Wirtschaften dient dem Gemeinwohl - Jesus und die 'Paradise Papers'

1 Jesus sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz.
2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
3 Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
5 Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
6 Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.
7 Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten
. (Lukasevangelium 16, 1-9)


... wenn der ungerechte Mammon zu Ende geht? Was ist damit gemeint, befürchtet oder gar erhofft?
Wenn nicht mehr das Geld regiert die Welt.

Wenn nicht mehr Politiker und Richter und Wissenschaftler und Gutachter und Ärzte von Geschäftemachern korrumpiert, bestochen, beeinflusst, umschmeichelt, genötigt werden.

Wenn nicht mehr Konzerne mittels Anwaltskanzleien Gesetzestexte vorschreiben und mit Behörden über Grenzwerte kungeln.

Wenn nicht mehr nur der Grundsatz gilt: aus Geld noch mehr Geld auf Kosten der Allgemeinheit zu machen.

Wenn die Welt die schön umschriebenen Steueroasen, eigentlich sind es Steuervermeidungsdreckslöcher, verbietet.

Wenn allzu Reiche und superreiche Asoziale sich nicht ihrer Verantwortung entziehen können.

Dann geht es mit dem ungerechten Mammon zu Ende.
 
Im Grundgesetzt heißt es: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen".
Im Lissabon-Vertrag von 2009, dem Grundlagen-Vertrag der Europäischen Union, heißt es: „Ziel der Union ist es, den Frieden, ihre Werte und das Wohlergehen ihrer Völker zu fördern. Die Union errichtet einen Binnenmarkt.  Sie wirkt auf die nachhaltige Entwicklung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums und von Preisstabilität, eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, die auf Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt abzielt, sowie ein hohes Maß an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualität hin. Sie, die Union bekämpft soziale Ausgrenzung und Diskriminierungen und fördert soziale Gerechtigkeit und sozialen Schutz…. Sie fördert den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten“.

In der bayerischen Landesverfassung heißt es in Art. 151
(1) „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesonders der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten. Die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen findet ihre Grenze in der Rücksicht auf den Nächsten und auf die sittlichen Forderungen des Gemeinwohls. Gemeinschädliche und unsittliche Rechtsgeschäfte, insbesonders alle wirtschaftlichen Ausbeutungsverträge sind rechtswidrig und nichtig.“

Wenn diese der politische Wille ist und umgesetzt wird gegen die Interessen der scheinbar Unantastbaren - Google, Apple, facebook, Autofirmen, und die es sich leisten können und wollen, ein Gemälde für 450 Millionen Doller zu ersteigern – dann geht es zu Ende mit dem ungerechten Mammon.

Eigentum verpflichtet!
Sozialer Fortschritt!
Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt!
Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesonders der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle! - festgeschrieben in 'Grund'gesetzen. Dann geht es mit dem ungerechten Mammon zu Ende

Wenn ein Wirtschaftsmodell gilt, das mehr auf rücksichtsvolle Zusammenarbeit als auf rücksichtslose Gewinnmaximierung und seelenlose Geldvermehrung setzt, dann geht es mit dem ungerechten Mammon zu Ende, worauf Lukas in seinem Evangelium hofft.

Als die 'Paradise Papers' ans Licht kamen, gab es heftige Reaktionen und Empörung in den Medien und im Europa-Parlament.  Die Europaabgeordneten hatte das Thema in Windeseile auf die Tagesordnung gesetzt. Zum einen, um zu demonstrieren, dass es keinesfalls an ihnen liege, wenn große Unternehmen weiterhin Milliardengewinne in Steueroasen verschieben können. Und zum anderen, um den Druck auf jene EU-Mitgliedstaaten zu erhöhen, die Steuervermeidung auf Kosten der Nachbarn erleichtern oder auch Pläne blockieren, die derartige Praktiken unterbinden sollen.
"Wir sind Verbündete in dieser Auseinandersetzung", sagt EU-Steuerkommissar Pierre Moscovici. "Wir müssen die Mitgliedstaaten auf den richtigen Weg bringen. Nicht immer machen sie das von allein, aber am Ende lenken sie ein, dank unserer Arbeit." Diesen Optimismus möchten manche Parlamentarier nicht teilen. "Praktisch alle" Vorschläge, die die Kommission zur Verbesserung der Steuerkooperation in der EU vorgelegt habe, würden vom Rat der Mitgliedstaaten blockiert, klagt Sven Giegold (Grüne). Seit Jahren, sagt der Sozialdemokrat Gianni Pittella, fordere man eine Richtlinie, die große Konzerne zwinge, ihre finanziellen Aktivitäten in der Bilanz nach Ländern aufzuschlüsseln. Steuern müssten in dem Land entrichtet werden, wo die Gewinne anfallen. "Und was machen die Mitgliedstaaten? Praktisch gar nichts."

Zurück zum Evangelium. 8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
Jesus lobt den Verwalter, weil er klug gehandelt hat und den Schuldnern des reichen Mannes Schulden erlassen hat. Legal ist das nicht, aber bevor er entlassen und gefeuert wird, entlastet er die Schuldner – von übergroßer (?) Schuldenlast. 5 Und der Verwalter rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
6 Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. 7 Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.

Rechtsbruch?
Die Reichen und Mächtigen wissen, wie sie unverschämten Reichtum legalisieren können, in dem sie entsprechende Gesetze und Vorschriften zu ihren Gunsten verabschieden lassen. Es mag legal sein, aber ist es auch legitim? Superreiche können Steuervermeidung betreiben über Steueroasen, richtiger: Steuervermeidungsdrecklöchern, oder in dem sie ihren Hauptsitz in das Land verlagern, das ihnen wenig bis fast keine Steuern abverlangt - das können die 'kleinen Leute' nicht.

Dem Verwalter wird vorgeworfen, er verschleudere den Besitz des reichen Mannes.
Ist er als Geschäftsführer einfach nur unfähig?
Treibt ihn ein schlechtes Gewissen um und er möchte nicht mehr dabei mitmachen, die Schuldner noch mehr auszunehmen, damit der eine immer noch reicher und mächtiger wird. Ist der deshalb nachlässig bei der Geldvermehrung?

Warum hat jemand aus der Anwaltskanzlei Appleby das Schweigen gebrochen und interne brisante Informationen weitergeben, die unter dem Begriff ‚Paradise Papers‘ von Journalisten ans Licht gebracht wurden? War die Steuerfahndung schon nahe und er wollte sich als Kronzeuge retten? Drohte ihm der Rausschmiss, weil er nicht diskret, verschwiegen und hörig genug mitgemacht hatte?
Wollte er die Seiten wechseln und hinfort nicht mehr den Mächtigen und Reichen dienen, sondern der Gemeinschaft und dem Gemeinwohl und der Gerechtigkeit?
Wollte er durch einen Verkauf der Informationen Geld verdienen?

Der Verwalter wechselt durch seinen Schuldenerlass die Seiten. Er macht sich bei den Schuldnern beliebt.
Jesus fordert hier zu einem Seitenwechsel auf: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in den ewigen Hütten“.

Diese Lukas-Geschichte ist an Verwalter gerichtet, an Manager. Steuert um! Handelt und wirtschaftet so, dass der Gewinn nicht nur ein paar wenigen zu Gute kommt, sondern dass es dem Wohl aller dient, dass ihr so wirtschaftet, dass ihr dabei nicht die Menschen fertig macht, die Schätze der Natur ausbeutet und zerstört, Pflanzen, Tiere und Klima, die Lebensgrundlage anderer Menschen und Völker.
Wirtschaftet so, dass die Menschen keine Angst vor der Zukunft haben müssen, weil sie sich ausgeliefert vorkommen und allzu ferngesteuert durch Entscheidungen, die von ein paar wenigen in Hinterzimmern getroffen werden. Seht euch in der Pflicht, nicht selbstherrlich mit eurer Macht umzugehen sondern sozial verantwortlich.

•    Vor ein paar Tagen war ich als Bezirksbeauftragter für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt bei einer Diskussion der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Unternehmer über das Thema „Europa“. Es gibt eine Gruppe die versucht, christlich zu wirtschaften. Wie das bei dem einen oder anderen aussieht, kann ich nicht sagen.
•    In der kommenden Woche fahre ich mit Franz Sedlak, Vertreter der katholischen Arbeitnehmer-Vertretung zu einem Vortrag nach Stuttgart, um mehr über Gemeinwohl-Ökonomie zu hören. Ein Wirtschaftsmodell, in dem die steuerlich begünstigt werden, die fair handeln mit Zulieferern Mitarbeitern, Kunden und Natur und diejenigen belastet, die unfair handeln.
•    Am 23. Februar wird es in Erlenbach dazu eine Veranstaltung zum Thema Gemeinwohlökonomie geben.  
•    Erinnern wir uns an die Demonstrationen gegen die internationalen Handelsabkommen CETA und TTIB, weil viele befürchtet haben, Arbeitnehmerrechte, Verbraucher- und Umweltschutz würde den Wirtschaftsinteressen von Konzernen geopfert werden.
•    Gestern ging die Weltklimakonferenz zu Ende, wo beraten wurde, wie künftig nicht mehr zu Ungunsten des Klimas gewirtschaftet werden soll und kann. Einige Länder wollen in den nächsten Jahren ganz aus der klimaschädlichen Kohleverbrennung aussteigen. Andere auch Deutschland wider besseren Wissens zögern noch. Werden die Klimasünder künftig aber noch bestehen können?

Ob es mit dem ungerechten Mammon zu Ende geht?  Manches ist im Wandel, durchaus auch zum Guten hin. Wer da nicht rechtzeitig die Seiten wechselt - wird er dann noch bestehen können, werden dann noch seine Produkte gefragt sein und gekauft werden? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wer nicht fair wirtschaftet, den bestraft der Kunde mit Nicht-Kauf?

Die Lukas-Geschichte ermutigt jedenfalls die Manager und Verwalter, die umdenken, umsteuern wollen. Die
die Lukas-Geschichte ermutigt die, die in ihren Firmen das Falsche machen, machen müssen, ihr Tun doch zu überdenken und nach Wegen zu suchen, an Gutem mitzuwirken.
Ist die Geschichte ein Aufruf zum generellen Verrat, wenn einem etwas nicht gefällt? Immanuel Kant meint in seiner Schrift was ist Aufklärung: „So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste über die Zweckmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muss gehorchen. Es kann ihm aber billigermaßen nicht verwehrt werden, als Gelehrter über die Fehler im Kriegsdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur Beurteilung vorzulegen".

Ein Mitarbeiter eines Atomkraftwerkes muss seine Arbeit tun, aber er kann und darf auf eine Anti-Atomkraftdemonstration gehen. Wer einem zu Diensten ist, soll seine vertraglichen Aufgaben erfüllen, aber der darf trotzdem seine Meinung haben und diese auch, zumindest außerhalb der Dienstzeit, äußern.

Die Geschichte vom unehrlichen Verwalter ist ein Kreisen um die Frage: Was ist legal, was ist legitim?

Als Jesus in dem Tempel geht und all die Geschäftigkeit und das Handeln sieht, stößt er die Tische der Taubenhändler und Geldwechsler um und rechtfertigt die Tat mit den Worten: "Das Haus soll ein Bethaus sein. Ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht." Wir finden `s heute gut, was Jesus tat. Legal aber war es nicht, es war Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. 

Wäre die Informationen aus den Anwaltskanzleien der Steuervermeidungsdreckslöchern nicht an die Öffentlichkeit gelangt, würde sich nicht viel ändern. Es hat einer oder es haben einige aus dem System der asozialen Steuervermeidung der Reichen und Superreichen nicht mehr mitgemacht und interne Informationen und Daten weitergegeben. Über ihn oder sie ist nichts bekannt. Er wäre bestimmt in großer Gefahr, villiehct gar in Lebensgefahr, wie die Journalistin aus Malta, Daphne Caruana Galizia, die vielleicht wegen ihrer kritischen Artikel über die Machenschaften der Reichen und Mächtigen ermordet wurde.

Das Wort zum Sonntag heute und für die Woche lautet: "Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi" (2. Kor 5,10). Diese Vorstellung kann einem helfen Mut zu finden: Wenn wir uns von Jesus Christus fragen lassen müssen: Wem hast Du mit deinem dir von Gott geschenkten Leben gedient: der Fürsorge und dem Leben - oder dem ungerechten Mammon?