Mehr als nur Fußball gespielt

Schön, dass wir miteinander reden

Als der Pfarrer mich vor fünf Wochen fragte, ob ich am 28. März 2015 Zeit hätte Fußball zu spielen, sagte ich spontan ja. Als er dann noch beifügte: ‚Gegen die Moschee‘ - naja, ich hatte schon zugesagt. Dass das Ganze ein Turnier sein würde mit vielen Moscheegemeinden, habe ich erst realisiert, als ich den Spielplan in der Hand hatte.
Während ich mich am Samstagmorgen auf den Weg machte, dachte ich: Was tust du, wenn du dich nicht wohlfühlst? Was tust du, wenn diese fremden Menschen dich nicht mögen weil du Christ bist? Was tust du, wenn du ihre Sprache nicht verstehst und sie nur arabisch oder wie auch immer sprechen? Hätte ich eine Liste machen müssen, mir wären 1000 Gründe eingefallen, lieber zuhause zu bleiben. Doch ein Grund überwog: die Neugier. Was sind das für Menschen, die Muslime?

In der Sporthalle in Flein angekommen: tief durchatmen und ab durch die Türe. Drinnen stand ein älterer Herr mit grauem Bart, der uns freundlich begrüßte, aber wohl auch etwas verwundert war, als er uns mit unseren gelben T-Shirts mit dem Aufdruck  ‚Christuskirche Erlenbach‘ sah. Und von weiter hinten rief einer: „Jürgen, schön das ihr da seid“.
Langsam füllte sich die Halle, Männer von verschiedenen Moscheen aus Baden- Württemberg trafen ein. Dann ertönte über die Lautsprecher: „Christuskirche Erlenbach gegen Moschee Heidelberg 2“. Ich weiss nicht, wofür wir mehr Anerkennung erfahren haben, für unseren 4:4 Erfolg oder dafür, dass wir als evangelische Kirche beim Turnier mitspielten.

In den Spielpausen hatte ich viele Gelegenheiten, mit den verschiedenen Teilnehmern zu sprechen; anfangs vielleicht zaghaft und mit wohl sortierten Worten, später direkter und tiefer gehender. Mir wurde erzählt, wie kränkend und oft vorurteilsbehaftet die Darstellung der Medien über Muslime ist, wie Moscheen und Gläubige bedrängt und teilweise gedemütigt werden und in ihrer Ausübung ihrer Religion beschnitten werden. Natürlich war Salafismus und Kopftuchtragen ein Thema. Ich war verwundert über die Offenheit. Ich war begeistert, wieviel Muslime über christliche Bräuche und Geschichten wissen und ich nur so wenig über ihre Geschichten und Rituale.  Ich habe auch erfahren, dass es Moscheen gibt, die wirklich vollständig in das gesellschaftliche Bild ihrer Stadt integriert sind und ein reger Austausch stattfindet.

Ach ja und zwischendurch haben wir auch noch Fußball gespielt. Wir hatten ein Freilos, ein Unentschieden, einmal knapp verloren und einmal ganz knapp verloren, was wohl daran lag, dass wir auf unser Trainingscamp verzichtet haben und unser Mentalcoach leider verhindert war. Trotz allem belegten wir den 6. Platz.
Das schönste an diesem Tag fand ich, als einer sagte: „Schön, dass wir miteinander und nicht übereinander sprechen. Ich finde es ein schönes Zeichen, dass ihr da seid.“

Bernd Gailing, Vorsitzender der Ev. Christusgemeinde