Jahreslosung 2017 - Die Welt kann morgen besser sein als heute

In einem Comic unterhalten sich Linus und Charlie Brown: „Ich denke, die Welt ist heute viel besser als, sagen wir, vor fünf Jahren.“ „Wie kannst du das sagen? Liest du keine Zeitungen? Hörst Du nie Radio? Wie kannst du da herumstehen und behaupten, die Welt sei heute besser?“ „Ich bin ein Teil dieser Welt“.

Hast du die Welt besser gemacht? Wie lautet deine Antwort? Je nachdem, welchen Lebensbereich du unter die Lupe nimmst und unter welchen Gesichtspunkten du dich prüfst.

Der ganz eigene persönlichen Gesichtspunkt – Bist du dir selbst und deinen Ansprüchen gerecht, halbwegs gerecht geworden? Hast du dich selbst gemocht, gar geliebt? Kommst du mit dir selbst zurecht?

Der familiäre Blickwinkel - Hast du zum Wohlbefinden in der Familie und Verwandtschaft beitragen können?

Beruflich gesehen – Hast du gut gearbeitet? Warst du erfolgreich? Leistest du Sinnvolles?

Das ehrenamtliche, politische Engagement – Hast du dich zum Wohle der Gemeinschaft eingesetzt, Fernstehenden Freude bereitet, sie auf ihrem Weg begleitet, für ein friedvolles Miteinander in einer größeren Gemeinschaft oder Gemeinde beigetragen?

Ökologisch betrachtet – Hast du irgendwie mitgeholfen, Umwelt, Natur, Tiere und Pflanzen zu schützen, zumindest versucht, sie nicht zu belasten?

Religiös gesehen – Hast du deiner Seele genug Nahrung gegeben und hast immer wieder auf heilige und heilsame Worte gehört, dich davon leiten lassen, gelebt in Verantwortung vor Gott?

Bei dem einen oder anderen Bereich mag es ein dickes Plus geben, im anderen eher ein Minus.  Lässt sich alles in allem addieren, so dass und dann kommt Gesamtergebnis herauskommt?

Ist die Welt besser geworden, weil du besser geworden bist? Wird die Welt besser, weil du im kommenden Jahr besser werden wirst - vorausgesetzt du hast diesen Anspruch?

Wir hoffen ja immer darauf, dass Welt besser wird - aber wie? Durch andere? Durch die, die mehr entscheiden können als du – Chefs, Unternehmer, Gewerkschaftsführer, Politiker, Minister, Bischöfe. Durch eben die, die an den großen Rädern drehen können.

Wird die Welt besser durch politische Entscheidungen und Gesetze, die Bürger bei Strafe zwingen, Schlimmes zu lassen und Gutes zu tun?

Wird die Welt besser durch eine plötzliche Eingebung? Durch Bücher, Filme, Reden, die anrühren und berühren?

Wird die Welt besser durch Krisen, die zur gemeinsamen Umkehr zwingent: 'So soll es nicht mehr weiter gehen'?

Wird die Welt besser durch einen Sinneswandel in jedem einzelnen oder in vielen?

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch, solautet die Jahreslosung 2017. Ein Sinneswandel also von ganz oben - geschenkt, gegeben, verordnet.

Ein neues Herz, ein neuer Geist - können wir ganz gut gebrauchen für dieses Jahr, auf das viele mit Sorge und Befürchtungen sehen. Wie gehen die Wahlen in Deutschland aus? Wohin tendieren andere europäischen Nationen? Was wird aus Amerika? Wie entwickelt sich die Arbeitswelt angesichts von noch mehr Automation? Werden mehr Anschläge die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen? Werden Religionen, derer Führer und Gemeinden, mehr zum Frieden oder mehr zur Gewalt beitragen? Werden sich Bürger und Nationen voneinander abgrenzen, nebeneinander her leben, aufeinander zugehen? 

Hören wir hinein in die Worte Hesekiels von dem die Jahreslosung kommt und hören auf das, was er danach zu sagen hat:
Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.
Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein.
Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen und will das Korn rufen und will es mehren und will keine Hungersnot über euch kommen lassen.
Ich will die Früchte auf den Bäumen und den Ertrag auf dem Felde mehren, dass euch die Heiden nicht mehr verspotten, weil ihr hungern müsst.
Dann werdet ihr an euren bösen Wandel denken und an euer Tun, das nicht gut war, und werdet euch selbst zuwider sein um eurer Sünde und eures Götzendienstes willen.
Nicht um euretwillen tue ich das, spricht Gott der HERR, das sollt ihr wissen, sondern ihr werdet euch schämen müssen und schamrot werden, ihr vom Hause Israel, über euren Wandel.
So spricht Gott der HERR: Zu der Zeit, wenn ich euch reinigen werde von allen euren Sünden, will ich die Städte wieder bewohnt sein lassen, und die Trümmer sollen wieder aufgebaut werden.
Das verwüstete Land soll wieder gepflügt werden, nachdem es verheert war vor den Augen aller, die vorüberzogen.
Und man wird sagen: Dies Land war verheert und jetzt ist's wie der Garten Eden, und diese Städte waren zerstört, öde und niedergerissen und stehen nun fest gebaut und sind bewohnt.
Und die Heiden, die um euch her übrig geblieben sind, sollen erfahren, dass ich der HERR bin, der da baut, was niedergerissen ist, und pflanzt, was verheert war. Ich, der HERR, sage es und tue es auch.
So spricht Gott der HERR: Auch darin will ich mich vom Hause Israel bitten lassen, dass ich dies ihnen tue: Ich will die Menschen bei ihnen mehren wie eine Herde. Wie eine heilige Herde, wie eine Herde in Jerusalem an ihren Festen, so sollen die verwüsteten Städte voll Menschenherden werden, und sie sollen erfahren, dass ich der HERR bin. 
(Hesekiel 26, 26-36)

Das Land elendiglich verwüstet, die Leute vertrieben. Ein Neuanfang soll gemacht werden. Die Felder sollen bepflanzt werden, die Städte wieder voller Menschen sein. Das Land soll wieder aufgebaut werden - von neuem mit altbekannten Werten. Ein neues Herz und ein neuer Geist - nach einer Katastrophe.

Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Verfassungen werden formuliert und geschrieben, wenn ein Staat sich neu bildet nach Umbrüchen, Kämpfen und Kriegen, dann von neuem gegründet auf Werte, die allen gelten sollen: Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit und Wohlstand. Deutschland hat es vor bald 70 Jahren erlebt, als es sich 1949 das freiheitliche Grundgesetz gegeben hat, das jedem Bürger absolute Grundrechte zusichert.

Europa hat sich nach dem verheerenden Krieg wirtschaftlich und politisch zusammen geschlossen, um nicht wieder aufeinander einzuschlagen, sondern um sich miteinander in gut nachbarschaftlichen Verhältnis zu entwickeln.

Was geschieht in den kommenden Monaten und Jahren in Deutschland, in Europa, auf der Welt? Werden sich die Menschen auf gemeinsame Werte besinnen und aufeinander Rücksicht nehmen und versuchen Vertrauen aufzubauen – werden sie besser werden wollen? Oder werden die Egoismen, die nationalen, religiösen, wirtschaftlichen und ethnischen zunehmen? Werden Reiche reicher, Arme arm bleiben oder gar ärmer werden? Werden Christen, Muslime und Juden sich voneinander abgrenzen oder aufeinander zugehen? Finden konfessionsgebundene und konfesssionsfreie Menschen eine Sprache, in der sie sich und ihr Anliegen verständlich machen können? Brechen Gräben und Grabenkämpfe zwischen Rechten und Linken auf? Finden Politiker und Bürger wieder mehr zusammen oder breitet sich noch mehr Misstrauen aus? Werden wir Augen und Ohren öffnen können, für die uns scheinbar fremd und fern sind oder zunehmend auf die Erfüllung unserer Wünsche und Interessen pochen. Wir, die wir doch alle in einer Welt leben. Keiner lebt für sich allein.      

Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Was ist das Gebot der Stunde? Die Aktion passt zur Jahreslosung und passt in das kommende Jahr. Immer mehr wollen mitmachen. Ich bin gespannt, was sich tun wird, wenn die Weihnachtszeit und die Ferien vorbei sind.  Es sind nicht Gebote, die vom Himmel fallen, sondern, die unten auf der Erde entstehen, miteinander und füreinander.
Viele stören sich, zumindest anfangs, an der Formulierung: „Du sollst“, „Du sollt nicht“. Es klingt hart, befehlend, bestimmend. Aber dieses 'Du sollst' heißt ja auch: Ich soll, wir sollen. Was da auf die Balken gehämmert wird, soll ja ‚allgemeinverbindlich‘ sein.   

Machen diese Gebote, die auf der Homepage veröffentlich sind, dich, mich, uns besser? Schaffen sie es tatsächlich, in der Welt mehr Respekt, Vernunft und Mitgefühl zu verbreiten? Schärfen sie das Gewissen? Werden sie irgendwie in die Gesetzgebung einfließen?

Wie wirken die zehn Gebote auf den einzelnen und auf die Allgemeinheit?

Welchen Einfluss auf dei Gesellschaft hatten tatsächlich die biblischen Propheten, die Kritiker in Gottes Namen, die das Recht und die Gebote Gottes eingefordert hatten?

Wie sehr hat die Bergpredigt Jesu, die ja eine, seine, Auslegung von Geboten ist, gewirkt? Wie sehr wird sie heute in den Kirchen beherzigt?

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Zeit und Gelegenheit für Neues kommen dann, wenn scheinbare Gewissheiten ins Wanken geraten; gar wenn Frieden und Freiheit vernichtet werden, weil Respekt, Vernunft und Mitgefühl der Gier, Arroganz und Wichtigtuerei weichen müssen. Vielleicht trägt die derzeitige Krisenstimmung in der Welt ja dazu bei, sich miteinander wieder auf Wesentliches und Friedensstiftendes zu besinnen.

Ich mutmaße: die Welt steht gerade auf der Kippe. Was wirst du tun? In die eine Richtung gehen oder in die andere oder dich nicht bewegen und abwarten, was geschieht?

1945 hat die Evangelischen Kirche, in der viele dem nationalistischen Ungeist gefolgt sind, in Stuttgart eine Schulderklärung abgelegt - im Gesangbuch die Nummer 837: „Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu gegen den Geist gekämpft, der in nationalsozialistischem Gewaltregime seinen fruchtbaren Ausdruck gefunden hat, aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben. … Wir hoffen zu Gott, dass durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen dem Geist der Gewalt und Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann. Wir bitten in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator spiritus. Komm, Schöpfer Geist".

Es reicht nicht nur, die guten Gebote zu kennen, sondern es gilt, sie immer wieder zu suchen, zu übersetzen, mit ihnen zu widerstehen und sie einzuüben versuchen. Das ist anstrengend angesichts des Wissens, dass wir alle Sünder sind und bleiben und den Ansprüchen letztlich nicht gerecht werden können.

Der Comic-Dialog vom Anfang ein klein wenig umformuliert: „Ich denke, die Welt kann morgen besser sein, als die von heute.“ „Wie kannst du das sagen? Liest du keine Zeitungen? Hörst Du nie Radio? Wie kannst du da herumstehen und behaupten, die Welt wird besser?“ „Ich bin ein Teil dieser Welt“.