All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch. (1.Petr 5,7)
Predigt am 28. September 2014 in der Ev. Christuskirche

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. 1. Mose 2, 4b-9.15

Aus dieser Geschichte sollen wir Gedanken für den heutigen Sonntag nehmen, der unter dem Leitwort steht: All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch.

Dem Menschen ist ein Fleckchen Paradies gegeben.  Ein Fleckchen Erde, auf dem er sich erholen kann, eine grüne Oase mit bunten Blumen und vielen Tieren in einer ansonsten trockenen, staubigen, lebensfeindlichen Gegend. Gestern war ich mit Lehrern der Kaybergschule paddeln, nachher geht es mit den Schülern und Eltern der Klasse 4 b auf die Jagst. Bei solch einer Bootstour breitet sich Freude und Friede aus. Freude, mit den anderen vergnügt unterwegs zu sein und Friede, wenn man die warme Sonne auf der Haut spürt, Bussarde und Fischreiher über einem kreisen sieht und ein Eisvogel übers Wasser flitzt.    
Jedem Menschen ist mindestens ein Ort gegeben, an dem er gut leben kann.
Wenn aber Sorgen manchmal groß und bedrohlich werden und sie einen gefangen halten am Tag und in der Nacht, dann nimmt man sie mit, wohin man geht.
Das Wort Angst kommt von Enge. Wer Angst hat, dem wird das Herz eng, der findet keinen Ausweg und fühlt sich gefangen und bedroht und erwartet allmählich nur das Schlimmste. Einem die Angst zu nehmen, heißt, den Menschen aus der Enge der Gedanken und Sorgen herauszuholen, den Blick zu weiten, Vertrauen zu geben und an einen Ort zu führen, der die Sinne belebt, an dem man sich frei bewegen kann, wo du sein darfst, wo deine Seele frei sprechen und hoffnungsvoll beten kann. Wo hältst Du dich gerne auf? Wo hast Du schon gute Erfahrungen gemacht und hast dich aufgehoben gefühlt? Wann warst Du das letzte Mal in deinem Paradiesgarten Eden, der für dich und für dein Wohl wie geschaffen ist? Niemand ist dazu bestimmt, nur unglücklich sein zu müssen.
„Und Gott setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaute und bewahrte“. Der Lieblingsort muss bewahrt und gepflegt werden, damit du gut und gerne dort leben kannst oder zumindest ihn immer wieder gerne aufsuchst. Sonst verkommt er und du wirst heimatlos. Das gilt auch für die Seele. Sie braucht doch auch immer wieder gute Gedanken. Wenn die Seele immer wieder betet, gute und schöne Gebetsworte wiederholt und darin lebt, fällt es ihr einfacher, die Sorgen Gott anzuvertrauen.
Betende Menschen haben nicht weniger Sorgen, nicht weniger Schwierigkeiten, aber sie dürften gelassener sein.
Wer immer wieder singt: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag", dem wird das Herz nicht so schnell eng werden und kann auch mal mit Hiob sagen: "Haben wir nicht Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen“.
"All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch." Wer das nicht kann, den befällt Wut und Zorn. Denn oft meint man, an einem Unglück müsse ja jemand schuld sein: man selbst oder ein anderer, der es nicht gut mit einem meint, oder gar Gott, der, warum auch immer, einem das Unglück nicht vom Leib hält oder gar straft. Und dann beginnt man anzuklagen, zu rechtfertigen, zu fordern, zu vergelten. Man beisst sich in zornige Gedanken fest, wird verbissen und findet nichts Schönes mehr in der Welt.
Zur Sorge gesellt sich der Groll,- ein Paar, das sich gegenseitig anstachelt und dem Gemüt vollends den Seelenfrieden raubt.
Ihr kennt das vielleicht von euch oder habt es schon mal an anderen erlebt. Schade, sehr schade. Bitter.
All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch. Wie schafft man das? In dem man es macht, immer und immer wieder. In dem man die Seele zu Gott sprechen lässt von der Angst, der Schuld, der Wut, dem Hass, den Enttäuschungen.
Lass die Seele sprechen, lass die Seele mit Deinem Gott streiten; fordere von ihm dein Recht auf Leben, klage es und klage es ein!
Darf man das? Gehört sich das? Eine Geschichte erzählt davon: Von der bittenden Witwe (Lukas 18).
"Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.