah ich zwei teure Autos vor einer großen Garage stehen. Ich klingelte an dem Tor. Aus der Sprechanlage fragte eine gestresst wirkende Frauenstimme wer ich sei. Ich antwortete ihr bemüht freundlich, dass ich ihr ihre Pizza brächte. Das Tor öffnete sich und ich ging die gepflegte Auffahrt hinauf. Am Eingangsbereich angekommen war die Tür bereits offen und eine Frau um die dreißig erwartete mich bereits. Ich gab ihr die Pizza und wollte gerade zu einem Spruch ansetzen, als man aus dem Inneren des Hauses Babygeschrei hörte. Die Frau lief gehetzt in das Haus und kam erst ein paar Minuten später mit einem kleinen Kind auf dem Arm wieder zurück. Ich reichte ihr nun die Pizza und sagte: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig beladen seid; ich will euch erquicken.“ Sie stellte die Pizza auf einen kleinen Schrank, atmete tief durch und lächelte schon etwas entspannter: „All eure Sorgen werft auf Gott; denn er sorgt für euch.“ Sie reichte mir das Geld und lächelte. Ich lächelte zurück, wünschte ihr einen entspannten Abend und ging die Auffahrt wieder hinunter.

Als nächstes musste ich vier Familienpizzen ausliefern. Ich fuhr zu der genannten Adresse. Schon von weitem hörte ich wummernde Bässe von einer Party. Ich klingelte. Niemand hörte mich. Also drückte ich kurz gegen die Tür. Sie war offen. Ich trat ein und schaute mich suchend im Flur um bis mir plötzlich ein junger Mann entgegen kam und mir lächelnd die Pizza aus der Hand nahm. Ich sagte etwas lauter: „Bis jetzt habt ihr in meinem Namen noch um nichts gebeten. Bittet, und ihr werdet es bekommen. Dann wird eure Freude vollkommen sein.“ Er nahm die Pizza, brachte sie schnell in das angrenzende Zimmer und kam mit dem Geld wieder zurück. In dem Moment machte die Musik eine Pause und er sagte: „Freut euch dass ihr Hoffnung habt. Bleibt standhaft, wenn ihr leiden müsst. Hört nicht auf zu beten.“ Ich lächelte nahm das Geld, wünschte ihm und den anderen noch viel Spaß und ging dann zu meinem Auto.

Bei einem anderen Haus öffnete mir ein kleines Mädchen freudestrahlend die Tür und rief nach ihren Eltern. Bei diesem Familienglück musste ich einfach lächeln und sagen: „Was bleibt sind Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten von ihnen ist die Liebe.“ Die Mutter antwortete glücklich: „Lasst uns einander lieb haben, denn die Liebe ist von Gott.“ Auch ihnen gab ich ihre Pizza, lächelte sie nochmal an und drehte dann um.

„Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht sehen wir das Licht.“, mit diesen Worten gab ich dem Mann beim nächsten Haus die Pizza. Er antwortete: „Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt.“ Er gab mir das Geld und fragte warum ich eine Bibelstelle zitiert habe. „Ich möchte den Menschen gerne den Glauben an Gott wieder näher bringen. Ich möchte ihnen zeigen, dass es mehr gibt als Stress, Streit, Arbeit, Geld und Leid.“ Er lächelte mich an und sagte, dass es schön sei, dass jemand sowas mache, da die Religion und der Glaube an Gott in unserem alltäglichen Leben in den Hintergrund gerückt sei.

Nachdem ich die letzte Pizza dem netten Mann geliefert habe, war  meine Schicht für diesen Abend zu Ende und ich fuhr zu einer Tankstelle. Ich gab dem freundlichen Kassierer an der Kasse gerade das Geld für den Sprit und er sagte: „Verabscheut das Böse und haltet am Guten fest.“ Ich brauchte erst einige Sekunden bis ich realisierte, was er da gerade gesagt hatte. In dieser Zeit gab er mir das Rückgeld und schaute mich fragend an. Ich antwortete ebenfalls mit einer Bibelstelle: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater.“ Ich lächelte ihn an, drehte mich dann um und ging zu meinem Auto.

An diesem Abend stellte ich fest, dass es immer noch Menschen gibt, die an Gott glauben und die heilige Schrift als wertvollen Lebensbegleiter sehen.

 

Geschichte zum Thema der Konfirmation "Der Mensch lebt nicht von Pizza allein", mit allen Sprüchen der Konfirmierten, verfasst von Tabea Zörner