Sich des Armen erbarmen - Buß- und Bettag 2014

Wer dem Geringen Gewalt antut, lästert dessen Schöpfer, aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott.  
Predigt an Buß- und Bettag, 19. November 2014


Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben (Sprüche 14, 34), diese Weisheit aus den Sprichwörtern ist der Leitgedanke für den Buß- und Bettag heute.
Ein paar Sprichwörter mehr:
Wer dem Geringen Gewalt antut, lästert dessen Schöpfer, aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott.  (Sprüche 14, 31)
Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich beherrscht, besser als einer, der Städte gewinnt. (Sprüche 16, 32)
Tu deinen Mund auf für sie Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.
(Sprüche 31,8)
Jesus im Matthäusevangelium:
Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht um euer Leben, was ihr anziehen werdet. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. (Mt 6, 31.33)
Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben;
Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben;
Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen;
Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.
Alles was ihr einem von meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt, 25,35.36.40)

Lieber GOTT – nein, das ist die kindliche Ansprache. Kannst DU immer noch lieb sein, wenn DU siehst die Bedrückungen und die Gewalt, die Menschen sich antun?
Aber vielleicht ist es ja  auch gar nicht so schlimm, wie uns im Fernsehen gezeigt und im Radio erzählt wird.
Vielleicht ist es noch viel schlimmer, weil klein gemachte Menschen stumm werden und sie die Gewalt allmählich hinnehmen und still ertragen. Nur wer stark ist, kann sich wehren. Aber GOTT, kaum ein Lebensbereich, in dem sich nicht Menschen kümmern und stellvertretend anklagen: Umwelt- und Klimaschutz,  Flüchtlingsbetreuung, Brot für die Welt und Adveniat, amnesty international, attac, Gewerkschaften, Nachbarschaftshilfe miteinander und füreinander, Fördervereine, Friedensforscher, Behörden, Sozialarbeiter, Asylkreise, Friedensrat…. Und wie viele arbeiten und wirken dort, wo sie leben und arbeiten in ganz konkreten Entscheidungen für ein friedlichere Welt und dass Menschen, Tieren und der Umwelt gut getan wird.
Viele Mahner und Umkehrprediger und Kabarettisten mahnen und klagen Trägheit, Verblendung und Ignoranz an. GOTT, hast DU ihnen Mut gegeben und die Augen geöffnet, uns zu befreien aus dem Gewohnten und Gewöhnlichen?
In der Sendung „Neues aus der Anstalt“ vom 18. November 2014 www.youtube.com/watch wurde ein Jüngstes Gericht gespielt www.zdf.de/ZDFmediathek; und Politiker mussten, bevor ihnen im Himmel Asyl gewährt wird, sich dafür verantworten, warum sie Flüchtlinge nicht oder nur mit großen Hürden in ihr Land gelassen haben und sie lieber auf den Fluchtwegen und im Meer haben sterben lassen. Die Göttin des jüngsten Gerichtes lässt die Politiker erst in den Himmel, wenn sie Folgendes im Fernsehen öffentlich verkündigen: ‚deshalb haben wir uns entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Flüchtling ermöglicht, Deutschland zu betreten‘. Großer Beifall im Publikum. Dann tritt ein syrischer Flüchtlingschor auf. Sie tragen T-Shirts mit den Namen syrischer Städte: Homs, Aleppo, Baniaa, Deir- Al-Zour, Al-Rakaa, Al-Hasaka, Qamish. Ein Sänger erzählt auf arabisch und wird übersetzt: ‚Ich war ein halbes Jahr im Gefängnis,  drei Jahre auf der Flucht und bin nun mit meinen drei kleinen Kindern und meiner Frau in Deutschland. Danke Deutsche, dass ihr uns umarmt und aufnehmt. Wir haben eine Botschaft an die ganze Welt: Genug Blut. Hört auf mit dem Krieg. Jana heißt Paradies. Unser Paradieslied erzählt von den wunderschönen Städten Syriens, aus denen wir kommen und die jetzt alle zerstört sind. Bitte Deutsche, bewahrt euren Frieden.‘ Dann beginnt er zu singen und der Chor stimmt ein, die Zuschauer haben Tränen in den Augen. Sie stehen gerührt auf und spenden Beifall.
Für Momente haben diese Flüchtlinge Millionen Zuschauern das Herz erweicht und mitgeholfen, uns menschlicher zu machen. Uns, denen oft vom Wirtschaftswachstum erzählt wird, das mal steigt und mal fällt und unser Glück und Frieden und Zufriedenheit davon abzuhängen scheint. All abendlich bekommen wir gesagt, welche Aktienkurse steigen und fallen, gewissermaßen als eine Art Barometer für unser Wohlbefinden.  
Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. Denn des Menschen Geist muss davon,  und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne. Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich, der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der HERR macht die Gefangenen frei. Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten. Der HERR behütet die Fremdlinge und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre. (Psalm 146)
Gestern traf ich mich mit einem Unternehmer, der immer wieder Patenschaften in einer Brennpunktschule übernimmt und ausländischen Schülern hilft, einen guten Schulabschluss zu machen und sie bei der Berufsfindung unterstützt.
Er erzählte von der Freude, wenn es gelingt. Er gab mir seinen Leitspruch auf den Weg: ‚Wenn du eines Tagen gehen musst, kannst du nichts mitnehmen aber du kannst vieles hinterlassen‘. Was hast du denen gegeben, die in Not waren und du ihr Nächster gewesen bist?
Bei einem Friedensgespräch meinte ein Bundespolitiker kürzlich: Wir müssen viel mehr auf die achten, die Brücken bauen, die sich für Verständigung einsetzen und für Frieden zwischen den Feinden, als immer nur auf die Bösewichte zu sehen, sich mit ihnen zu beschäftigen.
Ja, GOTT, viele haben ein gutes Herz und viele wollen für andere da sein. Lass mich hören auf die, die leidenschaftlich für Verstummte streiten, die Lieder vom Frieden und vom Paradies singen. Es liegt doch an uns, ein Stück Paradies leben zu lassen. Manchmal kann es nur der Klang einer Stimme sein.
Mir kam die Geschichte eines Mannes in den Sinn, der von einer Brücke springen wollte. Ich wurde als Notfallseelsorger angerufen. Als ich ankam, war der Mann aber schon in sicherer Obhut von Polizisten. Ich ging mit dem Mann spazieren und ließ mir seine Geschichte erzählen. Wir redeten auch über die Situation auf der Brücke am Geländer und warum er freiwillig zurückkam. Er sagte, dass zuvor andere Polizisten gekommen waren. Einer rief: ‚Spring nicht jetzt, morgen kannst du auch noch springen‘. Diese Kälte hatte ihn verletzt und nicht überzeugend bewegt. Dann kam ein anderes Polizistenteam. Sie näherten sich ihm, sprachen behutsam. Ich fragte den Mann, was ihn dann bewogen habe, nicht zu springen und mit diesen Polizisten von der Brücke auf den Parkplatz zurückzugehen. Der Mann antwortete: ‚Es war die Stimme des einen Polizisten‘. In der Tat, dieser Polizist war ein verständnisvoller Mann, einfühlsam und behutsam. Der eine hatte dem anderen durch seine warme Stimme das Leben gerettet. GOTT, DEIN heiliger Lebensgeist ist in der ganzen Welt!

Bewahre uns davor, mehr zu wollen, als wir brauchen und uns gut tut. Gib uns Luft zum Atmen, erholsamen Schlaf, ein Lachen zwischendurch, Heimat in der Freundschaft, Frieden im Herzen, Weite der Gedanken und Liebe zum Leben.