"Arbeit, Lohn und mehr." Predigt beim Handwerker-Gottesdienst im Mai 2017

 

Arbeit und Lohn – ja.
Gute Arbeit und gerechter Lohn – ja.
Es muss verdient werden – ja.

Aber es geht immer auch und mehr.
Kannst du dich freuen bei der Arbeit? Wirkst du in dem Beruf, für den du dich geschaffen und berufen fühlst? Erscheint dir dein Schaffen sinnvoll und nützlich? Erfüllt dein Fleiß und Geschick dich selbst mit einem gewissen Stolz und Selbstwertgefühl? Erkennst du im kollegialen, respektvollen Arbeiten miteinander auch einen Friedensdienst?  

Arbeit, Lohn und mehr.

Gott hat uns den Auftrag gegeben: Jeder sorge auch für seinen Nächsten. Das gehört zur Lebensweisheit. Aus dem Buch Jesus Sirach, 16, 23 -7,12:

Mein Kind, höre mir zu und lerne Weisheit und beherzige meine Worte!
Ich will dir eine zuverlässige Lehre geben und dich mit Sorgfalt unterrichten: Als der Herr im Anfang seine Werke erschuf und von ihrem Ursprung an ihnen ihre Bestimmung gab, da hat er für immer geordnet, was sie tun, und für alle Zeit, wie weit ihre Herrschaft reichen sollte, dass sie nicht müde noch matt werden noch ihren Dienst versäumen und keins das andere behindern, sondern dass alle immer seinem Befehl gehorsam sein sollten.
Danach hat er auf die Erde geblickt und sie mit seinen Gütern erfüllt und das Erdreich mit Tieren bevölkert, die wieder zur Erde zurückkehren.
Gott hat die Menschen aus Erde geschaffen und sie wieder zur Erde zurückkehren lassen; er bestimmte ihnen die Zeit ihres Lebens und gab ihnen Macht über das, was auf Erden ist, und verlieh ihnen Kraft, wie er selber sie hat, und schuf sie nach seinem Bilde.
Er bestimmte, dass alle Geschöpfe sie fürchten mussten und sie herrschen sollten über Tiere und Vögel.  Er gab ihnen Vernunft, Sprache, Augen, Ohren und Verstand zum Denken. Er erfüllte sie mit kluger Erkenntnis und zeigte ihnen Gutes und Böses. Er hat sein Licht in ihre Herzen gegeben, um ihnen die Größe seiner Werke zu zeigen, damit sie seinen heiligen Namen loben und seine großen Taten erzählen sollten. Er hat sie gelehrt und ihnen das Gesetz des Lebens gegeben.  Er hat einen ewigen Bund mit ihnen geschlossen und ihnen die Ordnungen seines Rechts offenbart.  Sie haben mit ihren Augen seine hohe Majestät gesehen und mit ihren Ohren seine herrliche Stimme gehört.
Und er sprach zu ihnen: Hütet euch vor allem Unrecht!, und befahl jedem, für seinen Nächsten zu sorgen. Ihre Wege hat er immer vor Augen, und nichts ist vor ihm verborgen. Alle ihre Werke sind ihm so wenig verborgen wie die Sonne, und seine Augen sehen ohne Unterlass all ihre Wege. Auch alle ihre Ungerechtigkeiten sind ihm nicht verborgen, und alle ihre Sünden sind vor ihm offenbar.  Er hält die Wohltaten eines Menschen so wert wie einen Siegelring und seine guten Werke wie einen Augapfel. Und zuletzt wird er aufstehen und jedem vergelten auf seinen Kopf, wie er's verdient hat. Aber die reumütig sind, lässt er wieder zu Gnaden kommen, und die müde werden, tröstet er, dass sie nicht verzagen.


Es macht uns friedfertiger und sanftmütiger, wenn wir Leben und Arbeiten und Wirken miteinander und füreinander unter den Augen und Ansprüchen Gottes verrichten.

Arbeitszeit ist Lebenszeit. Auch bei der Arbeit leben wir.
Glücklich und selig, wer das gerne machen kann und darf, wozu er sich vertraglich verpflichtet hat. Glücklich uns selig, der seinen Beruf gefunden hat, zu dem er sich doch immer wieder auch berufen fühlt und sagen kann: „Ich bin gerne Dreher, Mauer, Elektriker, Werkzeugmacher, Schreiner, Karosseriebauer, Mechaniker. Mir gefällt, was ich mache und schaffe.“ Dann ist Arbeitszeit erfüllende Lebenszeit.
Bemitleidenswert, wer sich nur widerwillig zur Arbeit schleppt, nicht das macht, was einem am Herzen liegt, sondern nur für Geld arbeitet, arbeiten muss, nicht an dem Platz wirkt und werkelt, wo er anerkannt und geschätzt wird - nicht als Macher, nicht als Mensch. Dann ist Arbeitszeit tote, verlorene Lebenszeit.

Gefühle bestimmen unser Verhalten, auch bei der Arbeit.
Der eine hat Lust, geht gerne zur Arbeit, kümmert sich auch um die anderen, motiviert sie, verbreitet gute Stimmung. Der andere jammert und klagt, ist nur mit sich beschäftigt und raubt den anderen Energie. Warum nicht auch mal über Gefühle reden? „Wie geht’s? Was beschäftigt Dich gerade? Was gibt Dir Kraft und treibt dich an?“ Nicht nur so dahingesagt, nicht nur so dahingefragt, sondern auch immer wieder mal offen und ehrlich interessiert gefragt, wenn Zeit und Gelegenheit dafür ist; und dann für ein paar Minuten einfach nur hören und zuhören und hinhören.
Wenn ein anderen um einen weiß, kann man ja eher aus dem Weg räumen, was stört. Beim Feierabendbierchen oder beim Wochenschluss-Vesper nicht nur im Belanglosen bleiben, sondern auch mal das einbringen, was einem immer wieder durch den Kopf geht wenn man Nachrichten hört, in die Welt blickt und über die Zukunft grübelt.
   
Handwerker gehen raus zu ihren Kunden, hören, was sie brauchen und wollen, sehen ihre Freude, spüren ihren Ärger. Handwerker bringen ihre Produkte und Dienst unmittelbar an den Mann und die Frau, sind dicht dran an den Menschen; sind auch Seelsorger, wenn sie versprechen: „Das kriegen wir schon hin“.
Industriearbeiter bleiben in ihren Werkshallen und fertigen massenhaft Produkte und sehen nicht, was ihre Werkstücke bei den Käufern bewirken. In der Industrie geht es um andere Summen, um andere Dimension von Geld und Gehalt. Sind die Unterschiede gut und gerecht?  Wird dort, wo viel mehr Dienst nach Vorschrift verlangt wird, der Mensch stärker auf Erfolgszahlen Zahlen reduziert und fühlt sich als ein Rädchen im großen Getriebe?
Handwerker sehen es mit wehmütigen Augen, wenn ihre Ausgebildeten, denen sie ihre Erfahrungen und Hoffnungen mitgegeben haben, dann dorthin gehen, wo es für sie lohnender und ertragreicher ist und Prämien locken. Verständlich wohl, aber für kleinere Betriebe auch unerfreulich.

Wirtschaften muss in das Wohl der Gesellschaft eingebettet sein. Wirtschaften darf nicht nur eigenen Gesetzen und Ideologien dienen, sondern muss auch das Gemeinwohl im Sinn haben. Haben Handwerker eher einen Sinn dafür, weil sie dichter am Leben der Leute dran sind und selber spüren, was gebraucht wird? Sie fragen nicht Marktforscher, sondern fragen direkt ihre Kunden. Sie wecken nicht mittels großer Werbekampagnen Bedürfnisse, sondern versuchen vielmehr unmittelbare Bedürfnisse und Anliegen zu befriedigen.

Was hält eine Gesellschaft friedlich und vertrauensvoll zusammen? Integration bereitet uns Kopfzerbrechen und wird uns noch lange beschäftigen. Sie kommt voran, wenn miteinander und füreinander gearbeitet wird. Arbeit bringt Anerkennung und Achtung - überall auf der Welt.  Integrationsbegleiter und Flüchtlingshelferinnen im Ort vermitteln die hierher Gekommenen, Getriebene und Geflohene, nicht in große Industriebetriebe, wo man nicht weiß, wer entscheiden kann und wo große Werkstore und viele Vorzimmer überwunden werden müssen, sondern in Handwerksbetriebe, wo man mit dem Chef und Betriebsleiter bei Festen das eine oder andere Glas Wein trinkt, ab und zu miteinander wandert oder im Verein gemeinsam Sport oder Musik macht, wo man sich kennt.

Und er sprach zu ihnen: Hütet euch vor allem Unrecht!, und befahl jedem, für seinen Nächsten zu sorgen.

Arbeit, Lohn und mehr.
Für den Gottesdienst heute haben viele mitgewirkt und vieles selbst gebaut und dekoriert hergerichtet und angerichtet. Gut g’schafft! Euch und Gott sei Dank für die Tatkraft und die ansteckende Freude in den Tagen zuvor. In euch, in allen, lebt doch eine gute Seele, die lieben und geliebt werden will. Eine Seele, die sich kümmert und die getröstet werden will, wenn sie bekümmert ist. Die Seele lässt ich nicht am Spint morgens aus- und abends wieder anziehen. Kann und soll auch nicht so sein.
Wo auch Herz und Seele mitschafft, legt Gott seinen Segen hinein. So ist es, so soll es sein. Amen