Gedanken zur Jahreslosung: Gott nahe zu sein ist mein Glück (Ps 73,28)

Psalm 73, 1 -12 Lauter Güte ist Gott für Israel, für alle Menschen mit reinem Herzen. Ich aber - fast wären meine Füße gestrauchelt,  beinahe wäre ich gefallen. Denn ich habe mich über die Prahler ereifert,  als ich sah, dass es diesen Frevlern so gut ging. Sie leiden ja keine Qualen, ihr Leib ist gesund und wohlgenährt. Sie kennen nicht die Mühsal der Sterblichen, sind nicht geplagt wie andere Menschen. Darum ist Hochmut ihr Halsschmuck, wie ein Gewand umhüllt sie Gewalttat. Sie sehen kaum aus den Augen vor Fett, ihr Herz läuft über von bösen Plänen. Sie höhnen, und was sie sagen, ist schlecht; sie sind falsch und reden von oben herab. Sie reißen ihr Maul bis zum Himmel auf und lassen auf Erden ihrer Zunge freien Lauf. Darum wendet sich das Volk ihnen zu und schlürft ihre Worte in vollen Zügen.  Sie sagen: «Wie sollte Gott das merken? Wie kann der Höchste das wissen?» Wahrhaftig, so sind die Frevler: Immer im Glück, häufen sie Reichtum auf Reichtum.

Ein paar Leute können sich wohl alles leisten und leisten sich alles. Was kostet die Welt? Unermesslicher, milliardenschwerer Reichtum, wohin mit all dem Geld? Privatjets im Hangar, Rolls Royce in den Garagen, Yachten in den Häfen, Gemälde als spekulative Wertanlage; sie umschmeicheln Politiker und schöne Frauen, führen das Fernsehen durch ihre Gemächer und lassen das Volk ihren Wohlstand bestaunen.

Viele der Zuschauer aber fragen sich: reicht’s den Monat noch mit dem Geld? Ist die erste Million verdient, vermehrt sich die nächste und übernächste dann von allein. Man kennt sie und kennt sich doch nicht. Sie bleiben unter sich, unter ihresgleichen, machen die großen und guten Geschäfte und jammern über zu hohe Steuern und zu hohe Löhne; wollen keine Regeln, niemanden über sich, wollen handeln und spekulieren, was eben gerade Gewinn verspricht: Häuser, Ländereien, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Kunst, egal; vielleicht auch Prostitution, Waffen, Drogen.

Schön blöd? Selbst schuld, wer nicht versucht auch irgendwie mitzumischen und an steigenden Kursen mitzuverdienen? Es machen doch scheinbar irgendwie alle. Jeder will doch irgendwie nach oben und ein respektables Geschäftsauto. Oder?

 

Psalm 73, 13- 16 Also hielt ich umsonst mein Herz rein und wusch meine Hände in Unschuld. Und doch war ich alle Tage geplagt und wurde jeden Morgen gezüchtigt. Hätte ich gesagt: «Ich will reden wie sie»,  dann hätte ich an deinen Kindern Verrat geübt. Da sann ich nach, um das zu begreifen;  es war eine Qual für mich ...

 Wenn ich da nicht mitmachen will, wenn ich mit meinem Beruf doch irgendwie ganz zufrieden bin - mach' ich dann was falsch? Wenn ich nicht so mithalten und mitmachen kann und will beim Spiel: Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot. Meine Marken. Die beste Schule mit den besten Kontakten für mein Kind.

Irgendwie vergleicht man sich dann doch; irgendwie macht man sich so seine Gedanken um die Zukunft. Reicht das einfache, normale Leben noch aus oder müsste es nicht doch mehr sein? Wenn man’s nicht so weit gebracht hat, war man dann nicht schlau genug, zu bedächtig und vorsichtig, nicht strebsam genug? Zuviel auf's Herz und das Gewissen gehört und zu wenig auf den Verstand? Waren einem die Ideale und Werte und Skrupel im Weg auf der Karriereleiter?

 

Psalm 73, 17-22 .... bis ich dann eintrat ins Heiligtum Gottes und begriff, wie sie enden. Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund, du stürzt sie in Täuschung und Trug. Sie werden plötzlich zunichte, werden dahingerafft und nehmen ein schreckliches Ende, wie ein Traum, der beim Erwachen verblasst, dessen Bild man vergisst, wenn man aufsteht. Mein Herz war verbittert, mir bohrte der Schmerz in den Nieren; ich war töricht und ohne Verstand, war wie ein Stück Vieh vor dir.

Ich habe dann die Dinge in der Welt wieder von einer anderen Sicht gesehen, an einem Ort, an dem nicht der freie Welthandel gepredigt wird, nicht ein Loblied auf hohe Kurse gesungen wird und nicht der Teufel mit seinen Versuchungen zu Wort kommen soll, sondern wo Gottes Wort zu hören ist, Gottes mahnende Worte und Gebote. Was auf Lug und Trug gebaut ist, hat keinen Bestand. Eine Zeit lang mag es vielleicht gut gehen, aber irgendwann holt es einen dann doch ein. Erst kommt der Hochmut, dann kommt der Fall. Und irgendwann ein jüngstes Gericht, in dem wir unser Leben verantworten müssen. Im Internet wird ja alles und jeder bewertet -  das strengt bestimmt auch an, gut auszusehen, Kunden zufrieden zu stellen.

Ich darf oft von alten Menschen deren Lebensgeschichten hören. Und ich habe allergrößte Achtung und Respekt, wenn sie es gewissenhaft geschafft haben, nicht hoch geflogen und nicht abgestürzt sind, die fleißig und bescheiden gelebt haben. „Besser ein trockener Bissen mit Frieden als ein Haus voll Geschlachtetem mit Streit. Besser niedrig sein mit den Demütigen, als Beute austeilen mit den Hoffärtigen. Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und der sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte gewinnt“. In der Bibel finden wir viele Weisheiten: In den Sprüchen Salomos, der Weisheit Salomos, bei Jesus Sirach: “Wer Geld lieb hat, der bleibt nicht ohne Sünde; und wer Gewinn sucht, der wird damit zugrunde gehen. Viele kommen zu Fall um des Geldes willen und ihr Verderben steht ihnen vor Augen. Wohl dem Reichen, der untadelig geblieben ist und nicht das Geld sucht!“

Die sogenannten Weisheiten in der Bibel stehen nicht im Predigtplan, führen eher ein Schattendasein, doch die Jahreslosung 2014 kommt aus dem Geist der Weisheit. Deren Grundlage lautet: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit. Die Toren verachten Weisheit und Zucht“. Das klingt furchtbar altmodisch. Versucht jetzt die Kirche doch wieder den Leuten Angst zu machen? Wenn der Mensch verantwortungslos lebt, bringt er Verderben. Wer nichts von einer Autorität über sich, oder in sich wissen will, der kommt auf Abwege, die ihm selbst und anderen nicht gut tun.

Wir hören und lesen davon in den Zeitungen, kennen es vielleicht aus dem Bekanntenkreis, haben es vielleicht schon selbst erleben müssen. „Behalte meine Gebote so wirst du leben. … Den Unverständigen bringt ihre Abkehr den Tod und die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um, wer mir aber gehorcht, der wird sicher wohnen und ohne Sorge sein und kein Unglück fürchten“.

Haben die Theologen, die Gottesdenker, das Durchdenken und das Predigen der Gottesfurcht vernachlässigt, aus Furcht, zum Spaßverderber in der Gesellschaft zu werden? Wieviel Freiheit tut gut? Ab wann schadet sie? Gottesfurcht kann den Charakter stärken, aber auch die Seele vergiften?

 

All das wird dem Beter im Tempel wieder bewusst:

Psalm 73, 27 - 28 Ja, wer dir fern ist, geht zugrunde; du vernichtest alle, die dich treulos verlassen. Ich aber - Gott nahe zu sein ist mein Glück. Ich setze auf Gott, den Herrn, mein Vertrauen.  Ich will all deine Taten verkünden.

Sein Glück ist es, wieder rechtzeitig zur Besinnung zu kommen, der fast gestrauchelt und gefallen wäre und vielleicht doch lieber mitgemacht hätte und fast wie sie geredet und gedacht hätte, wie die Überheblichen, Selbstgerechten und Möchtegernallmächtigen, die Gottlosen.  

 

Psalm 73, 23 -26 Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten. Du leitest mich nach deinem Ratschluss und nimmst mich am Ende auf in Herrlichkeit. Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde.  Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig.

Gegenworte. Trotzworte. Gegen die Verlockungen des großen Ruhms und schnelles Geld zu machen. Der Psalmbeter macht die Versuchungen durch, denen auch Jesus im Matthäusevangelium ausgesetzt ist.

Es sind Allerweltsversuchungen und – Allerweltserfahrungen. Du leitest mich nach deinem Ratschluss. Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens. Gott nahe zu sein ist mein Glück. Um zu solchen Aussagen, um zu solchen glücklich machenden Bekenntnissen zu kommen, brauchen wir eine Auszeit vom Alltag, einen Sonntag, Feiertagsruhe; dafür brauchen wir Gruppenstunden und Religionsunterricht, in denen Gottes Worte, Sprüche und Ansprüche zur Sprache kommen, dafür brauchen und haben wir viele Lieder.