Gedanken der Malerin Evi Böhringer-Kerner

In einem Gespräch mit Jürgen Stauffert, ev. Pfarrer in Erlenbach, hat er mir von der Idee eines Puzzles erzählt. Jeder Haushalt der evangelischen Gemeinde solle ein Puzzleteil erhalten, um es am Gemeindefest, das jährlich stattfindet, wieder mitzubringen, damit wieder ein ganzes Bild entstehen kann. Diese Idee hat mir sofort gefallen und ich freue mich, dass ich sie verwirklichen darf – dazu noch zum 50- jährigen Jubiläum der evangelischen Christuskirche.
Anfang April hat die Schreinerei eine Holzplatte in der Größe 2,30 m x 1,60 m in mein Atelier in Neckarsulm geliefert, bereits zugesägt in einzelne Puzzleteile. Die Bemalung der Platte erfolgte Schritt für Schritt. Das Zeichen der Christuskirche – eine stilisierte Kreuzfigur – steht ganz im Vordergrund des Puzzles und grenzt an alle vier Seiten des Bildes. Da es nahezu unbemalt bleibt, spielt der Hintergrund eine ebenso große Rolle wie die Figur. Er schafft einen farblichen Kontrast und steht für die Gemeinde selbst mit seinen über 1320 Mitgliedern. Der Hintergrund lehnt sich an das Kirchenfenster in der Christuskirche, welches aus einzelnen farbigen Glasbausteinen besteht. Es war mir wichtig, den Hintergrund so zu gestalten, dass die einzelnen Elemente einmalig sind, teilweise zueinander in Verbindung treten und so Teil eines Ganzen sind, welches sich nach allen Seiten erweitern kann. Der Eindruck von Individuen, Gruppen, Familienverbänden entsteht.
Da ich mich in meinen eigenen Arbeiten gerade mit Schrift, Zeichen und Texten befasse, wird auch im Puzzle etwas davon zu finden sein und das Ganze komplettieren. In einem weiteren Gespräch mit Jürgen Stauffert, ging es darum, dass unsere Gesellschaft gespalten ist in jene, die merken, dass unser System die Menschen und unsere Umwelt ausbeutet und eine Veränderung nötig ist und in jene, die immer noch lieber die Augen davor verschließen. Daraus ergab sich die Entscheidung für den Text, der das Puzzle abrundet.
Zwischendurch kam Jürgen zum Schauen, wie weit die Arbeit ist und zum Fotografieren. So entstand nebenbei auf der Homepage der Christuskirche eine Seite mit der Entstehung des Puzzles.
Ich kenne Jürgen schon seit Beginn seiner Erlenbacher Laufbahn als Pfarrer. Er hat unsere Söhne Philip und Victor getauft und konfirmiert, ich habe Bilder und Skulpturen für die Kirche geschaffen und Ideen eingebracht. Bei schwierigen Situationen konnte er mich aufbauen und dafür schätze ich ihn. Auch dafür, dass manche Gespräche mit ihm nicht einfach und wir durchaus nicht immer gleicher Meinung sind. Dass ich keine große Kirchengängerin bin und lieber eine Kirche besuche, wenn kein Gottesdienst stattfindet, nimmt er mir nicht übel. Ich stelle aber fest, dass die Arbeit an diesem Puzzle meine Einstellung dazu langsam verändert. Auf jeden Fall bin ich gespannt auf das Fest mit den Gemeindemitgliedern und wie viele Puzzleteile den Weg zurück finden.
 
Evi Böhringer-Kerner